28.06.2020 12:48

Auch ohne Symptome

In Bayern soll sich jeder testen lassen können

Bayern will die Corona-Tests massiv ausweiten. Ein Schwerpunkt der Tests soll auf Schlachthöfen und Fleischverarbeitungsbetrieben liegen.

von
Thomas Mathis
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Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) will, dass die Bayern Gewissheit über ihren Gesundheitszustand haben.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) will, dass die Bayern Gewissheit über ihren Gesundheitszustand haben.

KEYSTONE
«Allen Bürgerinnen und Bürgern von Bayern wird zeitnah angeboten, sich bei einem niedergelassenen Vertragsarzt auch ohne Symptome testen zu lassen», so Huml. (Symbolbild)

«Allen Bürgerinnen und Bürgern von Bayern wird zeitnah angeboten, sich bei einem niedergelassenen Vertragsarzt auch ohne Symptome testen zu lassen», so Huml. (Symbolbild)

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 Ziel sei es laut dem Bericht, grössere Ausbrüche wie etwa in der Fleischfabrik Tönnies in Gütersloh zu verhindern.

Ziel sei es laut dem Bericht, grössere Ausbrüche wie etwa in der Fleischfabrik Tönnies in Gütersloh zu verhindern.

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Darum gehts

  • In Bayern sollen alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben, einen Corona-Test zu machen.
  • Die Testkapazitäten sollen dafür massiv ausgeweitet werden.
  • Ziel ist es, grössere Ausbrüche wie etwa in Gütersloh zu verhindern.

Eine «Corona-Testoffensive» kündigte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Sonntag in München an. Künftig soll sich jeder auf das Coronavirus testen lassen können – auch ohne Symptome, wie «Stern» berichtet. Huml: «Allen Bürgerinnen und Bürgern von Bayern wird zeitnah angeboten, sich bei einem niedergelassenen Vertragsarzt auch ohne Symptome testen zu lassen.» Alle Personen sollen Gewissheit darüber erhalten, ob sie sich infiziert haben.

Die Testkapazitäten sollen dafür massiv ausgeweitet werden. Vorrang sollen aber Menschen mit Verdacht auf eine Corona-Ansteckung haben.

Schwerpunkt auf Fleischbetriebe

Ein Schwerpunkt der Tests soll auf Schlachthöfen und Fleischverarbeitungsbetrieben liegen. Ziel sei es laut dem Bericht, grösseren Ausbruchsgeschehen wie etwa in Gütersloh vorzubeugen. Bei der Fleischfabrik Tönnies hatten sich über 1500 Mitarbeiter mit dem Virus infiziert.

In 33 weiteren ausgewählten Fleischbetrieben, darunter 9 Schlachthöfe, 12 Zerlegebetriebe und 12 Betriebe, die Fleisch- oder Wurstwaren herstellen, sollen die Mitarbeiter reihenweise getestet werden. «Dabei wollen wir auch herausfinden, ob die hohe körperliche Belastung oder die Arbeit bei ungünstigen Klimabedingungen mögliche weitere Risikofaktoren für eine Corona-Infektion darstellen», sagte Huml.

NRW verschärft Vorschriften

Auch Nordrhein-Westfalen verschärft nach dem Corona-Ausbruch bei Tönnies die Vorschriften für den Infektionsschutz in der Branche. Ab dem 1. Juli müssten die Beschäftigten in den Betrieben der Fleischindustrie künftig mindestens zweimal pro Woche auf das Coronavirus getestet werden, kündigte das Gesundheits- und Arbeitsministerium in Düsseldorf am Samstag an. Betroffen seien Schlachthöfe, Zerlegebetriebe und vorrangig fleischverarbeitende Betriebe mit mehr als 100 Beschäftigten, und zwar unabhängig davon, ob es sich um eigene Beschäftigte oder Werkvertragsnehmer handle. Die Betriebe würden zudem verpflichtet, die Namen und Wohn- beziehungsweise Aufenthaltsadressen sämtlicher Personen auf dem Betriebsgelände zu erheben und für vier Wochen aufzubewahren, um sie gegebenenfalls den Behörden verfügbar machen zu können.

«Die Vorfälle in Coesfeld und Gütersloh zeigen: Offenbar kann sich das Virus unter den Bedingungen eines Schlachthofs beziehungsweise eines fleischverarbeitenden Betriebs besonders gut verbreiten», erklärte Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. «Darum wollen wir den Infektionsschutz noch einmal deutlich stärken.» Das frühzeitige Erkennen von Infektionen sei ein zentraler Schlüssel dazu. Für die Kontaktpersonennachverfolgung sei es zudem zwingend notwendig, die aktuellen Kontaktdaten der Menschen zu haben, die sich auf dem Betriebsgelände aufgehalten haben. «Es kann nicht sein, dass bei einem Ausbruchsgeschehen die Behörden vor Ort tagelang diesen Daten hinterherlaufen müssen.»

(REUTERS)

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