Aktualisiert 25.04.2020 13:31

Gute Nachrichten

Impfstoff schützt Affen vor Sars-CoV-2

Im Rennen um einen Covid-19-Impfstoff hat China einen grossen Schritt gemacht: Forschern ist es gelungen, Tiere zu immunisieren.

von
Fee Anabelle Riebeling
1 / 15
Die Firma Sinovac aus Peking hat laut eigenen Angaben einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 erfolgreich an Rhesusaffen getestet. Ob er auch Menschen vor dem neuartigen Coronavirus schützt, muss sich aber erst noch zeigen.

Die Firma Sinovac aus Peking hat laut eigenen Angaben einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 erfolgreich an Rhesusaffen getestet. Ob er auch Menschen vor dem neuartigen Coronavirus schützt, muss sich aber erst noch zeigen.

Keystone
Es wäre wichtig.  Denn das neuartige Coronavirus hat eine Pandemie mit bereits Tausenden Toten ausgelöst.

Es wäre wichtig. Denn das neuartige Coronavirus hat eine Pandemie mit bereits Tausenden Toten ausgelöst.

KEYSTONE
Obwohl chinesische Forscher den Gencode von Sars-CoV-2 bereits einen Monat nach Meldung des Virus an die WHO entschlüsselt hatten (Bild) und bis Mitte März 2020 über 30 Impfstoffkandidaten identifizert wurden …

Obwohl chinesische Forscher den Gencode von Sars-CoV-2 bereits einen Monat nach Meldung des Virus an die WHO entschlüsselt hatten (Bild) und bis Mitte März 2020 über 30 Impfstoffkandidaten identifizert wurden …

ncbi.nlm.nih.gov/nuccore/MN90894

Darum gehts

  • Die Impfstoff-Entwicklung gegen Covid-19 läuft auch Hochtouren.
  • In Deutschland wurde eine erste klinische Studie zugelassen.
  • Chinesische Forschern melden erste Erfolge von einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus.
  • In Tests konnte dieser Rhesusaffen, die wie Menschen zu den Primaten zählen, vor einer Ansteckung mit Sars-CoV-2 schützen.

Ein normaler Alltag wird erst dann möglich sein, wenn ein Impfstoff gegen Sars-CoV-2 gefunden ist. Da sind sich Virologen weitgehend einig. Wann das sein wird, darüber herrscht Unklarheit (siehe Box 1). Fest steht nur: Die Entwicklung von Impfstoffen läuft auf Hochtouren und schreitet in grossen Schritten voran.

Wenige Tage nachdem das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das deutsche Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, eine erste klinische Prüfung des vom Mainzer Unternehmen Biontech entwickelten Impfstoffs gegen Sars-CoV-2 in Deutschland genehmigt hat, gibt es aus China einen ersten grossen Erfolg zu vermelden.

«Sicher und effektiv»

Wie die verantwortlichen Mitarbeiter der Pekinger Firma Sinovac auf dem Preprint-Server Biorxiv.org schreiben, ist es ihnen gelungen, Rhesusaffen mithilfe eines Impfstoffes aus inaktivierten Viren «sicher und effektiv» vor Sars-CoV-2 zu schützen. Die für die Entwicklung des Vakzins – so der Fachausdruck für Impfstoff – verwendeten Viren stammen von einem Patienten aus China.

Nachdem sie an Nagern gezeigt hätten, dass der Impfstoff die Bildung von Antikörpern anstossen kann, hätten sie diesen Rhesusaffen verabreicht, die wie die Menschen zu den Primaten zählen.

Wann kommt der Impfstoff?

Während die einen Experten auf das Jahr 2021 hoffen, hält Christoph Wenisch, Infektiologe am Sozialmedizinischen Zentrum Süd des Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spitals, die Jahre 2022 oder 2023 für realistischer. Hendrik Streeck, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn, warnt in der ZDF-Talkshow «Maybrit Illner» davor, sich allzu grosse Hoffnungen zu machen und allein darauf zu verlassen, denn: «Jede Vorhersage, dass wir einen Impfstoff haben werden, ist unseriös, weil wir es einfach nicht wissen." So gebe es etwa bei HIV oder Hepatitis-C trotz jahrelanger Forschung noch immer keinen Impfstoff.

Keine Viren nachweisbar

Dafür hätten sie den Tieren innerhalb von zwei Wochen jeweils Impfdosen in zwei unterschiedlichen Dosierungen gespritzt, so das Team um Qiang Gao. Drei Wochen später hätten sie die Affen dann mit Sars-CoV-2 konfrontiert. Die verabreichten Viren stammten von zehn verschiedenen Patienten, darunter auch solchen aus Europa.

Ergebnis: Die Schutzwirkung war bei den Tieren, die die höhere Impfdosis erhalten hatten, am besten. Bei ihnen sei sieben Tage nach der absichtlichen Infektion Viren in Rachen, After oder in der Lunge nachweisbar gewesen. Doch selbst die niedrigen Dosierungen hätten Wirkung gezeigt. So sei es zwar zunächst zu einem kurzzeitigen Aufflackern der Infektion gekommen, allerdings sei diese folgenlos blieb. Die Affen in der Kontrollgruppe dagegen seien an einer schweren Lungenentzündung erkrankt.

«Das könnte funktionieren»

Ob der Impfstoff auch den Menschen erfolgreich vor Covid-19 bewahrt, wird sich jedoch erst zeigen müssen. Gegenüber Sciencemag.org sagte Florian Krammer, Virologe an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai Hospital in New York: «Das ist alte Schule, aber es könnte funktionieren.» Positiv sei zudem, dass viele Impfstoffhersteller, auch in Ländern mit niedrigem bis mittlerem Einkommen, einen solchen Impfstoff herstellen könnten.

Auch Meng Weining von Sinovac lässt sich nicht davon irritieren, dass die meisten anderen Impfstoffhersteller mit neueren Technologien hantieren: Letztlich käme es darauf an, ob ein Impfstoff sicher und wirksam ist, nicht darauf, wie er hergestellt wird.

Drei Arten Impfstoffe

Klassisch unterscheidet man zwischen zwei Arten Impfstoff: zwischen den inaktivierten Impfstoffen (Totimpfstoffen) und abgeschwächten Lebendimpfstoffen.

Lebendimpfstoffe enthalten kleine Mengen vermehrungsfähiger Erreger, die so abgeschwächt wurden, dass sie die Erkrankung selbst nicht auslösen. Angewendet werden sie etwa in Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken.

Totimpfstoffe enthalten abgetötete Krankheitserreger, die sich nicht mehr vermehren können, oder auch nur Bestandteile der Erreger. Diese werden vom Körper als fremd erkannt und regen das körpereigene Abwehrsystem zur Antikörperbildung an, ohne das die jeweilige Krankheit ausbricht. Anwendet wird diese Form bei Impfstoffen gegen z.B. Diphterie, Hepatitis B und Tetanus.

Es gibt noch einen dritten Ansatz: Dabei wird versucht, die Impfwirkung unter Verwendung von Erbsubstanz – RNA – zu erzielen. Durch Spritzen der genetische Bauanleitung spritzt, soll das Immunsystem dazu gebracht werden, selbst Antikörper gegen die abwehrende Krankheit aufbauen. Erfolge gibt es bislang jedoch nicht.

Fehler gefunden?Jetzt melden.