Youtube-Interview - Sucharit Bhakdi sorgt mit antisemitischen Aussagen für Empörung
Aktualisiert

Youtube-InterviewSucharit Bhakdi sorgt mit antisemitischen Aussagen für Empörung

Der bei Corona-Skeptikern beliebte Sucharit Bhakdi hat sich auf Youtube antisemitisch geäussert und Israel als «lebende Hölle» bezeichnet. Jüdische Verbände sind empört.

von
Marcel Urech
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Sucharit Bhakdi hat mit antisemitischen Äusserungen auf Youtube für Empörung gesorgt. Der Professor für Mikrobiologie sagte unter anderem, dass das jüdische Volk «das Böse gelernt und umgesetzt» habe.

Sucharit Bhakdi hat mit antisemitischen Äusserungen auf Youtube für Empörung gesorgt. Der Professor für Mikrobiologie sagte unter anderem, dass das jüdische Volk «das Böse gelernt und umgesetzt» habe.

Screenshot Youtube/Kai Stuht - Project Fovea

Darum gehts

  • Der Professor für Mikrobiologie Sucharit Bhakdi hat sich auf Youtube stark antisemitisch geäussert.

  • Bhakdi habe die Holocaust-Überlebenden zu Tätern gemacht, sagt das Jüdische Forum.

  • Der Goldegg-Verlag, der Bhakdis Bücher veröffentlichte, fordert ihn nun zum Gespräch auf.

Der Corona-Skeptiker Sucharit Bhakdi hat sich in einem Interview antisemitisch geäussert und unter anderem gesagt, dass der jüdische Staat schlimmer als Nazi-Deutschland sei. Das Gespräch mit dem Professor für Mikrobiologie führte Kai Stuht, ein Fotograf und Anhänger der Querdenker-Bewegung. Er stellte einen Trailer des anderthalbstündigen Interviews auf Youtube, der nicht nur auf Social Media viel Kritik entfachte.

Der bei Impfgegnern beliebte Bhakdi bezog sich bei seinen Aussagen auf die Impfpolitik Israels. «Es gibt kein Volk, das besser lernt als die Juden. Aber sie haben das Böse jetzt gelernt und umgesetzt», sagte der in Washington, D.C. geborene Professor. «Und deswegen ist Israel jetzt living hell, die lebende Hölle.»

«Wir sind extrem betroffen»

Bhakdi veröffentlichte letztes Jahr gemeinsam mit seiner Ehefrau Karina Reiss das Buch «Corona Fehlalarm?». Seine Aussagen haben den österreichischen Goldegg-Verlag, der Bhakdis Bücher veröffentlicht hat, unter Druck gesetzt.

Der Verlag löschte diverse Beiträge in sozialen Medien, die für die Bücher warben. «Wir sind extrem betroffen», sagte eine Sprecherin des Verlags gegenüber «T-Online». «Das ist für alle im Verlag nicht nachvollziehbar und überraschend und kann für den Verlag sehr imageschädigend sein.»

Der Verlag habe sich nun «energisch von jeder Form des Antisemitismus» distanziert, schreibt «T-Online». «Bevor wir jetzt mögliche weitere Konsequenzen ziehen, verlangt die Fairness, dass wir dazu mit Herrn Bhakdi sprechen», sagte die Sprecherin weiter. Man habe ihn kontaktiert und warte nun, bis er sich melde.

Bhakdi macht Opfer zu Täter

Auf Twitter äusserte sich auch das Jüdische Forum. Bhakti stelle die Judenvernichtung im Holocaust als weniger schlimm dar als die Impfpolitik Israels, schreibt der Verein, der sich seit 2012 gegen Antisemitismus und Rassismus einsetzt. So mache er die Holocaust-Überlebenden zu Tätern. Er setze das Judentum mit Israel gleich und mache jüdische Menschen so kollektiv für das Verhalten des Staates verantwortlich. Auch das sei ein Beispiel für Antisemitismus, so das Jüdische Forum.

Bhakdis Aussagen könnten in mehreren Fällen den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen, schreibt das Jüdische Forum weiter. Die jüdische Nichtregierungsorganisation «Werteinitiative», die sich gegen Diskriminierung, Rassismus, Extremismus und Antisemitismus einsetzt, habe deshalb Anzeige erstattet. «Das ist reinster Antisemitismus!», twitterte die Organisation. «Ein Cocktail aus israelbezogenem Antisemitismus, Relativierung der Nazizeit und schlichtweg tendenziösen Falschaussagen.»

Unis distanzieren sich von Bhakdi

Bhakdi sorgte bereits 2020 für Wirbel, als er in einem offenen Brief Antworten von Bundeskanzlerin Angela Merkel zur «Corona-Diktatur» in Deutschland forderte. Er kandidierte zudem für die Partei «Die Basis», die das Coronavirus verharmlost. Die Partei reagierte auf die Kritik an Bhaktis Äusserungen mit Unverständnis: Der Antisemitismus-Vorwurf sei «bösartig» und diene bloss der «Herabwürdigung seiner Person».

Bhakdi war als Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz tätig. Sie distanzierte sich im Oktober 2020 von ihm und bezeichnete seine Positionen als «irreführend bis falsch». Von 2016 bis 2020 war Bhakdi zudem an Forschungsprojekten an der Medizinischen Fakultät der Kieler Universität beteiligt. Die Uni löste den Vertrag mit ihm Ende 2020 auf.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Antisemitismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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