Vorteil «Mix and Match» - Impfstoff-Kombi sorgt für den besten Impfschutz
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Vorteil «Mix and Match»Impfstoff-Kombi sorgt für den besten Impfschutz

Erst- und Booster-Impfung mit unterschiedlichen Vakzinen? Das ist nicht nur möglich, sondern zahlt sich offenbar auch aus: Eine Kombination führt zu einer besonders starken Immunantwort.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Wer zuerst mit AstraZeneca geimpft wird und in der zweiten Dosis Biontech verabreicht bekommt, bildet offenbar eine wesentlich bessere Immunantwort aus als andere. Zu diesem Schluss kommen gleich mehrere Forschendenteams. 

Wer zuerst mit AstraZeneca geimpft wird und in der zweiten Dosis Biontech verabreicht bekommt, bildet offenbar eine wesentlich bessere Immunantwort aus als andere. Zu diesem Schluss kommen gleich mehrere Forschendenteams.

Till Simon Nagel/dpa-tmn/dpa
In den Studien entpuppte sich die Kombination der Impfstoffe als sicher und hochwirksam. 

In den Studien entpuppte sich die Kombination der Impfstoffe als sicher und hochwirksam.

REUTERS
Es zeigte sich auch, dass «die kombinierte Impfstrategie sogar noch leicht bessere Ergebnisse als eine zweifache Biontech-Impfung» hat, so die deutsche Biologin Martina Sester, die an einer der Untersuchungen mitgewirkt hat. 

Es zeigte sich auch, dass «die kombinierte Impfstrategie sogar noch leicht bessere Ergebnisse als eine zweifache Biontech-Impfung» hat, so die deutsche Biologin Martina Sester, die an einer der Untersuchungen mitgewirkt hat.

AFP

Darum gehts

  • Erst AstraZeneca, dann Biontech: Gleich mehrere Studien zeigen, dass die Kombination der Impfstoffe Vorteile hat.

  • Die Arbeiten sind unabhängig voneinander entstanden. Doch die Ergebnisse ähneln sich.

  • Eine sogenannte Kreuzimpfung bietet demnach sogar einen besseren Schutz als zwei Dosen Biontech.

  • Erste Länder verabreichen bereits unterschiedliche Vakzine.

Die Wirksamkeit der beiden in der Schweiz zugelassenen Covid-19-Impfstoffe kann sich sehen lassen: Sowohl Pfizer/Biontechs Comirnaty als auch Modernas mRNA-1273 bieten eine Effizienz von über 90 Prozent (siehe Box).

Doch es geht noch besser, wie die Studien mehrerer voneinander unabhängiger Forscherteams schliessen lassen: Demnach ist die Covid-19-Impfung mit AstraZenecas Vaxzevria gefolgt von Pfizer/Biontechs Comirnaty nicht nur sicher und hochwirksam, wie etwa die Arbeit des spanischen Teams zeigte. Sie ist auch effektiver als eine zweifache Biontech-Impfung. Zu diesem Schluss kommen jeweils Teams aus Berlin, Ulm und Saarbrücken.

Nach unten korrigierte Werte

Zum Abschluss der klinischen Studien wurde beiden mRNA-Impfstoffen noch eine Wirksamkeit von rund 95 Prozent attestiert. Nach längerer Beobachtung der Probanden und der Auswertung von Daten aus der Gesamtbevölkerung nach Start der Impfkampagnen wurde der Wert jedoch auf bis zu 91,3 Prozent (Pfizer/Biontech) bzw. bis zu 90 (Moderna) korrigiert.

Wie gut sie im Einzelfall wirken, hängt immer auch von der Sars-CoV-2-Mutante ab, mit der sie es zu tun haben. Während sie unter anderem vor der hierzulande besonders verbreitete Variante B.1.1.7 (Alpha) gut schützen, ist ihre Wirksamkeit gegenüber den Varianten B.1.351 (Beta) und P.1 (Gamma) merklich reduziert. Bezüglich der Wirksamkeit gegenüber der Mutante B.1.617.2 (Delta) liegen bisher nur Daten zu Pfizer/Biontechs Comirnaty vor: Laut der britischen Regierungsbehörde Public Health England schützt er zwei Wochen nach der zweiten Dosis mit 88-prozentiger Effektivität gegen eine Erkrankung durch B.1.617.2.

So wirken die Impfstoffe von Pfizer/Biontech, Moderna und AstraZeneca gegen drei der insgesamt vier als besorgniserregend bezeichneten Mutanten sowie gegen jene Sars-CoV-2-Erreger, die die Mutation D614G tragen. 

So wirken die Impfstoffe von Pfizer/Biontech, Moderna und AstraZeneca gegen drei der insgesamt vier als besorgniserregend bezeichneten Mutanten sowie gegen jene Sars-CoV-2-Erreger, die die Mutation D614G tragen.

Instagram/karl_lauterbach_mdb

«Sehr, sehr wirksam»

«Das Mischen von Covid-19-Impfstoffen scheint die Immunantwort zu verstärken», twitterte etwa Leif Erik Sander, Spezialist für Infektionskrankheiten an der Charité. Biologin Martina Sester vom Universitätsklinikum des Saarlandes und der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes konkretisierte in einer Mitteilung: «Bei den neutralisierenden Antikörpern zeigte die kombinierte Impfstrategie sogar noch leicht bessere Ergebnisse als eine zweifache Biontech-Impfung.»

Keine der Arbeiten wurde bisher wissenschaftlich publiziert. Die Ergebnisse sind somit zunächst als vorläufig anzusehen. Doch laut Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, steht bereits jetzt fest, dass eine solche heterogene Impfung, wie die Kreuzimpfung auch genannt wird, «sehr, sehr wirksam» ist und «homologen Impfungen in nichts nachsteht», schreibt Morgenpost.de.

Möglich ist auch, dass der durch eine «Mix-and-Match»-Impfung provozierte Impfschutz länger bestehen bleibt. Darauf deutet eine Studie mit Mäusen des National Institute for Food and Drug Control aus China hin.

Welche Nebenwirkung hat die Kreuzimpfung?

Hier gibt es unterschiedliche Ergebnisse. Die spanische Studie sieht keine signifikant stärkeren Nebenwirkungen. Die Studie der Berliner Charité stellt eine gute Verträglichkeit fest. Dazu etwas im Widerspruch scheinen die Erkenntnisse einer Studie der Oxford University zu stehen, die im Fachjournal «The Lancet» erschienen ist. Laut dieser hat die Kombi-Impfung eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für milde und moderate Nebenwirkungen nach der zweiten Dosis. Konkret kam es bei den Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern zu vermehrten Arbeitsausfällen am Tag nach der Impfung wegen milder oder moderater Kopfschmerzen, Müdigkeit, Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl. Anlass zur Sorge um die Patientensicherheit gebe es aber nicht, so die Autoren.

Länder wie Deutschland kombinieren schon

Sollten sich die Studienergebnisse bestätigen, könnte das die Bemühungen zum Schutz von Milliarden von Menschen beschleunigen: Die Regierungen könnten zum Beispiel sofort neue Impfdosen verteilen, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, ob sie eine zweite Impfung mit bestimmten Impfstoffen bereithalten, die sie den Menschen erst Wochen oder Monate später geben können, schreibt Sciencemag.org.

Doch bereits jetzt gestatten und empfehlen einige Länder Kreuzimpfungen: Allen voran jene Länder, die nach dem Auftreten von sehr seltenen, aber schwerwiegenden Sinusvenenthrombosen nach der Impfung mit AstraZenecas Vaxzevria Altersbeschränkungen für das Präparat eingeführt haben, etwa Kanada, Deutschland, Frankreich, Norwegen und Dänemark.

Sind Kreuzimpfungen auch eine Option für die Schweiz?

Ob es dereinst auch in der Schweiz zur Kombination von Vaxzevria und Comirnaty oder einem anderen mRNA-Impfstoff kommen wird, steht noch in den Sternen, wie Swissmedic-Sprecher Alex Josty sagt: «Wegen der Mängel der primär eingereichten Impfstoffstudien von AstraZeneca (u.a. Dosisfehler, kleine Zahl, uneinheitliche Studienprotokolle) konnte Swissmedic noch keinen Zulassungsentscheid fällen.» Daran hätten auch die im März 2021 eingereichten zusätzlichen Daten von AstraZeneca nichts geändert. «Swissmedic will deshalb – wie am 3. Februar angekündigt – auf der Basis der amerikanischen Studienresultate einen Zulassungsentscheid fällen.»

Wie es im Falle einer Zulassung weitergehe, ist ebenfalls noch offen, so Josty: «Die Impfstrategie wird von der Eidgenössischen Kommission für Impffragen und dem Bundesamt für Gesundheit verantwortet.»

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