Aktualisiert 15.01.2015 13:22

Yassine Chikhaoui

«In Afrika weisst du nie, wer gewinnt»

Ein Turnier als Gleichung mit vielen Unbekannten. Es ist schwierig, sich auf einen Favoriten am Afrika-Cup in Äquatorialguinea festzulegen.

von
sco
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FCZ-Künstler Yassine Chikhaoui (r.) führt Tunesien als Captain zum Afrika-Cup in Äquatorialguinea (ab 17. Januar).

FCZ-Künstler Yassine Chikhaoui (r.) führt Tunesien als Captain zum Afrika-Cup in Äquatorialguinea (ab 17. Januar).

Keystone/Ennio Leanza
Sein Klubkollege und Landsmann Amine Chermiti geht ebenfalls für die Nordafrikaner auf Torjagd.

Sein Klubkollege und Landsmann Amine Chermiti geht ebenfalls für die Nordafrikaner auf Torjagd.

Keystone/urs Flueeler
Der dritte FCZler am Turnier ist Franck Etoundi, allerdings stürmt er für Kamerun.

Der dritte FCZler am Turnier ist Franck Etoundi, allerdings stürmt er für Kamerun.

Keystone/Jean-christophe Bott

Yassine Chikhaoui kann keinen Favoriten für den Afrika-Cup nennen. Der Star des FC Zürich und Captain der tunesischen Nationalmannschaft steigt am Sonntag gegen die Kapverden in das Kontinentalturnier: «In Afrika weisst du nie, wer gewinnt. Das macht den Cup so spannend.» Zur Ausgangslage mit vielen Fragezeichen trägt bei, dass sich weder Rekordsieger Ägypten noch Titelverteidiger Nigeria qualifizieren konnten.

«Es gibt in Afrika keine alles überragende Mannschaft», sagt Chikhaoui, «allenfalls Algerien, das eine sehr gute WM gespielt hat.» Das Niveau sei sehr ausgeglichen: «Wenn Sie die Startaufstellungen der Mannschaften anschauen, werden Sie in jedem Team acht Spieler finden, die in Europa spielen. Das führt zu einer Angleichung.»

Sieben «Schweizer» in Äquatorialguinea

Aus der Schweiz nehmen sieben Spieler am Turnier in Äquatorialguinea teil, drei davon sind beim FC Zürich unter Vertrag: Yassine Chikhaoui, Amine Chermiti (Tunesien) und Franck Etoundi (Kamerun). Dazu kommen Geoffroy Serey Die (Elfenbeinküste/FC Basel), Moussa Konaté (Senegal/FC Sion), Igor Nganga (Kongo/FC Aarau) und Chris Malonga (Kongo, von Challenge-League-Klub Lausanne-Sport).

Das Ziel für seine Tunesier, die sich ohne Niederlage qualifizierten, formuliert Chikhaoui vorsichtig: «Wir haben in der Qualifikation gut gespielt, jetzt müssen wir daran anknüpfen. Wir wollen die Gruppe überstehen und dann Spiel für Spiel nehmen.» Der 28-Jährige zeichnet Parallelen zwischen der tunesischen Nationalmannschaft und dem FC Zürich: «Es ist ähnlich wie beim FCZ. Wir haben viele junge Talente, es wächst eine neue Generation heran.»

Keine Angst vor Ebola

Dass diese Generation den 30. Afrika-Cup in Äquatorialguinea bestreitet, war so nicht geplant. Ursprünglich hätte die Kontinental-Meisterschaft vom 17. Januar bis 8. Februar in Marokko stattfinden sollen. Doch das Königreich blies die Austragung kurzfristig ab – aus Angst vor der in Westafrika grassierenden Ebola-Epidemie.

Die Regierung in Äquatorialguinea hält das Risiko, dass der Afrika-Cup die Verbreitung von Ebola begünstigt, für gering. Gesundheitsexperten teilen diese Einschätzung, denn das Virus wird nicht über die Luft übertragen. Und von den drei am stärksten von Ebola betroffenen Ländern Sierra Leone, Guinea und Liberia hat sich nur Guinea qualifiziert.

Hohes Pro-Kopf-Einkommen, hohe Armutsquote

Problematisch ist die Verlegung nach Äquatorialguinea trotzdem. Sie gibt einem der brutalsten Diktaturen des Kontinents die Gelegenheit, sich als Retter des Sports aufzuspielen. Das kleine Land in Westafrika mit seinen geschätzten 700'000 Einwohnern ist ungefähr so gross wie die Deutschschweiz. Dank Öl- und Gasförderung ist es mit einem Pro-Kopf-Einkommen von mehr als 20'000 US-Dollar das reichste Land des Kontinents. Im krassen Gegensatz dazu steht es im Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen: Dort belegt Äquatorialguinea nur Platz 136 unter 187 untersuchten Ländern. Von den munter sprudelnden Petro-Dollars profitiert lediglich eine kleine Oberschicht.

Seit seinem Militärputsch im Jahr 1979 hält der autoritäre Präsident Teodoro Obiang das Land in seinem eisernen Griff. Bei den letzten Wahlen 2009 erreichte der Kleptokrat 95,4 Prozent der Stimmen. Er gilt als eines der reichsten Staatsoberhäupter der Welt.

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