Basel: Immer weniger ausländische Sexarbeitende – schon vor Corona

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BaselImmer weniger ausländische Sexarbeitende – schon vor Corona

Im Kanton Basel-Stadt werden ausführliche Zahlen zur Sexarbeit publiziert. Die Zahl der Personen in der Branche nimmt seit Jahren ab. Die meisten ausländischen Sexarbeitenden kommen aus Rumänien und Ungarn.

von
Steve Last
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Die Zahl der ausländischen Sexarbeitenden im Kanton Basel-Stadt nimmt seit Jahren ab.

Die Zahl der ausländischen Sexarbeitenden im Kanton Basel-Stadt nimmt seit Jahren ab.

20min/Celia Nogler
Die meisten Sexarbeitenden im Kanton kommen aus Rumänien und Ungarn.  

Die meisten Sexarbeitenden im Kanton kommen aus Rumänien und Ungarn.  

Zentrales Migrationsinformationssystem
Die Sexarbeitenden, die in die Schweiz kommen, leisten hier aber mehr Arbeitsperioden und mehr Arbeitstage. Sie bleiben aber weit unter den maximal zulässigen 90 Tagen.

Die Sexarbeitenden, die in die Schweiz kommen, leisten hier aber mehr Arbeitsperioden und mehr Arbeitstage. Sie bleiben aber weit unter den maximal zulässigen 90 Tagen.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • Im Kanton Basel-Stadt melden sich immer weniger ausländische Sexarbeitende.

  • Dies geht aus einem umfangreichen Bericht der Regierung zur Branche hervor.

  • Um die Selbstbestimmung Sexarbeitender zu verbessern, sollen Hürden für Kleinsalons abgebaut werden.

Im Jahr 2020, als Corona einschlug, hatten sich im Kanton Basel-Stadt nur noch 1202 ausländische Personen als Sexarbeitende angemeldet. Die Pandemie hatte schwerwiegende Auswirkungen auf die Branche, etwa wegen des Ausübungsverbots. Doch die Zahlen sinken seit Jahren. Wie aus einem Bericht der Regierung an den Grossen Rat hervorgeht, waren es 2019 noch 1580. Im Jahr 2017 waren es noch 2524 gewesen. Auch die Anzahl gesamthaft geleisteter Sexarbeitstage sank im gleichen Zeitraum von 55’320 auf 41’172. Im Jahr 2020 brach sie, wohl auch der Pandemie geschuldet, noch einmal auf 31’218 ein.

Wieso sich immer weniger Personen, meist Frauen, im Kanton Basel-Stadt als Sexarbeitende melden, kann nicht abschliessend beantwortet werden. Die Regierung hält es für möglich, dass die seit 2019 praktizierte Anmeldung der Sexarbeitenden direkt beim Amt für Arbeit in den Räumen der Hilfsorganisation Aliena mitunter ein Grund sein könnte. Davor hatten die Arbeitgebenden diese Anmeldung vorgenommen. Dies erschwerte den Behörden und Hilfsorganisationen jedoch direkten Zugang zu den Dienstleistenden.

Die meisten kommen aus Rumänien und Ungarn

Die meisten ausländischen Sexarbeitenden kommen aus Rumänien (336 in 2020) und Ungarn (281 in 2020). An dritter Stelle folgt Spanien, dann mit grossem Abstand Deutschland, Polen und Italien. Personen aus der EU können 90 Tage pro Jahr bewilligungsfrei in der Schweiz arbeiten und müssen sich nur anmelden. Doch wie lange bleiben sie? Laut dem Bericht nehmen die Zahlen hier zu – die Sexarbeitenden, die noch in die Schweiz kommen, leisten im Schnitt mehr Arbeitsperioden und mehr Arbeitstage pro Jahr. Die durchschnittlichen Arbeitsperioden pro Person stiegen von 3,4 in 2017 auf 4,1 in 2019. Die Arbeitstage pro Person stiegen in der gleichen Zeit von 21,9 auf 26,1 – also weit unter den erlaubten 90 Tagen.

An dieser Stelle muss hervorgehoben werden, dass dieser Bericht kaum Einblick in die Situation von Sexarbeitenden aus der Schweiz bietet. Er orientiert sich primär an den Anmeldungen durch ausländische Sexarbeitende. Schweizer Personen in der Branche müssen sich nicht anmelden. Lediglich ihren Arbeitsort müssen sie transparent machen, wenn sie dort nicht wohnen. Doch der Unterschied zwischen einem Studio als Arbeitsort und sogenannter Wohnungsprostitution ist schwer festzumachen, wie im Bericht festgehalten wird.

In diesem Hinblick wird auch vorgeschlagen, dass kleine Studios, wo bis zu zwei Sexarbeitende ihre Dienstleistungen anbieten können, künftig einfacher bewilligt werden. Das soll den Personen, die in der Branche arbeiten, bessere Chancen auf Selbstbestimmung geben. Als Vorbild dafür könnte etwa die Regelung in Zürich gelten, wobei Salons mit nur einem Raum und nur zwei Sexarbeitenden nicht bewilligungspflichtig sind. Als Gegengewicht gilt eine Zonenordnung, die solche Betriebe in Zentrumszonen mit Mindestwohnanteil von 50 Prozent verbietet – ausser ein ohnehin bewilligungspflichtiger Salon wird erlaubt. 

Sollte der Betrieb von Klein-Salons für Sexarbeit vereinfacht werden?

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Zwangsprostitution und/oder Menschenhandel betroffen?

Hier findest du Hilfe:

ACT 212, Nationale Meldestelle gegen Menschenhandel, Tel. 0840 212 212

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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