Mehr Qualität: Implantate-Register soll Pflicht werden
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Mehr QualitätImplantate-Register soll Pflicht werden

Rund zwei Monate nach dem Skandal um die französischen Billig-Brustimplantate reagiert die Politik. SP-Nationalrätin Bea Heim fordert, dass Ärzte künftig Implantate registrieren müssen.

von
Jessica Pfister
Heute gibt es zwar ein Brustimplantat-Register, doch weil es freiwillig ist, wird es kaum genutzt.

Heute gibt es zwar ein Brustimplantat-Register, doch weil es freiwillig ist, wird es kaum genutzt.

Noch immer ist unklar, wie viele Frauen in der Schweiz Trägerinnen der fehlerhaften Brustimplantate der französischen Firma Poly Implant Prothèse sind (PIP). Diese Zahlen werden wohl auch immer ein Rätsel bleiben. Kein Wunder: Bisher gab es keine Pflicht, die Daten zu Brustimplantaten zu erfassen. Zwar gibt es seit rund drei Jahren ein nationales Brustimplantat-Register – doch kaum ein Arzt nutzt das Angebot (20 Minuten Online berichtete).

Nun wird die Politik aktiv. SP-Gesundheitspolitikerin Bea Heim fordert den Bundesrat in einer Motion auf, sämtliche Implantate-Register obligatorisch zu machen. «Wenn solche Register freiwillig sind, haben sie gar keine Aussagekraft», kritisiert Heim. Seien die Ärzte allerdings gesetzlich dazu verpflichtet, das Register zu benutzen, könne man nicht nur die Qualität von einzelnen Produkten besser kontrollieren, sondern auch zur Sicherheit beitragen. «Im Falle der fehlerhaften Brustimplantate hätte ein obligatorisches Register mitgeholfen, die betroffenen Frauen schnell ausfindig zu machen und zu informieren.»

«Gesellschaft sind Hände gebunden»

Die Schweizerische Gesellschaft für plastische Chirurgie (SGPRAC) begrüsst Heims Vorstoss. «Wir sind froh, dass dieses Thema den Weg auf die politische Ebene gefunden hat», sagt Dominque Erni, SGPRAC-Vorstandsmitglied und Mitentwickler des aktuellen Registers, gegenüber 20 Minuten Online. Der Gesellschaft würden jegliche Mittel fehlen, um ein Obligatorium durchzusetzen. Wäre dieses hingegen gesetzlich verankert, könnte die SGPRAC Ärzten im Ernstfall mit juristischen Massnahmen drohen.

Neben der Schönheitschirurgie sieht Heim aber auch bei anderen medizinischen Implantaten Handlungsbedarf – beispielsweise in der Kardiologie. So würden Ärzte schwerwiegende Vorkommnisse bei Herzschrittmachern deutlich zu selten dem Heilmittelinstitut Swissmedic melden. Deshalb verlangt Heim neben den obligatorischen Registern auch eine Meldepflicht. «Nur so können Behandlungserfolge, aber auch -Misserfolge richtig verfolgt und erforscht werden.»

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