Aktualisiert 23.01.2008 12:42

In Arztpraxis mit Aids angesteckt?

In Frankreich ist einer der grössten je dagewesenen Medizinskandale aufgedeckt worden: Rund 6800 Patienten wurden in den vergangenen Jahren in Praxen untersucht, in denen grundlegende Hygienestandards nicht eingehalten wurden.

Das bestätigte das Gesundheitsministerium am Mittwoch. Die fünf betroffenen Praxen gehören einem belgischen Radiologen.

Die Zeitschrift «L'Express» hatte zuvor im Internet berichtet, die Mitarbeiter der Praxen hätten vor Ultraschalluntersuchungen die Geräte nicht desinfiziert. Es bestehe daher die Gefahr, dass Aids oder Hepatitis auf Patienten übertragen worden sei. Ausserdem habe der Arzt möglicherweise falsche Brustkrebsdiagnosen gestellt, weil er dafür keine Zulassung gehabt habe.

Das Gesundheitsministerium werde einen Teil der rund 6800 Patienten anschreiben, die sich in den vergangenen drei Jahren in den radiologischen Praxen untersuchen liessen, sagte die Sprecherin der Nachrichtenagentur AFP. Sie sollten zu einer Kontrolluntersuchung gebeten werden.

«Schwere Störungen»

Bei Praxiskontrollen im Dezember hätten die Aufsichtsbehörden «schwere Störungen» festgestellt. Die Praxen in den Verwaltungsbezirken Nord und Aisne seien daraufhin geschlossen worden. Gutachter sollten kommende Woche mitteilen, wie gross das Ansteckungsrisiko für die Patienten war.

Obendrein bestehe auch die Gefahr, dass Patienten und Mitarbeiter bei den Röntgenuntersuchungen Strahlenschäden erlitten hätten, hiess es im Ministerium. Das Personal sei teilweise nicht richtig ausgebildet gewesen, und Geräte seien nicht fachgerecht gewartet worden. Der «Express» sprach von einem «Hygienefiasko».

(sda)

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