19.11.2020 10:20

Covid-19-HoffnungImmunität gegen das Coronavirus scheint Jahre bestehen zu bleiben

Wie lang ist man nach einer Covid-19-Erkrankung oder einer Impfung immun? Das war bislang offen. Nun zeigt eine Studie: Eine Neuansteckung kann wohl über sehr lange Zeit ausgeschlossen werden.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Trotz Corona: Der November 2020 hält einige positive Nachrichten für die Menschen bereit. 

Trotz Corona: Der November 2020 hält einige positive Nachrichten für die Menschen bereit.

Getty Images/iStockphoto
Am 9. November 2020 vermeldete das deutsche Unternehmen Biontech, der von ihm produzierte Impfstoffkandidat sei hoch wirksam.

Am 9. November 2020 vermeldete das deutsche Unternehmen Biontech, der von ihm produzierte Impfstoffkandidat sei hoch wirksam.

Reuters
Am 16. November dann weitere Good News: Auch die US-Firma Moderna hat offenbar ein hoch wirksames Vakzin hervorgebracht.

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Getty Images

Darum gehts

  • Wie lange ist man nach einer Covid-19-Erkrankung immun?

  • Eine definitive Antwort auf diese Frage gibt es noch nicht.

  • Doch eine neue Vorabstudie lässt hoffen.

  • Die meisten Genesenen dürften über Jahre geschützt sein.

Um die Immunität von genesenen Covid-19-Patienten scheint es nicht allzu gut zu stehen – dieser Eindruck entstand in den letzten Monaten. In Studien war schliesslich immer wieder von rasch abnehmenden Antikörpern die Rede. Manche mit dem Coronavirus infizierte Patienten entwickelten sogar gar keine Antikörper. All das überschattete die Hoffnung darauf, die Pandemie mithilfe von Impfstoffen rasch in den Griff zu bekommen.

Doch offenbar sind die Befürchtungen unbegründet: Laut Forschenden des La Jolla Institute for Immunology in Kalifornien könnte der Schutz sogar mehrere Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte bestehen. Verantwortlich seien aber nicht allein die oft zitierten Antikörper gegen Sars-CoV-2, sondern vielmehr die sogenannten T- und B-Gedächtniszellen (siehe Box).

Bausteine des Immunsystems

Das menschliche Immunsystem kann auf zwei Arten auf Erreger reagieren: mit Antikörpern und sogenannten Gedächtniszellen.

Bei Antikörpern handelt es sich um Proteine (Eiweisse) aus der Klasse der Globuline, die in Wirbeltieren von den Plasmazellen als Reaktion auf bestimmte Stoffe (Antigene) gebildet werden.

Gedächtniszellen sind spezialisierte Lymphozyten, die nach einem Kontakt mit einem Antigen über lange Zeit (Monate bis Jahre) ruhen können. Sie werden nur reaktiviert, wenn sie wieder auf die entsprechenden Antigene treffen. Hierbei unterscheidet man zwischen T-Gedächtniszellen, die andere infizierte Zellen abtöten, und B-Gedächtniszellen, die je nach Bedarf mehr Antikörper bilden. Beide stellen das sogenannte immunologische Gedächtnis.

Alle Komponenten berücksichtigt

Das Team um den Virologen Shane Crotty hat für die bisher nur auf dem Preprint-Server Biorxiv.org veröffentlichte Studie (siehe Box) im Blut Genesener nach vier Komponenten des menschlichen Immunsystems gesucht: Antikörper, B-Gedächtniszellen sowie zwei Arten von T-Gedächtniszellen. Aus gutem Grund, wie Crotty der «New York Times» sagte: «Wenn man sich nur eine davon ansieht, kann man wirklich das Gesamtbild verpassen.»

Dieser Ansatz scheint sich ausgezahlt zu haben. Zwar wurde ihre Studie noch nicht von unabhängigen Experten begutachtet, aber laut der US-Zeitung handelt es sich um die «bisher umfassendste Studie zum Immungedächtnis gegenüber dem Coronavirus». Zudem stimmen die Ergebnisse mit Erkenntnissen aus anderen Labors überein.

So lief die Studie ab

Virologe Shane Crotty und seine Kollegen rekrutierten 185 Männer und Frauen im Alter von 19 bis 81 Jahren, die sich von Covid-19 erholt hatten. Die meisten hatten bloss leichte Symptome, die keinen Spitalaufenthalt erforderten. Der Grossteil der Studienteilnehmer stellte nur eine Blutprobe zur Verfügung, 38 stellten mehrere Proben zur Verfügung. So konnten sich die Forschenden ein Bild von der Immunantwort im Laufe der Zeit machen.

Langer Schutz vor Sars-CoV-2

Die Analyse des Blutes zeigte, dass die durch die zurückliegende Erkrankung gebildeten Antikörper (IgG) über sechs Monate relativ stabil waren, wobei sich die Werte der Blutproben aber teilweise um das 200-Fache unterschieden. Die zwei Arten T-Zellen nahmen mit einer Halbwertszeit von 3–5 Monaten ab. Die B-Zellen nahmen während der sechs Wochen sogar zu. Warum, ist allerdings noch unklar.

Das Fazit der Forschenden: Acht Monate nach der Infektion weisen die meisten Genesenen genügend Immunzellen auf, um das Virus abzuwehren und Krankheiten zu verhindern. Ein kurzfristig langsamer Rückgang deute glücklicherweise darauf hin, dass diese Zellen noch sehr, sehr lange Zeit im Körper verbleiben könnten. «Die Menge der Gedächtniszellen dürfte wahrscheinlich verhindern, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen über viele Jahre hinweg schwer erkrankt», so Crotty.

Wie lange genau die Immunität anhält, lässt sich nur schwer vorhersagen, da die Wissenschaftler noch nicht wissen, welche Mengen der verschiedenen Immunzellen zum Schutz vor dem Virus benötigt werden. Bisherige Studien deuten jedoch darauf hin, dass selbst kleine Mengen von Antikörpern oder T- und B-Zellen ausreichen können, um Genesene zu schützen.

Einige Genesene ohne Immunität

Eine kleine Anzahl von Infizierten in der neuen Studie hatte nach der Genesung keine lang anhaltende Immunität. Die Gründe sind noch unklar. Die Forschenden vermuten jedoch, dass dies auf eine geringe Viruslast zurückzuführen sein könnte, der die Betroffenen ausgesetzt waren. Impfstoffe könnten diese individuelle Variabilität überwinden, zitiert die «New York Times» Jennifer Gommerman, eine Immunologin an der Universität Toronto.

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