Zwei Impfstoffe, drei Mutanten: Impfschutz bei brasilianischer und südafrikanischer Variante abgeschwächt
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Zwei Impfstoffe, drei MutantenImpfschutz bei brasilianischer und südafrikanischer Variante abgeschwächt

Kaum kann sich der Mensch mit Impfstoffen gegen Sars-CoV-2 wappnen, rüstet das Virus seinerseits auf. Zwei neue Studien stimmen optimistisch. Doch es gibt auch Einschränkungen.

von
Fee Anabelle Riebeling
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So kennen wir das Coronavirus Sars-CoV-2, welches seit Anfang 2020 die Welt in Atem hält. Doch mittlerweile ist der Erreger mutiert – und das mehrfach.

So kennen wir das Coronavirus Sars-CoV-2, welches seit Anfang 2020 die Welt in Atem hält. Doch mittlerweile ist der Erreger mutiert – und das mehrfach.

CDC/PD
Sorgen bereiten Forschern weltweit aber vor allem die Varianten aus Grossbritannien (B.1.1.7 ), …

Sorgen bereiten Forschern weltweit aber vor allem die Varianten aus Grossbritannien (B.1.1.7 ), …

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… Südafrika (B.1.351) und … 

… Südafrika (B.1.351) und …

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Darum gehts

  • Wie wirken die beiden in der Schweiz zugelassenen Impfstoffe gegen die neuen Virusvarianten?

  • Gleich zwei Studien widmeten sich dem Thema.

  • Ihnen zufolge ist die Mutante aus Grossbritannien derzeit das geringste Problem.

Drei neue Sars-CoV-2-Varianten bereiten Forschern Sorgen. Zwar sind bezüglich der Auswirkungen der verschiedenen Mutationen noch einige Fragen offen, aber es deutet einiges darauf hin, dass die Mutanten ansteckender – und im Fall der südafrikanischen und brasilianischen Varianten – auch schlechter vom Immunsystem zu neutralisieren sein könnten (siehe Box).

Offen war bislang auch, wie gut die bisher in der Schweiz zugelassenen Impfstoffe von Pfizer/Biontech (Comirnaty, Wirkstoff BNT162b2) und Moderna (mRNA-1273) vor den Varianten schützen. Bis dato konnten Forschende der University of Texas und dem US-Pharmaunternehmen Pfizer in einer noch nicht von unbeteiligten Experten begutachteten Studie erst zeigen, dass Comirnaty gegen die N501Y-Mutation wirksam ist, die alle drei Mutanten gemeinsam haben. Und das auch nur im Labor, wie Biontech mitteilt.

Doch wie verhält es sich, wenn man die Varianten im Ganzen berücksichtigt?

Die drei Varianten im Überblick

Sie ähneln sich, weisen aber auch Unterschiede auf. Das ist bislang zu den drei Corona-Mutanten bekannt, die Forschenden Sorge bereiten.

Britische Variante: Die als B.1.1.7 bezeichnete Variante tauchte erstmals im Dezember 2020 im Süden Grossbritanniens auf, von wo sie sich im ganzen Land und über die Landesgrenzen hinaus verbreitete. Auch in der Schweiz ist sie anzutreffen. Laut neusten Erkenntnissen weist B.1.1.7 insgesamt 17 Mutationen auf, von denen drei das Verhalten des Virus verändert haben könnten: die Mutation N501Y, die Löschung der Stellen 69 und 70, und die Mutation P681H. Darauf deuten laut Richard Neher, Epidemiologe an der Universität Basel, auch Beobachtungen aus Irland und Dänemark hin, so Zeit.de.

Südafrikanische Variante: B.1.351 ist vermutlich im August 2020 entstanden. Heute ist sie vor allem in der Kapregion die vorherrschende Variante – möglicherweise, weil sie ansteckender ist. Möglich ist aber auch, dass sie der Immunantwort von Menschen entgeht, die schon einmal mit Sars-Cov-2 infiziert waren, so Londoner Forscher. Wäre Letzteres der Fall, könnte das dazu führen, dass sich einmal Infizierte erneut infizieren könnten und so zur Verbreitung beitragen können. Auch B.1.351 weist die N501Y-Mutation auf, plus weitere am Spike-Protein. Darunter auch solche, die B.1.1.7 nicht hat . Wie Zeit.de schreibt, beunruhigt insbesondere die Mutation E484K. Denn es gibt Hinweise darauf, dass Antikörper von Menschen, die eine Sars-CoV-2-Infektion überstanden haben, Viren mit dieser Mutation schlechter neutralisieren. «Deshalb wird diese Mutation insgesamt auch als kritischer eingeschätzt» als die britische Variante, so die deutsche Virologin Sandra Ciesek im NDR-Info-Podcast. Denn sollte die Hypothese stimmen, «wäre das natürlich eine ungünstige Kombination

Brasilianische Variante: Noch dünner als bei der B.1.351 ist die Datenlage aktuell bei P.1, wie die brasilianische Variante genannt wird. Doch auch hier besteht Grund zur Besorgnis. Sie wurde erst vor kurzem in Manaus identifiziert, wo zuletzt ebenfalls ein rasanter Anstieg an Corona-Infektionen gemeldet wurde. Die Zahl der zu beatmenden Patienten war so hoch, dass der Region sogar der Sauerstoff ausging. Auch P.1 weist 17 Mutationen auf, von denen sich einige am Spike-Protein befinden – darunter N501Y, welche auch bei den anderen beiden Mutationen festgestellt wurde, und E484K, die auch bei der südafrikanischen Variante entdeckt wurde.

Britische Variante scheint kein Problem

Licht ins Dunkle bringen zwei neue Untersuchungen, die ebenfalls auf dem Preprint-Server BioRvix veröffentlicht wurden. In der ersten Studie wurde getestet, ob Antikörper, die durch das Präparat von Pfizer/Biontech gebildet werden, möglicherweise schlechter an die Mutante aus Grossbritannien binden.

Dem ist aber nicht so, wie das Team, zu dem auch Biontech-Gründer Ugur Sahin zählt, schreibt: Die durch das Vakzin provozierten Effekte «machen es unwahrscheinlich, dass die B.1.1.7-Linie dem BNT162b2-vermittelten Schutz entgehen wird.» In anderen Worten: Die Mutation hat keine Auswirkungen auf den Impfschutz.

Gemischtes, aber überwiegend erfreuliches Fazit

Die zweite Studie beschäftigte sich mit der Wirksamkeit von sowohl dem Impfstoff von Moderna als auch dem von Pfizer/Biontech auf die südafrikanische und die brasilianische Variante. Darin kommt das Team um Michel C. Nussenzweig von der Rockefeller University in New York zu dem Schluss, dass in beiden Fällen der Impfschutz tatsächlich abgeschwächt zu sein scheint: «Die Aktivität gegen Sars-CoV-2-Varianten, die für E484K oder N501Y oder die Kombination K417N:E484K:N501Y kodieren, war geringfügig, aber signifikant reduziert», so das Fazit der Forschenden. Konkret seien «14 der 17 am stärksten getesteten Antikörper» durch eine der drei Mutationen reduziert oder sogar aufgehoben.

Wirksam seien die beiden Impfstoffe wohl aber dennoch, ordnet Molekularbiologe und Science-Buster Martin Moder das Studienergebnis in seiner Instagram-Story ein: «Antikörper binden an vielen Stellen und insgesamt scheint der Schutz durch die Antikörper zwar etwas abgeschwächt zu sein, aber noch überwiegend vorhanden.» Zudem gebe es auch eine Antikörper-unabhängige Immunität (T-Zellen), «die hier noch gar nicht miteinbezogen wurde.» Entsprechend sei das Fazit der beiden Studien «gemischt, aber überwiegend erfreulich.»

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