Führungspositionen: Immer mehr weibliche Chefs

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FührungspositionenImmer mehr weibliche Chefs

Klar ist, dass Frauen immer mehr Führungspositionen bekleiden. Klar ist aber auch, dass ganz oben oft noch ein Mann sitzt.

von
Gabriel Aeschbacher

Cécile B.* kennt die Mechanismen des Geschäfts. Bevor sie Kinder hatte, sass sie selber in der Bankleitung eines renommierten Instituts – mit Aussicht auf den Chefsessel. Dass sie sich in der Folge für die Familie und gegen die Karriere entschieden hatte, bereut sie heute nicht, «denn mit den Kindern und zwei Arbeitstagen pro Woche führe ich ein erfülltes Leben». Dass heute ganz zuoberst immer noch vorwiegend Männer sitzen, erstaunt sie nicht, «weil es meiner Meinung nach noch immer nicht möglich ist, ganz an der Spitze eines Konzerns in Teilzeit zu arbeiten». Susanne T.* arbeitet ebenfalls im Bankensektor und ist dort in leitender Funktion tätig. Natürlich bringe sie die nötigen fachlichen Kompetenzen mit, sagt die Mittdreissigerin, die jedoch nachschiebt, zum richtigen Zeitpunkt auch am richtigen Ort gewesen zu sein.

Ihre Führungsaufgabe führt Susanne T. mit Leidenschaft aus, «auch wenn es nicht immer einfach ist, allen 250 Mitarbeitenden gerecht zu werden». Damit, dass eine Spitzenkraft zum Beispiel «nur» 80 Prozent arbeitet, könnte sie gut leben, «weil das organisatorisch grundsätzlich kein Problem ist». Nur könne es aber sein, dass Kunde X genau dann den Chef sprechen wolle, wenn dieser nicht da sei. Und deshalb müsse eine möglichst hohe Erreichbarkeit eben gegeben sein. Cécile B. kommen diese Aussagen sehr bekannt vor. «Irgendwann kommt für eine Frau halt einfach die Frage, ob sie Kinder haben will oder nicht – oder ob sie zu hundert Prozent für den Job da ist». Und klar war für Cécile B. schon immer, dass sie dann kürzertreten werde. Gedanken darüber, was aus ihr noch hätte werden können, macht sie sich nicht. «Ich lebe im hier und jetzt».

Das tut auch Susanne T., deren Job ihr noch immer wahnsinnig Spass macht, obwohl sie oft auch abends für repräsentative Pflichten unterwegs ist. «Im Moment aber ziehe ich auch eine ganze Menge Energie aus meiner täglichen Arbeit». Und sie spürt das Wohlwollen ihrer – männlichen und weiblichen – Mitarbeitenden, ohne die der berufliche Erfolg im Endeffekt nicht möglich wäre.

Nicht wirklich angetan von so viel weiblicher Power ist Haustechniker Thomas B. Ginge es nach ihm, würden nicht so viele Frauen ganz oben sitzen, «weil Männer schlicht fähiger sind, einen Laden zu schmeissen». Und schon gar nichts wissen will er, der selber einige Mitarbeitende unter sich hat, von einer möglichen Quotenregelung einiger «selbst ernannter» Feministinnen, welche – so Thomas B. – «am liebsten nur noch Frauen in der Chefetage sähen».

*Name der Redaktion bekannt.

www.seminare.ch/unternehmensfuehrung-info.html

www.wirtschaftsfrauen.ch

www.fraw.ch

Frauen regieren die Berufswelt

In den USA stellen die Frauen die Mehrheit der qualifizierten Arbeitskräfte. Auch in der Schweiz ist das weibliche Geschlecht auf dem Vormarsch, erreicht diese Quote mittlerweile doch 45 Prozent. Fast nur weiblich ist die Lehrerlandschaft im Kanton Zürich, wo 90 Prozent der Grund- und Unterstufenlehrkräfte Frauen sind. Und auch punkto Universitätsabschlüssen haben die Frauen mit 59 Prozent im Moment die Nase vorn. 2030 sollen Frauen zudem jede zweite Führungsposition besetzen.

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