19.06.2019 05:51

Doktor Sex

«Immer nach einem Jahr ist die Lust auf Sex weg»

Pierre versteht nicht, weshalb er immer wieder am selben Punkt einer Beziehung scheitert. Gibt es eine Möglichkeit, dies zu ändern?

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Zu Beginn ist es in Pierres Beziehungen immer aufregend.

Zu Beginn ist es in Pierres Beziehungen immer aufregend.

Frage von Pierre (51) an Doktor Sex: Ich bin sportlich, noch recht potent und habe Erfolg bei den Frauen. Auch wenn ich nicht mehr so schnell komme wie früher, kriege ich zwei bis drei Orgasmen in einer Nacht hin. Jedoch fehlt mir oft die Lust auf Sex, und ich habe zunehmend den Verdacht, dass ich hier einen Knacks habe.

Zu Beginn ist es in meinen Beziehungen immer aufregend. Wenn nach einiger Zeit die Schattenseiten sichtbar werden und wir auch Konflikte hatten, verschwindet meine Lust auf Sex jedoch sofort. Sehe ich aber andere hübsche Frauen, kommt sie gleich wieder zurück.

Ich habe aus diesem Grund schon Partnerinnen verloren und auch selber Schluss gemacht. Derzeit bin ich wieder in einer solchen Situation. Warum schwindet mein Interesse an Sex immer nach spätestens einem Jahr und unter den beschriebenen Umständen? Und was kann ich dagegen tun?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Pierre

Offensichtlich scheinst du weder erkennen noch damit umgehen zu können, dass die Frau, mit der du jeweils gerade zusammen bist, in erster Linie ein Mensch ist mit Ecken, Kanten und auch Fehlern; und nicht ein Objekt, das dazu da ist, deine Lust auszulösen, aufrechtzuerhalten und zu befriedigen.

Sobald das Ur-Menschliche in deiner Partnerin für dich sicht- und erfahrbar wird, hängst du innerlich ab. Jedoch ist es dir dann nicht möglich, dafür bewusst die Verantwortung zu übernehmen – dies würde nämlich bedeuten, dir eingestehen zu müssen, dass ein Teil von dir diese letztlich entwertende Selektion vornimmt.

Es ist daher naheliegend, den Grund für dieses sich wiederholende Phänomen ausserhalb von dir zu suchen und zu glauben, es sei die Lust, die dein Problem verursacht.

Nun scheint der Mechanismus aber nicht mehr zu funktionieren, der dein Ich bisher davor geschützt hat, sich seine eigenen Schattenseiten eingestehen und erkennen zu müssen, dass es bei weitem nicht so perfekt ist, wie es bisher geglaubt hat. Gut so, denn nun kannst du damit beginnen, das Problem dort lösen, wo es entstanden ist: in dir selbst.

Blinde Flecken in der eigenen Psyche sowie die damit zusammenhängenden Muster aufzudecken, ist nicht einfach. Auch wenn du bereits einen ersten grossen ersten Schritt in Richtung Selbsterkenntnis gemacht hast, empfehle ich dir, den nun folgenden Prozess zusammen mit einer Fachperson anzugehen.

Sie kann dich darin unterstützen, biografische Zusammenhänge zu erkennen – beispielsweise, welche Umstände in deinen frühen Beziehungen dazu geführt haben könnten, dich wie beschrieben zu verhalten. Und sie kann dich unterstützen, wenn du dir parallel dazu bewusste, selbst- und sozialverträgliche Verhaltensweisen aneignest. Alles Gute!

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