Aktualisiert 06.07.2012 08:22

Ehefrau erschossen

«Immer wieder hatte er ihr mit dem Tod gedroht»

Die beste Freundin ist empört. Täglich erhielt die Ermordete von ihrem Mann Drohungen. Er wurde verhaftet. Wegen eines Gutachtens kam er frei. Nun ist seine Frau tot.

von
A. Hirschberg

«Sie war so eine liebe, nette Frau, ich vermisse sie so», erzählt Lina B. (Name geändert). Sie ist die beste Freundin von Maria D., die am Mittwochmittag vermutlich von ihrem Mann José Luis de Carvalho beim Bahnhof Schübelbach-Buttikon erschossen worden war. Einen Tag nach der Tat steht sie zusammen mit Freundinnen wieder vor der Stelle auf dem Parkplatz, wo ihre Freundin getötet wurde. Trauer und Wut vermischen sich bei Lina. Zu oft hatte der Mann von Maria D. mit dem gedroht, was er am Mittwoch in die Tat umsetzte: Seine Frau umzubringen.

Das Drama begann, als Maria im Oktober aus der gemeinsamen Wohnung in Schübelbach auszog. Gemäss den Schilderungen der Freundin war sie zuvor jahrelang von ihrem Mann geschlagen und missbraucht worden. «Weil sie so grosse Angst hatte, ging sie heimlich von ihm weg», erzählt Lina.

Maria D. zeigte ihren Mann an

Von da an habe de Carvalho sie auf Schritt und Tritt verfolgt. «Bei der Arbeit, vor meinem Haus, bei ihr zu Hause– überall tauchte er auf, beobachtete, belästigte und bedrohte sie.» Das bestätigen auch Nachbarn an ihrem neuen Wohnort im Nachbardorf Siebnen: «Am Abend und mitten in der Nacht stand schon ein dunkles Auto mit zwei Männern darin vor dem Haus», so der Nachbar, der über Maria D. wohnt. Wer die Begleitperson von de Carvalho war, ist nicht bekannt. Aber Carvalhos jüngerer Bruder ist noch am Mittwoch wegen Verdachts auf Mittäterschaft verhaftet worden, wie Nachbarn in Schübelbach bestätigen.

De Carvalho lauerte seiner Frau nicht nur auf, er schickte er ihr auch unzählige SMS, in denen er Maria und seine Tochter mit dem Tod bedrohte. Doch Maria wehrte sich. «Fast täglich sind wir auf den Posten gegangen oder haben angerufen», sagt Lina. Dreimal wurde José Luis de Carvalho verhaftet. Beim ersten Mal erteilte man ihm ein Kontakt- und Rayonverbot. «Aber er hielt sich nicht daran», weiss Lina. Die SMS fingen bald wieder an und de Carvalho lauerte ihr auch wieder auf. Darum wurde er im Januar erneut verhaftet. Psychiatrische Begleitung wurde angeordnet. Im Mai folgte die nächste Verhaftung, weil de Carvalho erneut seiner Frau aufgelauert hatte.

Besorgte er sich in Portugal die Tatwaffe?

«Einen Monat lang sass er in U-Haft», weiss Lina. Zum ersten Mal hatte Maria Ruhe vor ihrem Mann. Sie verliebte sich in einen Arbeitskollegen und wollte die Scheidung einreichen. «Doch dann war ein Psychiater überzeugt, dass José Luis keine Gefahr darstellt und man liess ihn wieder frei», erzählt Lina entsetzt. Am 24. Juni habe man ihn wieder in Schübelbach gesehen. Zehn Tage später war Maria D. tot.

Lina ist überzeugt, dass de Carvalho die Tat schon Tage zuvor geplant hatte. Darum habe er sich auch eine Waffe besorgt. Vergangenes Wochenende soll er dazu die weite Fahrt nach Portugal auf sich genommen haben. «Er fuhr am Freitag runter, am Sonntag war er wieder zurück.» Beweise dafür, dass er dort eine Waffe holte, hat sie nicht. «Aber wozu sonst fährt man innert drei Tagen 4000 Kilometer?», fragt sie.

Mittlerweile weiss die Polizei, dass Carvalho gefährlich ist. Die Tochter und der neue Freund von Maria D. wurden an einen sicheren Ort gebracht. «Laut Polizei standen sie zusammen mit Maria auf der Schwarzen Liste von José Luis», so Lina. Ihr kommen die Tränen, wenn sie an den brutalen Tod ihrer Freundin erinnert wird. «Es ist unglaublich, dass man ihn wieder rausgelassen hat», sagt sie mit erstickter Stimme. «Hoffentlich muss der Gutachter sich dafür verantworten.»

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