Corona-Impfung - Bundesrat will Geimpften Privilegien gewähren
Aktualisiert

Privilegien für GeimpfteImpfunwillige wehren sich gegen «passiven Impfzwang»

Der Bund will bald ein einheitliches Covid-Zertifikat entwickeln und damit den Geimpften Vorteile gewähren. Die Impfunwilligen fühlen sich von der Politik hintergangen.

von
Leo Hurni
1 / 6
Gibt es den Eintritt ins Restaurant bald nur noch, wenn man gegen Covid geimpft ist? Viele Impfunwillige befürchten das und wehren sich dagegen. 

Gibt es den Eintritt ins Restaurant bald nur noch, wenn man gegen Covid geimpft ist? Viele Impfunwillige befürchten das und wehren sich dagegen.

AFP
«Der Bundesrat hat klar gesagt, dass es für Ungeimpfte keine sozialen oder beruflichen Benachteiligungen geben soll», sagt etwa Richard Koller, Initiant der «Stopp Impfpflicht»-Initiative.

«Der Bundesrat hat klar gesagt, dass es für Ungeimpfte keine sozialen oder beruflichen Benachteiligungen geben soll», sagt etwa Richard Koller, Initiant der «Stopp Impfpflicht»-Initiative.

20min / Michael Scherrer
Dass es jetzt aber für Geimpfte, Getestete und Genesene  einen selektiven Zugang zu «Orten mit hohem Übertragungsrisiko» geben soll, kritisiert Koller stark. 

Dass es jetzt aber für Geimpfte, Getestete und Genesene einen selektiven Zugang zu «Orten mit hohem Übertragungsrisiko» geben soll, kritisiert Koller stark.

20min/Marvin Ancian

Darum gehts

  • Impfunwillige sehen sich immer mehr unter Druck, sich doch noch impfen zu lassen.

  • Sie kritisieren, dass der Bundesrat immer mehr Privilegien für Geimpfte einführt.

  • Die Covid-Impfung sei gefährlich, befürchten sie.

  • Swissmedic dementiert: Die Impfung sei geprüft und schwere Nebenwirkungen sehr selten.

Eintritt nur für Geimpfte, Getestete und Genesene: Sobald 40 bis 50 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft sind, soll es für sie einen selektiven Zugang zu «Orten mit hohem Übertragungsrisiko» geben, verkündete der Bundesrat am Mittwoch. Dazu zählt er etwa grössere Veranstaltungen, Bars oder auch Clubs. Zum Nachweis werde deshalb ein einheitliches, fälschungssicheres und leicht überprüfbares Covid-Zertifikat entwickelt.

Mit den Entscheidungen des Bundesrates steige der Impfdruck auf die Bevölkerung, sagt Richard Koller, Initiant der «Stopp Impfpflicht»-Initiative. Er kritisiert die «versteckte Impfpflicht», die er in der Schweiz immer mehr wahrnimmt. «Der Bundesrat hat klar gesagt, dass es für Ungeimpfte keine sozialen oder beruflichen Benachteiligungen geben soll», sagt Koller.

Koller habe sich gegen verschiedene Krankheiten impfen lassen, doch gegen Corona lasse er sich nicht impfen. «Verglichen mit der Sterberate der Krankheit ist mir die Impfung zu gefährlich und viel zu wenig erforscht.» Den Druck der Regierung auf die Impfung sieht Koller kritisch. «Wenn Politik und Wissenschaft die Impfung praktisch mit einer versteckten Impfpflicht durchsetzen müssen, dann kann das gar nicht gut sein für den Menschen.»

«Wir haben kein Vertrauen»

Damit ist Koller nicht alleine. Bereits 36’000 Menschen haben seine Initiative unterschrieben.
Unterstützung bekommt Koller von SVP-Nationalrätin Yvette Estermann, selber ausgebildete Ärztin und Homöopathin. Sie verteidigt die Impfskeptiker. Sie behauptet: «Ich kann das absolut nachvollziehen, denn die Covid-Impfung hat nach wie vor zahlreiche negative Nebenwirkungen. Das reicht von eventuellen Langzeitfolgen über schwere Schädigungen bis zu Todesfällen.»

Das Impfzertifikat sei eine deutliche Diskriminierung der Impfskeptiker. Estermann fordert vom Bundesrat, dass mehr über die negativen Wirkungen berichtet werde. «Wir brauchen deutlich bessere Transparenz über die Nebenwirkungen. Denn so, wie es jetzt ist, haben wir kein Vertrauen in die Impfung.»

Swissmedic dementiert Gefahren

Die Zulassungsbehörde Swissmedic, die auch die beiden Covid-Impfstoffe von Moderna und Pfizer/Biontech zugelassen hat, sagt allerdings klar: Die Befürchtung, dass es bei einer Impfung zu starken negativen Nebenwirkungen komme, sei nicht gerechtfertigt. «Angesichts der noch relativ kurzen Beobachtungszeit sind Unsicherheiten und Fragen verständlich. Bisher sind aber sehr wenige wirklich schwerwiegende Nebenwirkungen aufgetreten», erklärt Swissmedic-Mediensprecher Lukas Jaggi. Im Verhältnis zu den weltweit verimpften Dosen seien die bisher gemeldeten Nebenwirkungen erfreulich niedrig. In der Schweiz liege die Melderate etwa bei einer Meldung pro 1000 verimpften Dosen.

Auch die Kritik, dass die Impfung bisher noch zu wenig erforscht sei, räumt Jaggi aus dem Weg. «Auch wenn angesichts der raschen Entwicklungszeiten gewisse Bedenken in der Bevölkerung nachvollziehbar sind, ist diese Angst nicht gerechtfertigt.» Swissmedic habe die Zulassungsunterlagen speditiv, aber sorgfältig und gründlich geprüft. «Unseren Entscheiden darf man vertrauen. Wir hoffen, dass mit unserer gewissenhaften Arbeit die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, nicht ab-, sondern zunimmt», so Jaggi.

Gesundheitsminister Alain Berset wies an der Pressekonferenz vom Mittwoch den Vorwurf zurück, der Bundesrat führe einen versteckten Impfzwang ein: «Mit einem Impfzwang hat unsere Strategie nichts zu tun. Es ist in diesem Land die freie Entscheidung jedes Menschen, ob er sich impfen lassen will oder nicht.»

Das wird in der Schweiz geimpft

Bisher sind in der Schweiz drei Impfstoffe zugelassen, verimpft werden allerdings nur zwei: Der Impfstoff der US-Firma Moderna und der Impfstoff von Pfizer und Biontech. In der Wirksamkeit unterscheiden sich die beiden Impfstoffe. Der von Biontech und Pfizer entwickelte Coronavirus-Impfstoff bietet einen rund 95-prozentigen Schutz vor Covid-19 – und zwar bei allen Altersstufen (sieben Tage nach der zweiten Dosis). Bei Moderna liegt der Schutz leicht darunter. Der Impfstoff schütze zu 90 Prozent vor einer Covid-19-Erkrankung und zu 95 Prozent vor einem schweren Verlauf, teilte das Unternehmen zuletzt mit.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

1219 Kommentare