Taskforce-Ackermann - «Liessen sich alle impfen, wäre die Epidemie in acht Wochen vorbei»

Point de Presse um 14 Uhr «Liessen sich alle impfen, wäre die Epidemie in acht Wochen vorbei»

Am Dienstagnachmittag informieren die Expertinnen und Experten des Bundes zur aktuellen epidemiologischen Lage in der Schweiz.

von
newsdesk

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Dienstag, 03.08.2021

Zusammenfassung

Das BAG empfiehlt, sich nach der Rückkehr aus den Ferien testen zu lassen.

Um die Impfquote zu erhöhen, könnte auch eine Telefonkampagne geprüft werden, sagt die Berner Kantonsärztin Linda Nartey.

Die Delta-Variante hat zu vermehrten Ansteckungen geführt, sagt Virginie Masserey.

Wir sehen eine Verlangsamung der Impfbereitschaft. Das Ganze stagniere bei den Jüngeren. Es gebe genügend Impfstoff, so Masserey.

Point de Presse beendet

Die Medienkonferenz ist abgeschlossen.

Selbsttests

Ein Journalist fragt nach Selbsttests, von denen nun fast niemand mehr spricht. Wie sieht das Fazit aus? «Die Menschen haben die Message verstanden, nicht alles wird dadurch besser.» Die Tests seien nur für gewisse Situationen wichtig gewesen, so Nartey.

Reiserückkehrer

Haben die Kantone überhaupt genug Kapazitäten, alle Reiserückkehrer zu testen? «Es wird einen Druck geben auf die bestehenden Kapazitäten», sagt Nartey. Nichtsdestotrotz fände sie die Empfehlung wichtig.

Telefonkampagne

Um die Impfquote zu erhöhen, könnte auch eine Telefonkampagne geprüft werden, sagt die Berner Kantonsärztin Linda Nartey. Zudem müsste die Zusammenarbeit mit den Gemeinden stark intensiviert werden. So wie in Grossbritannien könnte man versuchen, Personen direkt anzusprechen. Doch nicht immer könne man aus Erfahrungen aus anderen Ländern auf das eigene Land schliessen.

Impfquote bei Ü50-Jährigen ist wichtig

Ein Journalist fragt, ob die Schweiz mit einer Impfquote von 70 Prozent im Herbst über den Berg wäre. Martin Ackermann von der wissenschaftlichen Taskforce sagt: Der weitere Verlauf der Pandemie und die Zahl der Spitaleintritte hänge entschieden davon ab, wie gross der Teil der Menschen über 50 sei, der noch nicht immun ist.

Impfwillige

Konnten sich alle impfen lassen, die das wollen?, will ein Journalist wissen. «Dieser Punkt ist noch nicht erreicht», erklärt Masserey. Viele Menschen möchten sich zum Beispiel erst nach den Ferien impfen lassen. Es gebe weitere Möglichkeiten, Personen zu erreichen, welche bisher zugewartet hätten. «Der Bundesrat wird entscheiden, wenn wir in die Normalisierungsphase übergehen. Doch Normalisierung ist noch nicht Normalität», sagt Masseray.

Infektionen unter Geimpften

Ein Journalist will wissen, wieso das BAG keine Zahlen zu Infektionen und Todesfällen bei Geimpften publiziert. «Das BAG publiziere einmal wöchentlich die Zahlen zu den Infektionen bei Geimpften, sagt Virginie Masseray. Daraus könne man aktuell folgern: «Dass man sich wieder ansteckt, wenn man geimpft ist, ist eine Ausnahme.»

20 Minuten

Haltbarkeit der Impfstoffe

Virginie Masseray sagt auf die Frage eines Journalisten, die Impfstoffe seien vier bis sechs Monate haltbar. Ein Teil davon könnte allenfalls auch noch für die Auffrischungsimpfungen verwendet werden.

Gültigkeit des Zertifikats

Die Gültigkeit des Immunschutzes könnte länger als sechs Monate sein, sagt ein Journalist. Eine allfällige Anpassung des Zertifikats hänge von den EU-Richtlinien ab, sagt Virginie Masserey.

Impfobligatorium

«Lässt sich ein Impfobligatorium rechtfertigen?» «Wir schauen an, wie viele Menschen noch nicht geimpft sind. Bei anderen Infektionskrankheiten ist die Impfabdeckung vergleichbar höher,», sagt Martin Ackermann. «Daher gehen wir davon aus, dass noch Potential vorhanden ist. Wir reden dabei aber nicht von einem Obligatorium.»

20 Minuten

Booster-Impfungen

«Was halten Sie von Booster-Impfungen?», fragt ein Journalist. Diese Impfungen eignen sich vor allem für Personen, deren Impfung schon länger her ist, sagt Martin Ackermann. Auch würde diese Impfung bei älteren Personen in Frage kommen. Diese sogenannten Auffrischungsimpfungen müssten aber zunächst bewilligt werden. Soweit ist man in der Schweiz noch nicht.

Impfbereitschaft

Martin Ackermann, Präsident, National COVID-19 Science Task Force, sagt seit Mai und Juni wurden in der Schweiz mehr Menschen geimpft als in anderen Ländern Europas. Doch seit Juli stagniere bei uns die Impfkampagne. In Grossbritannien und Spanien seien schon mehr Ältere geimpft, das liege daran, dass ältere Menschen dort direkt angesprochen wurden. «Wir hätten es in der Hand, die Epidemie innert acht Wochen zu beenden, indem wir uns impfen lassen.» Drei Millionen Menschen seien in der Schweiz nicht immun.

Kantone wollen Impfungen vorantreiben

Laut Linda Nartey, Berner Kantonsärztin und Vizepräsidentin der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, braucht es eine höhere Impfabdeckung. Die Impfung sei noch immer die «wichtigste und wirksamste Massnahme» zur Bekämpfung der Pandemie.

In den Kantonen würden nach wie vor grosse Anstrengungen unternommen, um die Impfungen voranzutreiben. Unter Geimpften komme es kaum zu schweren Erkrankungen.

Ferien

«In den Ferien lässt man sich manchmal etwas gehen, daher möchten wir allen empfehlen, sich bei der Rückkehr aus den Ferien testen zu lassen,» sagt Masserey. «Diese Botschaft haben wir in unsere aktuelle Kampagne integriert.» Die Ferienrückkehrer sollen sich auch ohne Symptome testen lassen.

Impfbereitschaft

Wir sehen eine Verlangsamung der Impfbereitschaft. Das Ganze stagniere bei den Jüngeren. Es gebe genügend Impfstoff, so Masserey. Alle, die das wünschen, könnten sich jetzt impfen lassen, sagt Masserey. Es gebe genügend Impfstoff. Falls die Nachfrage nicht steigt, werde die Bestellung zurückgefahren.

Booster-Impfung: Wer wann möglicherweise eine Auffrischungs-Impfung benötigen könnte, sei zurzeit noch nicht klar.

Medienkonferenz beginnt

Die Delta-Variante hat zu vermehrten Ansteckungen geführt, sagt Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle, Bundesamt für Gesundheit BAG. Doch dank der Impfung gibt es weniger Spitaleinweisungen im Vergleich zur zweiten Welle.

Point de Presse

Folgende Expertinnen und Experten des Bundes informieren am Dienstag, um 14 Uhr, zur Corona-Lage:

  • Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle, Bundesamt für Gesundheit BAG

  • Linda Nartey, Kantonsärztin Bern, Vizepräsidentin der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte VKS

  • Martin Ackermann, Präsident, National COVID-19 Science Task Force

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