27.09.2015 19:30

Fund in BrasilienIn Amerika rollten schon vor 9000 Jahren Köpfe

In Südamerika haben Forscher einen 9000 Jahre alten Schädel gefunden. Vor dem Gesicht sind Hände drapiert. Das lässt auf ein Ritual schliessen.

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Der Fund eines 9000 Jahre alten Schädels zeigt: Rituelle Bestattungen gab es schon viel früher als bis anhin gedacht.

Der Fund eines 9000 Jahre alten Schädels zeigt: Rituelle Bestattungen gab es schon viel früher als bis anhin gedacht.

MPI/Danilo Bernardo
Entdeckt wurde der Schädel in der Ausgrabungsstätte Lapo do Santo im östlichen Zentralbrasilien.

Entdeckt wurde der Schädel in der Ausgrabungsstätte Lapo do Santo im östlichen Zentralbrasilien.

MPI/Andersen Lyrio
Dass der Fund etwas ganz Besonderes ist, zeigte die Anordnung der Hände vor dem Gesicht: Während die rechte Hand die linke Gesichtshälfte mit zum Kinn zeigenden Fingern bedeckte, war die linke Hand genau entgegengesetzt drapiert. Weiter erkannten die Forscher zudem noch v-förmige Schnittspuren am Kiefer.

Dass der Fund etwas ganz Besonderes ist, zeigte die Anordnung der Hände vor dem Gesicht: Während die rechte Hand die linke Gesichtshälfte mit zum Kinn zeigenden Fingern bedeckte, war die linke Hand genau entgegengesetzt drapiert. Weiter erkannten die Forscher zudem noch v-förmige Schnittspuren am Kiefer.

MPI/Gil Tokyo

Bislang war man davon ausgegangen, dass rituelle Bestattungen erstmals vor 3000 Jahren in den Anden stattgefunden haben. Doch offenbar sind solche Zeremonien deutlich älter, wie deutsche Forscher im Fachjournal «PLOS One» berichten.

Demnach hat das Team um André Strauss vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Brasilien einen einzelnen, 9000 Jahre alten Schädel eines Mannes entdeckt, vor dem vor der Bestattung Hände drapiert worden sind. Das, so die Forscher, deute darauf hin, dass er aus rituellen Gründen enthauptet worden sei.

Freund, nicht Feind

Entdeckt haben Strauss und seine Kollegen den Schädel in Lapo do Santo im östlichen Zentralbrasilien. Dass der Fund etwas ganz Besonderes ist, zeigte die Anordnung von amputierten Händen vor dem Gesicht: Während die rechte Hand die linke Gesichtshälfte mit zum Kinn zeigenden Fingern bedeckte, war die linke Hand genau entgegengesetzt drapiert (siehe Bildstrecke).

Bei weiteren Untersuchungen erkannten die Forscher zudem noch v-förmige Schnittspuren am Kiefer und Hinweise darauf, dass das Gewebe damals mit kleinen Steinblättchen entfernt worden war.

Das alles lässt laut Strauss auf ein komplexes Bestattungsritual schliessen, das mit einer Manipulation des Körpers einherging. Hinzu kommt: «Die chemische Analyse von Strontium-Isotopen an den Knochen ergab, dass es sich bei dem enthaupteten Mann um ein Mitglied der Gemeinschaft handelte und nicht um einen besiegten Feind», zitiert das Institut den ebenfalls an der Studie beteiligten Anthropologen Domingo Carlos Salazar-Gárcia.

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