Hypothekenvergabe: «Immobilienblase ist denkbar»
Aktualisiert

Hypothekenvergabe«Immobilienblase ist denkbar»

Die Nationalbank redet den Banken ins Gewissen: Bei der Vergabe von Hypotheken zeigten gewisse Banken einen Risikoappetit, der im aktuellen Umfeld «nicht angebracht» sei.

von
Gaudenz Looser
Tiefe Zinsen verführen immer mehr Leute zum Immobilienkauf. (Bild: bruno schlatter)

Tiefe Zinsen verführen immer mehr Leute zum Immobilienkauf. (Bild: bruno schlatter)

Die Zinsen sind tief (Leitzins bei 0,25 Prozent) und bleiben es auch bis auf weiteres. Das verführt immer mehr Leute zum Immobilienkauf. Allein im April wuchsen die Hypothekarausleihungen in der Schweiz um über 5 Prozent. Das Problem: Schon bei wenig höheren Zinssätzen können viele die Hypothekarzinsen nicht mehr bezahlen.

Das SNB-Direktorium geis­selte gestern denn auch die Vergabepraxis gewisser Banken mit deutlichen Worten: So sei der kalkulatorische Zinssatz zur Berechnung der Tragbarkeit einer Hypothek bei vielen Banken zu tief (unter 5 Prozent). «Bei den Eigentumswohnungen und in gewissen Regionen besteht bereits die Gefahr einer Überhitzung des Marktes», sagte SNB-Direktionsmitglied Thomas Wiedmer, «die Zutaten für eine Immobilienblase sind alle vorhanden.» Präsident Philipp Hildebrand bezeichnete den Hypothekenboom als «Risiko, das unsere volle Aufmerksamkeit bedingt».

Der Appell der SNB an die Banken ist denn auch klar: Im nach wie vor fragilen wirtschaftlichen Umfeld sei es für die Banken «nicht angebracht, den Risikoappetit zu erhöhen». Wenn Kredite vergeben würden, ohne die finanzielle Situation der Kreditnehmer ausreichend zu berücksichtigen, führe ein Zinsanstieg zwangsläufig zu ­höheren Kreditausfällen.

Deshalb seien konservative Belehnungsgrenzen und dicke Kapitalpolster unumgänglich: Ansonsten werde der Hypothekarmarkt erneut zur ­Bedrohung für die Stabilität des Bankensystems.

«Lage der Banken weiterhin fragil»

Das sagt das SNB-Präsidium um Philipp Hildebrand zur UBS und dem tiefen Euro.

Ist die UBS über den Berg?

Die Lage beider Schweizer Grossbanken ist weiterhin fragil. Sie haben zwar ihre Kapitalausstattung verbessert, der Verschuldungsgrad ist aber immer noch hoch, auch im internationalen Vergleich. Dies und die Sicherung einer nachhaltigen Profitabilität bleiben zentrale Herausforderungen.

Sie sorgen sich um das Systemrisiko der Grossbanken. Aber ist die SNB mit ihren Eurokäufen inzwischen nicht auch ein Systemrisiko geworden?

Die hohen Devisenbestände bergen sicher ein gewisses Klumpenrisiko. Dank der Diversifikation auf dem gesamten Portfolio der SNB wurde indessen seit Anfang Jahr kein Verlust verzeichnet. Zudem verfügt die SNB über ausreichend Eigenkapital, um auch grosse Verluste auffangen zu können. (loo)

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