Aktualisiert 07.06.2006 11:59

Immer weniger Platz für Schweizer Fahrende

Die Zahl der Stand- und Durchgangsplätze reiche nicht für die über 2.500 Fahrenden in der Schweiz, teilte die Stiftung «Zukunft für Schweizer Fahrende» mit.

Sie forderte Bund und Kantone zum Handeln auf. Ein Fahrender bezeichnete die aktuelle Situation als «mehr als prekär».

«In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Situation der Schweizer Fahrenden weiter verschlechtert», sagte Stiftungspräsident Werner Niederer an einer Medienkonferenz in Zürich. Ein planungstechnisches Gutachten war schon im Jahr 2001 zum Schluss gekommen, dass für die Fahrenden gesamtschweizerisch je 30 Stand- und Durchgangsplätze geschaffen werden müssten. Ein neues Gutachten zeige nun, dass die Ziele bei weitem verfehlt wurden. «Das Fazit ist ernüchternd», sagte der Ausserrhoder alt Regierungsrat Niederer. Seit dem Jahr 2000 sei nur ein Standplatz mit insgesamt sieben Stellplätzen zusätzlich geschaffen worden. Die Zahl der Durchgangsplätze ging von 2000 bis 2005 sogar von 51 auf 44 zurück. Neun Plätze wurden geschlossen, zwei wurden neu geschaffen.

Niederer kritisierte die Untätigkeit der Kantone. Abgesehen von den Bemühungen von St. Gallen und Freiburg, wo realisierbare Konzepte für neue Durchgangsplätze vorhanden seien, sei kaum etwas passiert. Den Bund rief er dazu auf, sich stärker finanziell zu engagieren und den Kantonen damit Anreize zu geben, den Mangel an Plätzen zu beheben. «Wir müssen genügend Lebensraum für die Schweizer Fahrenden schaffen», sagte Gutachter Thomas Eigenmann.

Gemäss dem Gutachten sind von den 13 Standplätzen nur fünf in einem guten Zustand, während die übrigen Mängel aufweisen. Das Platzangebot reiche für etwa 1.000 Fahrende, nötig wären Plätze für rund 1.500. Insgesamt benötigen rund 60 Prozent der Fahrenden einen Standplatz für den Winter. Die übrigen verbringen den Winter in Wohnungen.

«Die Situation ist mehr als prekär», sagte der Fahrende Robert Huber. Die Zahl der Fahrenden sei in den vergangenen Jahren gestiegen. Die tatsächliche Zahl liege näher bei 3.500 als bei 2.500, wie immer gesagt werde. «Die jungen Jenischen wollen wieder Fahrende sein und gehen auf die Reise», sagte Huber. Dazu kämen zahlreiche ausländische Fahrende, die ebenfalls Platz brauchten. Die Platzknappheit führe dazu, dass Konflikte mit den Behörden und Anwohnern unumgänglich seien. «Die Fahrenden werden in die Illegalität abgedrängt», sagte Huber und forderte den Bund zum Handeln auf. Nicht mehr genutzte Militärareale sollten den Fahrenden zur Verfügung gestellt werden. (dapd)

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