Coronavirus - Impfstrategie der Schweiz verlängere die Pandemie
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CoronavirusImpfstrategie der Schweiz verlängere die Pandemie

Zwei Schweizer Experten teilen die Kritik des WHO-Generaldirektors an der Schweiz und sagen, dass es der falsche Weg sei, Kinder und Jugendliche schon zu impfen.

von
Yasmin Rosner
Die Impfstrategie führe zu einer Ungleichverteilung.

Die Impfstrategie führe zu einer Ungleichverteilung.

20min/News-Scout

Darum gehts

  • Der Schweizer Generaldirektor des Internationalen Pharmaverbands und ein renommierter Schweizer Epidemiologe teilen die Kritik des WHO-Generaldirektors an der Schweiz.

  • Insbesondere die Impfungen von Kindern und Jugendlichen würden kritisch betrachtet.

  • Man sorge nicht nur für eine Ungleichverteilung, sondern verlängere dadurch auch die Pandemie.

Ist die Schweiz mitschuldig, dass die Pandemie unnötig verlängert wird? Ja, wenn es nach dem Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation in Genf, Tedros Ghebreyesus, geht. «Länder, die jetzt ihre Kinder und andere Gruppen mit geringem Risiko impfen, tun dies auf Kosten von gefährdeten Personen und Gesundheitsmitarbeitenden in anderen Ländern», sagte Ghebreyesus diese Woche. Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, sind zwei der wichtigsten Schweizer Experten in Sachen Impfstoffverteilung der gleichen Meinung.

Der Schweizer Generaldirektor des Internationalen Pharmaverbands, Thomas Cueni, und der renommierte Schweizer Epidemiologe, Marcel Tanner, einer der erfahrensten Experten für die Bekämpfung von Epidemien in Afrika, teilen die Kritik. Seit dem 4. Juni ist der Corona-Impfstoff von Pfizer/Biontech in der Schweiz für Personen ab zwölf Jahren zugelassen. Das Problem ist, dass reiche Länder wie die Schweiz schon bald alle Impfwilligen geimpft haben werden – auch solche, die nicht zu den Risikogruppen zählen –, während Dutzenden armen Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika praktisch keine Impfstoffe zur Verfügung stehen.

Diese Ungleichverteilung sei ein «moralischer Skandal», sagte Tedros Ghebreyesus. Die Ungleichverteilung sei aber nicht nur ein ethisches Problem, sagen Thomas Cueni und Marcel Tanner, sondern dadurch werde auch die Pandemie länger dauern. Zudem sei das Risiko immer neuer, allenfalls sogar gefährlicherer Virus-Mutationen als der Delta-Variante höher, solange die Impfquote nicht weltweit beträchtlich gesteigert werde. Thomas Cueni kritisiert die Schweiz auch dafür, dass sie Anfang Juni versprach, vier Millionen Impfdosen an die internationale Impfstoff-Initiative Covax abzugeben, damit diese an arme Länder verteilt werden können. Davon habe man bisher nichts gesehen, sagt er.

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