Aktualisiert 09.12.2008 13:48

BypassIn Basel wird es eng auf den Bahngeleisen

Im Raum Basel sind zwar bis zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels kaum Engpässe im Bahnverkehr zu erwarten, und der umstrittene «Bypass» am Hochrhein scheint derzeit nicht nötig. Probleme drohen gemäss einer trinationalen Planung aber später.

Die Verkehrsministerien Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz haben 2003 den Ausschuss «Trinationale Langfristplanung Basel» (TLB) eingesetzt. Klären sollte dieser, ob angesichts erwarteter Verkehrszunahmen mehr Schienenkapazitäten im Raum Basel nötig sind. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) legte am Dienstag in Basel die Ergebnisse vor.

Beleuchtet wurde ein Zeitraum von 25 Jahren. Dabei befanden die Planer, dass in Deutschland und Frankreich der Mehrverkehr mit schon laufenden Ausbauten bewältigt werden kann: mit dem Ausbau der deutschen Rheintalbahn am Oberrhein auf vier Spuren sowie Ausbauten und Betriebsmassnahmen im Elsass; vertieft überprüft werden soll unter anderem noch die Linie Mülhausen-Basel.

In der Schweiz sollten derweil die Kapazitäten noch bis 2015 oder auch bis zur Inbetriebnahme des neuen Gotthardtunnels 2017 reichen; doch gehe dies nur mit Betriebseinschränkungen. Bis 2030 könne dann der Verkehr ohne weiteren Infrastrukturausbau nicht mehr bewältigt werden. Als Beispiel erwähnt wird der Wisenbergtunnel.

Vorerst brauche es somit keine länderübergreifenden Massnahmen, folgern die Planer: «nach heutigem Kenntnisstand» bestehe «kein unmittelbarer Bedarf» nach einem «Bypass» am Hochrhein im Osten von Basel. Die neue Rheinquerung für den Güterverkehr wird seit Jahren diskutiert, ist im betroffenen Gebiet aber stark umstritten.

Längerfristig würden jedoch die Belastungsgrenzen des Schienenetzes bei Basel, wo sich die Nord-Süd-Verkehrsströme in dicht besiedeltem Gebiet bündeln, erreicht. Nicht eindeutig beantwortet werden könne daher die Frage nach der künftigen Notwendigkeit eines «Bypass»: Noch seien «zu viele Fragen offen».

S-Bahn-Ausbau und Alpen-Verkehr

Dabei geht die Untersuchung von einem Ausbau der Basler Regio-S- Bahn aus, da im Gebiet im Personennahverkehr grosser Bedarf bestehe. Auf den Alpentransversalen Mont Cenis, Lötschberg-Simplon, Gotthard und Brenner erwartet sie zudem bis 2030 einen starken Anstieg von 75 Prozent im Personen- und 70 Prozent im Güterverkehr.

Wann aber die Belastungsgrenzen bei Basel überschritten würden, hänge von mehreren Faktoren ab, so etwa von der Realisierung der Neubaustrecke Lyon-Turin und des Brenner-Basistunnels. Die drei Verkehrsministerien wollen die nächsten fünf bis sieben Jahre die Entwicklung weiter beobachten und dann über eine Wiederaufnahme der TLB entscheiden.

SBB und Deutsche Bahn (DB) hatten seit 2002 einen «Bypass» am Hochrhein geprüft. Experten im Auftrag der beiden Basel, des Aargau und der deutschen Regionen an Hoch- und Oberrhein empfahlen indes 2004 einen dritten Jura-Durchstich und eine zweite Bahnbrücke in Basel. Im TLB-Ausschuss waren nun auch die Bahnen sowie die Nordwestschweiz, Baden-Württemberg und das Elsass vertreten.

(sda)

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