08.07.2020 17:33

Dragqueen

«In Basel spuckt man mir vor die Füsse, in Zürich ins Gesicht»

Jouko (29) ist im Alltag ein «ganz normaler schwuler Mann». In seiner Freizeit verwandelt er sich in die 39-jährige Odette Hella’Grand. 20 Minuten hat mit der Dragqueen gesprochen.

von
Andrea Burri, Helena Müller, Julia Ullrich

Odette Hella’Grand (39) erzählt aus ihrem Leben.

Video: Helena Müller

«Ich habe eigentlich nicht die Intention, eine Frau zu sein, ausser ich stehe auf der Bühne oder werde dafür bezahlt», sagt Jouko lachend. Der 29-Jährige ist seit mehreren Jahren schweizweit als Dragqueen tätig. Die Reaktionen auf seinen Lifestyle sind unterschiedlich: «In Basel spucken sie dir vor die Füsse, in Zürich ins Gesicht. Das ist mir auch schon in der Langstrasse passiert.» Als Dragqueen hat Odette Hella’Grand (39) Freude an den Reaktionen der Kinder. Diese würden ohne Vorurteile auf sie zukommen und fragen, ob Odette nun ein Mann oder eine Frau sei. «Ich antworte darauf jeweils, dass ich ein Mann mit viel Make-up und falschen Haaren bin. Darauf folgt meist ein ‹Ah okay›, und alles ist gut.»

Warum Jouko ins Drag-Business eingestiegen ist und wie es ist, diese Leidenschaft frei auszuleben, sehen Sie oben im Video.

Was ist eine Dragqueen?

Eine Dragqueen ist ein Mann, der in humoristischer oder künstlerischer Absicht eine Frau darstellt. Dabei benutzt er häufig Frauenkleider wie High Heels oder Röcke, Make-up und Perücken.

Ist Transvestit gleich Dragqueen? Nein. Während ein Transvestit in mehrere Frauenrollen schlüpft und meist berühmte Frauen imitiert, hat die Dragqueen eine eigens auf die Person zugeschnittene Rolle, zumeist auch mit eigenem Drag-Namen.

Sehen sich diese Männer als Frauen?

Nicht zwangsläufig. Es gibt sowohl bei Transvestiten als auch bei Dragqueens Männer, die nur zeitweise in die Rolle einer Frau schlüpfen. Das heisst allerdings nicht, dass sich deren psychologische Geschlechtsidentität von dem biologischen Geschlecht unterscheidet.

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