Eklat in Paris: Immunität des Raser-Diplomaten aufgehoben

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Eklat in ParisImmunität des Raser-Diplomaten aufgehoben

Jetzt ist es offiziell: Die Schweiz verzichtet nach der Irrfahrt des Schweizer OECD-Botschafters in Paris auf dessen Immunität. Das EDA hat eine Untersuchung eingeleitet.

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Nachdem er versucht hatte, einer Kontrolle zu entkommen, feuerte ein Polizist auf die Reifen des Diplomaten-Mercedes. Gemäss ersten Meldungen soll F. betrunken gewesen sein und in Gegenrichtung in eine Strasse gerast sein.

Nachdem er versucht hatte, einer Kontrolle zu entkommen, feuerte ein Polizist auf die Reifen des Diplomaten-Mercedes. Gemäss ersten Meldungen soll F. betrunken gewesen sein und in Gegenrichtung in eine Strasse gerast sein.

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Der Genfer SP-Nationalrat Manuel Tornare reagiert scharf auf den Vorfall.

Der Genfer SP-Nationalrat Manuel Tornare reagiert scharf auf den Vorfall.

Keystone/Gaetan Bally
«Der besoffene Diplomat gehört gefeuert», schrieb er auf Twitter.

«Der besoffene Diplomat gehört gefeuert», schrieb er auf Twitter.

Twitter / ManuelTornare

Die Schweiz verzichtet offiziell auf die Immunität von OECD-Botschafter S. F. in Paris, der in der Nacht auf Montag von der französischen Polizei gestoppt worden war. Dies teilte die Schweizer Botschaft dem französischen Aussenministerium am Mittwochmorgen mit.

Wie das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) in einer Stellungnahme vom Mittwoch schreibt, leitete Bundesrat Didier Burkhalter eine Administrativuntersuchung ein. Deren Hauptzweck sei, die Fakten festzustellen.

F. hat sehr gute Arbeit geleistet

F., Botschafter bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), kooperiere vollumfänglich mit der französischen Justiz.

Bisher wurden gegen F. keine «speziellen Massnahmen» ergriffen, wie das EDA weiter schreibt. Bereits am Dienstag hatte Burkhalter in der TV-Sendung «10 vor 10» gesagt, es sei selbstverständlich, dass F.'s Immunität aufgehoben werde.

Allerdings sei es noch zu früh, sich über die weitere Karriere des Diplomaten zu äussern. F. habe bis anhin sehr gute Arbeit geleistet, sagte der Aussenminister.

Auf der Gegenfahrbahn

Die Schweiz will den Botschafter laut dem französischen Aussenministerium nicht nach Bern zurückzubeordern. So könne er sich zur Verfügung der französischen Behörden halten. Die Strafuntersuchung könne nun ihren Gang nehmen, hiess es in einer im Internet übertragenen Medienkonferenz des französischen Aussenministeriums.

Der zu schnell fahrende Mercedes mit Diplomatenkennzeichen war der Polizei laut Medienberichten in der Nacht auf Montag aufgefallen. Da der Lenker jedoch nicht anhalten wollte und sogar beinahe einen Beamten umfuhr, habe die Polizei auf die Autoreifen geschossen.

Auch das habe den Flüchtigen nicht zur Vernunft gebracht, und er sei als Geisterfahrer auf der Gegenfahrbahn im 5. Arrondissement gefahren, bis er festgenommen werden konnte. Ein Alkoholtest auf der Polizeiwache sei positiv ausgefallen, hiess es in den Medienberichten weiter. (sda)

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