Aktualisiert 15.01.2015 14:51

Kantonsgericht St. Gallen

Immobilienbetrüger fordert mildere Strafe

Ein Immobilienbetrüger, der mit gefälschten Dokumenten überhöhte Kredite erschlich, stand gestern erneut vor Gericht.

Das Kantonsgericht St. Gallen befasste sich zum dritten Mal mit dem Immobilienbetrüger.

Das Kantonsgericht St. Gallen befasste sich zum dritten Mal mit dem Immobilienbetrüger.

Der Beschuldigte stand bereits im letzten Dezember mit zwei weiteren Immobilienbetrügern vor dem Kantonsgericht St. Gallen. Es hatte die drei Männer im Jahre 2013 wegen gewerbsmässigem Betrug, mehrfacher Urkundenfälschung, Erschleichung einer falschen Beurkundung, Steuerbetrug und Geldwäscherei für schuldig erklärt und sie zu Freiheitsstrafen von sieben, vier und drei Jahren verurteilt.

Dagegen erhoben sie Berufung beim Bundesgericht, welches die Verurteilung wegen Geldwäscherei aufhob und den Fall ans Kantonsgericht zurückwies. Die Schuldsprüche wegen gewerbsmässigen Betrugs, Urkundenfälschung und weiterer Tatbestände bestätigte das Bundesgericht.

Trunksucht und Inkompetenz

Die beiden Verteidiger des Hauptangeklagten, den das Kantonsgericht zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt hatte, beantragten eine Verschiebung der Verhandlung. Sie hätten das Mandat gerade erst von einem anderen Anwalt übernommen und noch keine Zeit gehabt, um die umfangreichen Akten zu studieren. Das Gericht gab dem Verschiebungsantrag statt.

Die Verteidiger der beiden anderen Angeschuldigten forderten deutlich mildere Urteile: Statt Freiheitsstrafen von vier und drei Jahren – letztere teilbedingt – seien bedingte Strafen von maximal elf und 18 Monaten angebracht.

An der Verhandlung vom Donnerstag bemängelten die beiden Verteidiger des Hauptangeklagten erneut die knappe Vorbereitungszeit. Ausserdem hätten sie nicht alle Akten zur Einsicht erhalten. Ihr Mandant sei in den vorherigen Gerichtsverhandlungen nie professionell verteidigt worden. Den früheren Anwälten warfen sie entweder Trunksucht oder Inkompetenz vor.

Zudem führten sie unter anderem die viel zu lange Verfahrensdauer ins Feld. Sie forderten eine Reduktion des Strafmasses von sieben auf höchstens drei Jahre.

Die Strafe sei teilbedingt auszusprechen. Zwei Jahre seien mit einer Probezeit aufzuschieben. Das Urteil des Kantonsgerichts für alle drei Beschuldigten wird in den nächsten Tagen erwartet.

Überhöhte Hypotheken erschlichen

Den Immobilienbetrügern wird vorgeworfen, in den Jahren 2000 bis 2004 über Strohmänner und Firmen 136 Eigentumswohnungen und Häuser gekauft und mit Gewinn weiterverkauft zu haben. Dabei erschlichen sie mit gefälschten Dokumenten weit überhöhte Hypothekarkredite. Über Zeitungsinserate wurden Käufer mit Versprechungen geködert.

Gegen 50 Personen kauften Wohnungen. Sie blieben auf ihren überteuerten Immobilien sitzen, konnten Bankzinsen und andere Kosten nicht bezahlen und mussten in den meisten Fällen Konkurs anmelden. Banken und Versicherungen verloren rund 18 Millionen.

Als die Betrügereien aufflogen, gerieten die finanziell ruinierten Käufer auch noch in die Mühlen der Strafjustiz. Gegen 55 Personen wurden Strafverfahren durchgeführt. 28 Personen etwa standen allein 2010 in Wil vor dem Kreisgericht. (sda)

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