91-Jähriger stirbt nach Impfung: Impf-Skeptiker feiern «Beweis», Aktivisten kritisieren Behörden
Publiziert

91-Jähriger stirbt nach ImpfungImpf-Skeptiker feiern «Beweis», Aktivisten kritisieren Behörden

Ein Demenzkranker stirbt nach der Covid-Impfung. Impf-Skeptiker feiern auf Social Media den «Beweis», Impf-Befürworter kritisieren Behörden und Medien.

von
Pascal Michel
Leo Hurni
1 / 6
Ein 91-Jähriger starb einige Tage nach einer Impfung gegen Corona. 

Ein 91-Jähriger starb einige Tage nach einer Impfung gegen Corona.

REUTERS
Die Meldung verbreitete sich am Mittwoch, obwohl der Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Todesfall nicht geklärt war. 

Die Meldung verbreitete sich am Mittwoch, obwohl der Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Todesfall nicht geklärt war.

via REUTERS
Die Meldung sorgte für viel Diskussion. Impfgegner sahen sich in ihrer kritischen Einstellung bestätigt.

Die Meldung sorgte für viel Diskussion. Impfgegner sahen sich in ihrer kritischen Einstellung bestätigt.

Darum gehts:

  • Ein 91-Jähriger starb einige Tage nach der Impfung gegen Corona.

  • Swissmedic stellt klar: Den Todesfall kann man nicht auf die Impfung zurückführen.

  • Das sorgt für viel Diskussion: Impfgegner sehen sich weiterhin bestätigt.

  • Auf der anderen Seite wird kritisiert, dass die Meldung des Todesfalls den Impfgegner in die Hände spiele.

Kurz vor dem nationalen Corona-Impfstart am 4. Januar brachte ein kommunikativer Super-GAU die Behörden ins Schwitzen: Eine 91-jährige demenzkranke Person sei nach der Verabreichung des Impfstoffs von Pfizer/Biontech fünf Tage nach Heiligabend verstorben, berichtete zuerst das Magazin «Zeitpunkt», das vom Impfskeptiker Christoph Pfluger herausgegeben wird.

Danach verbreitete die Agentur Reuters die Nachricht, dass der Kanton Luzern eine entsprechende Meldung an die Behörde Swissmedic gemacht habe. Erst am Mittwochabend konnte Swissmedic die Bedenken ausräumen und erklärte, es bestehe kein Zusammenhang, die Person sei eines natürlichen Todes gestorben.

Wie der «Tages-Anzeiger» rekonstruierte, informierte der behandelnde Arzt des 91-Jährigen erst Corona-Skeptiker – und erst dann den Kanton.

Auf Telegram sind die Meinungen gemacht

Auf dem Portal Telegram feiern Skeptiker das «Leak» als Erfolg. 20 Minuten hat sich in einigen Gruppen umgeschaut. «Wer nicht hören will, stirbt halt», schreibt ein Nutzer.

Viele Skeptiker hoffen aber auch, dass der Fall die breite Öffentlichkeit jetzt aufrüttelt: «Ich hoffe, dass der Tod diese Person nicht umsonst war und die Menschen aufwachen, um sich gegen die Impfung zu wehren», schrieb ein anderer Nutzer in der Telegram-Gruppe «Corona Rebellen Schweiz Offiziell» dazu. Unterstützung bekommen die Gegner sogar aus dem Ausland: Auch der deutsche Bundestagsabgeordnete Jens Maier von der AfD nutzte die Nachricht für seine Zwecke:


Wie die freiwillige Corona-Impfung die Gesellschaft spaltet, zeigt Corona-Skeptiker Daniel Stricker in einem Video. Dort sagt Stricker über Swissmedic: «Ich beginne, wirklich diese Menschen zu hassen. Ich verspüre Hass gegen die Leute, die im Gewand der Wissenschaft einfach immer alles so sich zurechtlegen, wie es ihnen in den Kram passt.»

Impf-Skeptikern in die Hände gespielt?

Auf der anderen Seite des Spektrums drehte sich die Debatte darum, ob die Meldung des Kantons Luzern an Swissmedic überhaupt schon hätte öffentlich thematisiert werden sollen. Die ursprüngliche Meldung stammte von der Agentur Reuters und verbreitete sich schweiz- und weltweit.

Darin bestätigte eine Swissmedic-Sprecherin die Meldung des Kantons Luzern, äusserte sich aber nicht dazu, ob ein Zusammenhang zur Impfung bestehe. Die umfassende Stellungnahme von Swissmedic folgte erst einige Stunden später am Mittwochabend nach Rücksprache mit den kantonalen Behörden.

Der Vorwurf aus gewissen Kreisen lautet deshalb: Indem die Medien, darunter auch 20 Minuten, bereits allein die Meldung an Swissmedic verbreiteten, hätten sie den Impfskeptikern in die Hände gespielt.

Auch der Kanton Luzern und Swissmedic selber gerieten ins Kreuzfeuer. Der Aktivist Hernâni Marques kritisierte neben den Medien auch die intransparente Kommunikation der Behörden. Er wollte deshalb wissen, was der Kanton Luzern Swissmedic genau gemeldet hatte.

Josef Widler, Präsident der Zürcher Ärztegesellschaft, hat Verständnis dafür, dass die Medien angesichts der Aktualität und Emotionalität des Themas die Nachricht rasch vermeldeten. Er sieht das Hauptproblem beim lokalen Arzt, der den Tod des Patienten festgestellt und den mutmasslichen Zusammenhang mit der Impfung Corona-Skeptikern zugespielt hat. «Wer das tut, macht seinen Job nicht richtig.» Wichtig sei gewesen, dass Swissmedic so rasch als möglich Klarheit geschaffen habe, sagt Widler.

Widler hofft, dass doch noch ein konstruktiver Dialog zur anstehenden Impfkampagne möglich wird. «Es braucht Toleranz auf allen Seiten», sagt er. Man müsse jetzt mit Fakten überzeugen. Er hofft, dass man mit Aufklärungsarbeit noch das teils skeptische Pflegepersonal überzeugen kann.

Das sagt die Statistik

Der US-Mediziner Bob Wachter rechnete auf Twitter vor, wie viele von 10 Millionen Geimpften unabhängig von der Impfung nach deren Verabreichung sterben werden. Die Annahmen basieren auf amerikanischen Daten. Nach der Impfung von 10 Millionen Personen erleiden in den folgenden zwei Monaten 4025 einen Herzinfarkt, 3975 einen Schlaganfall, 9500 erhalten eine Krebsdiagnose, 60 erkranken an Multipler Sklerose. Insgesamt werden 14’000 dieser 10 Millionen Geimpften sterben – rein aufgrund der statistischen Wahrscheinlichkeiten, nicht aufgrund der Covid-Impfung.

Deine Meinung

662 Kommentare