17.10.2020 21:30

Kreuzlingen TG«In 44 Jahren hiess es nur einmal ‹Mann über Bord›»

Kurt und Erika Meyer haben jahrzehntelang zusammen die Segelschule Kreuzlingen geleitet. Nach Ende der Saison ist Schluss für den 82-Jährigen und die 77-Jährige. Während all der Jahre haben sie über tausend Schüler ausgebildet.

von
Leo Butie
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82-jährig und nach 44 Jahren Erfahrung als Segelausbildner tritt Kurt Meyer aus Kreuzlingen TG kürzer. 

82-jährig und nach 44 Jahren Erfahrung als Segelausbildner tritt Kurt Meyer aus Kreuzlingen TG kürzer.

Privat
Er führte seit 1976 die Segelschule Kreuzlingen, wo seine Frau Erika ebenfalls unterrichtete.

Er führte seit 1976 die Segelschule Kreuzlingen, wo seine Frau Erika ebenfalls unterrichtete.

Privat
Auch auf hoher See haben die beiden Tausende Seemeilen zurückgelegt. Etwa in der Karibik, wo sie während 12 Jahren überwinterten. 

Auch auf hoher See haben die beiden Tausende Seemeilen zurückgelegt. Etwa in der Karibik, wo sie während 12 Jahren überwinterten.

segelschulekreuzlingen.ch

Darum gehts

  • Seit 1976 bildet Kurt Meyer Segelschüler aus.

  • Er erzählt von Tausenden Meilen auf hoher See und von brenzligen Situationen.

  • Mit 82 ist aber für ihn Schluss.

  • Zusammen mit seiner Frau Erika wird die Segelschule an die Bootsfahrschule BSB übergeben.

Seit über vier Jahrzehnten ist Kurt Meyer die Segelkoryphäe schlechthin auf dem Bodensee. Zusammen mit seiner Frau Erika leitet er seit 1976 die Segelschule Kreuzlingen. Im stolzen Alter von 82 Jahren ist nun Schluss mit Ausbilden für Meyer. Per Ende dieser Saison gibt das Paar seine Schule ab. Diese wird von der Bootsfahrschule BSB am Bodensee übernommen, berichtet die «Thurgauer Zeitung». Seinem Element wird der 82-Jährige trotzdem weiterhin treu bleiben.

Die Leidenschaft fürs Segeln wurde durch seinen Götti geweckt. «Damals hatte man kein Benzin, und ich musste mit meinem Vater herausrudern, um zu fischen», erzählt Meyer zu 20 Minuten. «Mein Götti hatte ein Segelboot, und ich fand es angenehmer, weil ich dann nicht rudern musste.» Mit zehn Jahren packte ihn das Segeln und liess ihn seither nicht mehr los. Er machte später eine Ausbildung zum Heizungs- und Lüftungstechniker, doch krankheitsbedingt konnte er diesen Beruf nicht länger ausüben. 1976 sah er im Segeln eine willkommene Alternative und eröffnete seine eigene Segelschule im Bojenfeld beim Seeburgpark in Kreuzlingen. «Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht», meint Meyer.

Nebst dem Bodensee hat er auf dem Meer sehr viel Erfahrung gesammelt. Er hat ein eigenes Segelboot erbaut und auf hoher See eingesetzt. «1992 sind wir für neun Monate in die Karibik gesegelt und haben dort auch zwölf Jahre lang überwintert», verrät er. «Die Verhältnisse und die Distanzen sind ganz anders als auf dem Bodensee», sagt Meyer. «Vor allem die Navigation ist auf hoher See sehr wichtig.» Da es zu seiner Zeit noch kein GPS gab, erlernte er die Astronavigation, die Standortbestimmung durch Himmelskörper wie Sonne, Mond oder Sterne.

Brenzlige Situationen auf hoher See

In den vielen Jahren als Segler ist er auch in brenzlige Situationen geraten. «Wenn es auf dem Meer stürmt, muss man eine Taucherbrille anziehen, um überhaupt etwas zu sehen», erzählt der 82-Jährige. «Am liebsten hätte man noch Scheibenwischer auf den Taucherbrillen.» Bei Stürmen sei es zuweilen schwierig gewesen, seine Schüler vom Land wegzuhalten. Instinktiv würde man das Land suchen, doch in Ufernähe lauern die grössten Gefahren.

«Ein Kapitän verliert sein Schiff auf Land – und nicht im Meer», weiss er. Nur einmal gab es auf dem Bodensee für Meyer eine richtig prekäre Lage. «In 44 Jahren hiess es nur einmal ‹Mann über Bord›. Ein einziges Mal fiel jemand von Bord», erzählt er. Doch der Mann sei schnell wieder auf dem Boot gewesen. Mit dieser sauberen Bilanz übergibt er nun die Schule an die Bootsfahrschule BSB und darf sich voll und ganz dem Segeln widmen. «Auch in Zukunft werden wir am Hafen und auf dem Wasser anzutreffen sein», so das Paar. «Ohne Wasser geht es einfach nicht.»

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17 Kommentare
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Walter Basel

18.10.2020, 11:23

Liebe Erika und lieber Kurt Ich wünsche Euch alles Gute und Gesundheit. Geniesst weiterhin Wind und Wasser. Hoffentlich werden Eure unzähligen Erfahrungen noch für die Wassersportfreunden zur Verfügung stehen,dies wäre so wertvoll. Ich, ein ehemaliger Segelschüler noch zu Zeiten mit Capt. Avi U-Boot. Wünsche Euch das Beste.

Pezer

18.10.2020, 09:27

Endlich mal was anderes als Coronaberichte

Joggi

18.10.2020, 08:51

Segeln, zu Wasser oder in der Luft, ist etwas vom Ehrlichsten. Das Spiel mit der Natur, den Elementen lehrt Respekt