Aktualisiert 31.03.2012 11:29

Mohammed El Baradei«In Ägypten herrscht Willkür»

Der Ägypter Mohammed El Baradei geht hart mit der militärischen Übergangsregierung ins Gericht. Diese hätten «miserables politisches Management» an den Tag gelegt.

Der ägyptische Friedensnobelpreisträger und ehemalige Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Mohammed El Baradei, hat die militärische Übergangsregierung seines Landes scharf kritisiert.

«Das Militär geht immer noch oft genug rücksichtslos vor, es herrscht Willkür», sagte El Baradei der Zeitung «Welt am Sonntag». Das Vertrauen der Bevölkerung in die Generäle sei zerstört.

«Sie haben durch ihr miserables politisches Management im Lauf des vergangenen Jahres sehr viel an Glaubwürdigkeit eingebüsst. Kein Mensch glaubt ihnen mehr.»

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Auf die Frage, ob ein Militärputsch drohe, antwortete El Baradei: «Das Risiko gibt es immer. Ich glaube aber nicht, dass die Militärs das wagen würden. Sie wissen ganz genau, dass dann die 20 Millionen, die auf die Strasse gingen, wieder aufstehen werden.»

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Partei der Jugend

Die Armeeführung müsse ihre Machtpositionen in Staat und Wirtschaft aufgeben, forderte El Baradei. «Die Armee muss lernen, dass sie eine Armee in einem demokratischen Staat ist», sagte der Friedensnobelpreisträger.

Von Mai an wird in Ägypten ein neuer Präsident gewählt, Ende Juni soll das Ergebnis feststehen. Danach - so ist es vorgesehen - gibt der Militärrat die Regierungsverantwortung wieder ab.

El Baradei hatte sich selbst als Bewerber für die Präsidentschaft ins Spiel gebracht, aber im Januar aus Enttäuschung über die schleppende Demokratisierung des Landes erklärt, nun doch nicht anzutreten.

Der «Welt am Sonntag» sagte El Baradei, er wolle künftig die Interessen der Demonstranten vom Tahrir-Platz vertreten und sich darum kümmern, «dass die Jugend zu einer politischen Formation findet, vielleicht auch eine Partei gründet. Mein Ziel ist es, dass sie bei der kommenden Parlamentswahl Aussicht auf Erfolg hat.» (sda)

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