Aktualisiert 21.08.2012 19:47

Über 4 Jahre KnastIn 45 Minuten drei Frauen mit Messer überfallen

Um seiner schwangeren Freundin finanziell zu helfen, hat ein Hilfsarbeiter gleich drei Frauen mit einem Messer überfallen- darunter ausgerechnet eine schwangere Richterin. Nun muss der Räuber für viereinhalb Jahre hinter Gitter.

von
Attila Szenogrady
Der Täter besteht darauf, dass er einem seiner Opfer das Messer nicht an den Hals, sondern gegen den Bauch gehalten habe. (Symbolbild)

Der Täter besteht darauf, dass er einem seiner Opfer das Messer nicht an den Hals, sondern gegen den Bauch gehalten habe. (Symbolbild)

Es war am 16. Dezember 2011, als eine schwangere Aargauerin schlechte Nachrichten von einem Spital in Baden erhielt. Aufgrund von unklaren finanziellen Verhältnissen könne man sie nicht mehr untersuchen, lautete die Nachricht. Das war zu viel für den heute 24-jährigen Freund der baldigen Mutter. Der mehrfach vorbestrafte Hilfsarbeiter aus Bremgarten beschloss nach Zürich zu gehen, um sofort etwas Geld zu machen. Im Klartext: Der mehrfach vorbestrafte Hilfsarbeiter wollte auf offener Strasse mehrere Frauen mit einem Messer überfallen und berauben.

Nur drei Tage später schritt der Aargauer im Zürcher Kreis 5 zur Tat. Um 19.30 Uhr ging er an der Heinrichstrasse zunächst ausgerechnet auf eine schwangere Richterin los. «Ich will dis Portemonnaie», zischte er und richtete ein Küchenmesser gegen ihren Bauch. Die bedrohte Juristin reagierte erstaunlich gefasst und führte aus, dass sie weder Bargeld noch ein Mobiltelefon auf sich trage. Dabei zeigte sie dem Beschuldigten ihre Tasche, worauf sich der Angreifer mittels Durchsuchen selber vom Wahrheitsgehalt dieser Aussage überzeugen konnte. Die Geschädigte hatte Glück, da er von ihr abliess und das Weite suchte.

Heftiger Faustschlag ins Gesicht

20 Minuten später hatte ein zweites Opfer weniger Glück. Der Täter richtete der 48-jährigen Geschädigten sein Messer an den Hals und verlangte Geld. Diesmal kam er zum Ziel und nahm der Frau 40 Franken ab. Dann versetzte er ihr einen heftigen Faustschlag ins Gesicht. Kurz darauf überfiel der Strassenräuber eine dritte Frau. Er entriss der 29-Jährigen ihr Portemonnaie mit 62 Franken und ein Mobiltelefon. Doch nach 45 Minuten war der Spuk vorbei. Die Polizei konnte den Beschuldigten kurz darauf festnehmen.

Am Dienstag musste sich der junge Vater einer kürzlich geborenen Tochter vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten. Der junge Mann zeigte sich grundsätzlich geständig, bestritt aber den Faustschlag. Zudem hielt er fest, dass er dem zweiten Opfer das Messer nicht gegen den Hals, sondern nur gegen den Bauch gehalten habe. Bei der Befragung zur Person kam die schwere Jugend des Täters zur Sprache. Der Sohn eines längst verschwundenen Tunesiers und einer Südafrikanerin war in der Region Wohlen in schwierigen familiären Verhältnissen aufgewachsen. Früher Drogenkonsum und die Einweisung in ein Heim waren die Folgen. Seit 2007 hat er sich vorwiegend im Kanton Aargau bereits fünf Vorstrafen eingehandelt. Unter anderem wegen Raufhandels, Hinderung einer Amtshandlung sowie Sachbeschädigung.

Täter hat seine Tochter erst einmal gesehen

Die Staatsanwaltschaft verlangte wegen schweren Raubes und weiteren Delikten eine hohe Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Der Verteidiger wehrte sich nicht gegen die Schuldsprüche, setzte sich aber mit 45 Monaten Freiheitsentzug für eine wesentlich mildere Sanktion ein.

Das Gericht setzte zum Schluss eine Strafe von viereinhalb Jahren fest. Bei der Motivlage sahen die Richter keine Entlastung, erachteten den Antrag der Anklage dennoch als zu hoch. Vor allem da eine Aargauer Geldstrafe von 190 Tagessätzen zu 70 Franken widerrufen wurde. Der Beschuldigte wurde zudem verpflichtet, der Richterin - sie ist heute eine junge Mutter - ein Schmerzensgeld von 2500 Franken zu bezahlen. Der Beschuldigte hat seine eigene Tochter bisher nur einmal gesehen - hinter einer Trennscheibe während eines Besuchs im Gefängnis.

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