Impfstoff – Impfwillige misstrauen Moderna wegen Empfehlung für Junge
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ImpfstoffImpfwillige misstrauen Moderna wegen Empfehlung für Junge

Das BAG empfiehlt unter 30-Jährigen vorzugsweise die Impfung mit Pfizer. Das schreckt ältere Impfwillige zunehmend vor Moderna ab.

von
Bettina Zanni
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Das BAG empfiehlt unter 30-Jährigen, sich vorzugsweise mit Pfizer/Biontech impfen zu lassen. Das verunsichert ältere Impfwillige. 

Das BAG empfiehlt unter 30-Jährigen, sich vorzugsweise mit Pfizer/Biontech impfen zu lassen. Das verunsichert ältere Impfwillige.

Oliver Berg/dpa
«In den letzten Tagen haben reihenweise ungeimpfte 30-Jährige, 40-Jährige und 50-Jährige, aber auch Boosterwillige ihren Impftermin abgesagt, weil sie Moderna misstrauen», sagt Hausärztin M. M. aus BL.

«In den letzten Tagen haben reihenweise ungeimpfte 30-Jährige, 40-Jährige und 50-Jährige, aber auch Boosterwillige ihren Impftermin abgesagt, weil sie Moderna misstrauen», sagt Hausärztin M. M. aus BL.

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Doch Pfizer könne sie als Alternative nicht anbieten, da die Praxen im Kanton Basel-Land im Gegensatz zu den Impfzentren nur mit Moderna beliefert würden, so M.

Doch Pfizer könne sie als Alternative nicht anbieten, da die Praxen im Kanton Basel-Land im Gegensatz zu den Impfzentren nur mit Moderna beliefert würden, so M.

REUTERS

Darum gehts

  • In einer Baselbieter Arztpraxis sagen zahlreiche Patientinnen und Patienten den Impftermin ab, weil sie sich lieber mit Pfizer/Biontech statt Moderna impfen lassen wollen.

  • Viele Kantone beliefern Hausarztpraxen jedoch nicht mit Pfizer/Biontech.

  • Laut Patientenschützerin Flavia Wasserfallen droht, dass ein wichtiger Teil der Bevölkerung beim Ziel einer erhöhten Impfquote ausgeschlossen wird.

Bis zu 100 Personen pro Woche könnte Hausärztin M. M.* aus Basel-Land impfen. «Ich will, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen können. Hausärzte spielen als Vertrauenspersonen für den Impfentscheid eine wichtige Rolle.» Doch ihre Patientinnen und Patienten haben zunehmend das Vertrauen verloren.

Seit Ende November empfiehlt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) unter 30-Jährigen, sich vorzugsweise nur noch mit dem Comirnaty-Impfstoff von Pfizer/Biontech impfen zu lassen (siehe Box). «In den letzten Tagen haben reihenweise ungeimpfte 30-Jährige, 40-Jährige und 50-Jährige, aber auch Boosterwillige ihren Impftermin abgesagt, weil sie Moderna misstrauen», sagt die Ärztin.

«Verzichten lieber»

Doch Pfizer könne sie als Alternative nicht anbieten, da die Praxen im Kanton Basel-Land im Gegensatz zu den Impfzentren nur mit Moderna beliefert würden, so M. Lieber als auf ein Impfzentrum auszuweichen, verzichteten manche Patientinnen und Patienten auf die Impfung. «Sie gehen ja zum Hausarzt, weil sie sich dort besser aufgehoben fühlen als im Impfzentrum.» Damit droht laut der Ärztin, dass sich zahlreiche Personen weder impfen noch boostern lassen wollten.

Auch die Kantone Aargau, Basel-Stadt, Freiburg, Luzern, Obwalden, Schwyz, Thurgau und Zug beliefern die Arztpraxen ausschliesslich mit Moderna. Sie begründen dies mit den anspruchsvollen Kühl- und Lagerungsbedingungen.

«Alle Hürden müssen abgebaut werden»

Flavia Wasserfallen, Präsidentin des Dachverbands schweizerischer Patientenstellen, kann nachvollziehen, dass einige Impf- oder Boosterwillige am Moderna-Impfstoff nach der Empfehlung zweifeln. «Für eine erhöhte Impfquote müssen alle Hürden abgebaut werden», sagt Wasserfallen. Der Impfstoff sei in genügender Menge vorhanden. «Die Kantone müssen einen Weg finden, um auch Arztpraxen mit Pfizer beliefern zu können.» Ansonsten werde ein wichtiger Teil der Bevölkerung ausgeschlossen. «Kritische Personen sind in einer Arztpraxis am richtigen Ort und wollen sich nicht in einem anonymen Impfzentrum impfen lassen.»

Gewisse Kantone sehen bereits Handlungsbedarf. Für 2022 werde eine solche Belieferung geprüft, da eine Vereinfachung der Handhabung seitens der Hersteller vorgesehen sei, sagt das Aargauer Gesundheitsdepartement auf Anfrage. Auch der Kanton Freiburg plant, ab Frühling auch Arztpraxen mit Pfizer zu beliefern. Der Baselbieter Krisenstab kündigt an, eine Verwendung in den Arztpraxen 2022 neu zu evaluieren.

Oberster Kantonsarzt sieht kein Problem

Der oberste Kantonsarzt hingegen unterstützt das bisherige Vorgehen. Die Aufklärung gehöre zu den Aufgaben der impfenden Person, so auch jene über die Impfempfehlungen, sagt Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte (VKS). «Wenn sich die impfwillige Person in der Folge für einen anderen Impfstoff entscheidet, wird sie an eine Impfstelle verwiesen, die den betreffenden Impfstoff verimpft.» Es habe keinen Sinn, für solche Fälle alternative Impfstoffe zu liefern, deren grösster Teil dann vernichtet werden müsse. Immunologe Daniel Speiser hält die Bedenken bezüglich Moderna zudem für nicht nötig (siehe unten).

*Name der Redaktion bekannt.

Moderna versus Pfizer

Internationalen Daten zufolge werden Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen bei unter 30-Jährigen nach der Impfung mit Moderna häufiger beobachtet als nach der Impfung mit Pfizer/Biontech. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) passte die Impfempfehlung für unter 30-Jährige deshalb Ende November an.

Daniel Speiser, Immunologe an der Universität Lausanne, sagt, dass die Bedenken gegenüber der Moderna-Impfung für Menschen über 30 Jahren nicht nötig seien. Selbst bei unter 30-Jährigen kämen Herzmuskelentzündungen nach einer Moderna-Impfung äusserst selten vor. «Bei den Jungen wurde die Empfehlung nur angepasst, weil in dieser Altersgruppe ein kleines Risiko für Herzmuskelentzündungen besteht.» Die Entzündung, die sich durch allgemeines Unwohlsein und ein Schwächegefühl äussern könne, sei zudem gut behandelbar.

Pfizer/Biontech und Moderna funktionieren laut Speiser gleich. «Beide Impfstoffe geben unserer natürlichen Fähigkeit der Immunabwehr einen Schubs.» Lediglich sei Moderna im Unterschied zu Pfizer/Biontech etwas höher dosiert und stimuliere daher das Immunsystem etwas stärker.

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