Aktualisiert 12.02.2020 18:27

Glutenfrei oder vegetarisch?

«Immer mehr Soldaten brauchen eine Extrawurst»

Die Armee nimmt bei der Verpflegung auf immer mehr Befindlichkeiten Rücksicht. Und das bei einem Budget von 8.75 Franken pro Person und Tag.

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dk
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Die Verpflegungsansprüche bei Rekruten und Soldaten sind gestiegen. Und das bei 8.75 Verpflegungskredit pro Person und Tag.

Die Verpflegungsansprüche bei Rekruten und Soldaten sind gestiegen. Und das bei 8.75 Verpflegungskredit pro Person und Tag.

Keystone/Gaetan Bally
Für die Verpflegung gibt die Armee pro Rekrut und Tag maximal 8.75 Franken aus. 2.38 Franken müssen im Schnitt für den Zmorge ausreichen. Für den Kaffee wird mit 9 Rappen pro Mann gerechnet, 1 dl Orangenjus schlägt mit 14 Rappen zu Buche. Dazu gibt es 100 g Brot (39 Rp.), 20 g Butter (44 Rp.) oder 30g Müesli (25 Rp.). Am teuersten sind Käse (30 g à 54 Rp.) und Aufschnitt (50 g à 60 Rp.).

Für die Verpflegung gibt die Armee pro Rekrut und Tag maximal 8.75 Franken aus. 2.38 Franken müssen im Schnitt für den Zmorge ausreichen. Für den Kaffee wird mit 9 Rappen pro Mann gerechnet, 1 dl Orangenjus schlägt mit 14 Rappen zu Buche. Dazu gibt es 100 g Brot (39 Rp.), 20 g Butter (44 Rp.) oder 30g Müesli (25 Rp.). Am teuersten sind Käse (30 g à 54 Rp.) und Aufschnitt (50 g à 60 Rp.).

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3.91 Franken genügen für einen durschnittlichen RS-Zmittag. Nach einer Gerstensuppe (23 Rp.) gibt es beispielsweise hausgemachten Hackbraten (1.92 Fr.) mit Senfsauce (7 Rp.), Bratkartoffeln (96 Rp.) und gedünstete Rüebli (49 Rp.). Rechnet man den Pfefferminztee (10 Rp.) dazu, reicht es nur noch für ein Mini-Dessert.

3.91 Franken genügen für einen durschnittlichen RS-Zmittag. Nach einer Gerstensuppe (23 Rp.) gibt es beispielsweise hausgemachten Hackbraten (1.92 Fr.) mit Senfsauce (7 Rp.), Bratkartoffeln (96 Rp.) und gedünstete Rüebli (49 Rp.). Rechnet man den Pfefferminztee (10 Rp.) dazu, reicht es nur noch für ein Mini-Dessert.

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Chips, Gummibärchen oder Schokolade: Über ein «Fresspäckli» freut sich jeder Rekrut oder Soldat in der Armee. Einer von ihnen ist der Komiker Bendrit Bajra, der vor rund einem Monat in die Rekrutenschule in Bülach eingerückt ist. «Leute, ihr wisst ja, dass ich dick bin – und aktuell im Militär», schreibt Bajra. «Ich muss meine Linie da halten, schickt mir darum doch ein Fresspäckli. Paketlieferung ist gratis!»

Zu 20 Minuten sagt Bajra, dass das normale Tagesmenü in der RS sehr gesund sei – für ihn sogar zu gesund. «Ich liebe es, zu essen, und ich gönne mir gern etwas. Das vermisse ich jetzt im Militär.» Dass das im Militär nicht immer möglich sei, könne er aber verstehen. «Nicht zuletzt, weil unser Essen pro Tag höchstens 8.75 Franken kosten darf.»

Steigende Ansprüche

Gemäss Jean-Michel Martin, Chef Fachbereich Verpflegung bei der Armee, sind nicht die Kosten das Problem, sondern die konstant steigenden Ansprüche der Armeeangehörigen.

Gab es früher zum Zvieri etwa nur Militärbiscuits, unter den Soldaten auch als «Sägemehl am Stück» bekannt, habe die Armee das Angebot mittlerweile deutlich ausgeweitet.

«So gibt es etwa Kambly-Guetzli, Basler-Leckerli oder Apfelmus», sagt Martin. «Aber die Leute sind mittlerweile sehr schwer zufriedenzustellen, immer mehr Soldaten brauchen eine Extrawurst.» Daher würden viele Armeeangehörige auf die Fresspäckli zählen, die sie mit ihrem Lieblings-Zvieri versorgten. Aber nicht nur beim Zvieri würden die Ansprüche steigen, auch bei der normalen Verpflegung hätten sich die Ernährungsgewohnheiten geändert.

Protein und fleischlose Alternativen

So gebe es zahlreiche religiöse oder gesundheitliche Befindlichkeiten, auf die man Rücksicht nehmen müsse, so Martin. Beispielsweise bei Muslimen, Vegetariern oder glutenunverträglichen Personen. Und bei «Fitness-Freaks» sollte vor allem möglichst viel Eiweiss im Essen drin sein. «Wenn jemand vor 20 Jahren keine Kutteln, Leberli oder keinen Eintopf essen wollte, war das sein Problem.»

Heute werde das Personal darin geschult, bei jedem Mittag- oder Nachtessen fleischlose Alternativen anzubieten. Und Personen mit Zöliakie könnten etwa selbstständig glutenfreie Produkte kaufen, die ihnen das Militär zubereite und zurückvergüte.

Viel Fleisch

Auch Allesesser sollten bei fleischlosen Alternativen zünftig zugreifen, findet die Ernährungsberaterin Nicoletta Weber aus Dietlikon ZH. Denn die Verpflegung im Militär sei eindeutig zu fleischlastig, die 8.75 Franken pro Person könnten intelligenter investiert werden. «Zwei- bis dreimal Fleisch pro Woche genügen reichlich für eine gesunde Ernährung», sagt Weber.

Und da Fleisch oft der teuerste Menüpunkt sei, schone das auch das Budget, sagt Weber. Mit dem gesparten Geld könnte man das Salatangebot ausbauen oder zusätzliche Gemüseoptionen offerieren. Bei Rekrut Bajra stösst diese Forderung auf Ablehnung: «Noch mehr Gemüse? Nein, das muss definitiv nicht sein», sagt er mit einem breiten Lachen.

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