Nationalrat: «In Bern wäre Accola für die SVP ein Risiko»
Aktualisiert

Nationalrat«In Bern wäre Accola für die SVP ein Risiko»

Hinter der Nationalratskandidatur von Paul Accola steckt auch Polittaktik. Dank einer Listenverbindung könnte er anderen SVP-Kandidaten zur Wahl verhelfen.

von
Antonio Fumagalli
Hier möchte Paul Accola Einsitz nehmen: Der Nationalratssaal im Bundeshaus.

Hier möchte Paul Accola Einsitz nehmen: Der Nationalratssaal im Bundeshaus.

Die politischen Ambitionen von Ex-Skiprofi Paul Accola geben schon seit geraumer Zeit zu reden, so mochte denn seine Ankündigung, im Herbst für die SVP in den Nationalrat einziehen zu wollen, kaum jemanden überraschen. Aufhorchen lässt vielmehr die Liste, auf welche sich Accola setzen lässt: Es handelt sich dabei nicht um eine der Hauptlisten der SVP Graubünden (siehe Infobox), sondern diejenige der lokalen SVP International.

SVP International? Trotz seinem fast 20-jährigen Bestehen hat der Verein, der statutarisch der Mutterpartei untergeordnet ist, bis anhin kaum für Schlagzeilen gesorgt. Vorstandsmitglied Roman Rauper gibt auf Anfrage denn auch unumwunden zu, dass die Kandidatur Accolas eine «schöne Gelegenheit» sei, die Anliegen der Sektion einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. So hat sie sich «die Förderung der Interessen von Schweizerbürgern, die sich im Ausland befinden» auf die Fahnen geschrieben. Kurz: Sie vertritt die Anliegen der Auslandschweizer, die das SVP-Gedankengut teilen.

«Skurrile Begründung»

Die Frage drängt sich allerdings auf, was Paul Accola damit zu tun hat: Als ehemaliger Skirennfahrer bewegte er sich naturgemäss oft im Ausland, lebte aber nie während längerer Zeit ausserhalb der Schweiz. So begründet die SVP International seinen Listenplatz denn auch mit Accolas Rolle als «Botschafter». Auf seinen Reisen habe er sich immer den Auslandschweizern gewidmet. «Eine reichlich skurrile Begründung», findet Politologe Georg Lutz von der Universität Lausanne, «da hätte man noch manchen Schweizer aufstellen können.»

Wahrscheinlicher sind wahltaktische Winkelzüge: Die vom Promi-Zugpferd Accola eingeheimsten Stimmen dürften letztlich den Hauptkandidaten der SVP Graubünden zu Gute kommen. Dies, weil die Auslandschweizer-Liste kaum genügend Stimmen für einen Nationalratssitz auf sich vereinen dürfte – dank der Listenverbindung mit der SVP gehen diese aber dennoch nicht verloren. Vorsteher Rauper sagt denn auch: «Bei den Nationalratswahlen 2007 spielten wir im Kanton Schaffhausen das Zünglein an der Waage.»

BDP unter Druck

Funktioniert der Plan, wäre die BDP wohl die erste Leidtragende. Sie entsendet mit Brigitta Gadient und Hansjörg Hassler derzeit zwei Vertreter nach Bern. Ob deren beiden Sitze gehalten werden können, ist aber mehr als unsicher – insbesondere, da Gadient nicht zur Wiederwahl antritt. BDP-Kantonalpräsident Jon Domenic Parolini anerkennt die «geschickte Platzierung» Accolas auf der Auslandschweizer-Liste. Furcht habe er aber keine: «Ich glaube, dass das Stimmvolk Leute mit einem grösseren politischen Rucksack wählt.»

Auch Politologe Lutz glaubt nicht an einen Wahlerfolg des selbständigen Bauunternehmers. «Ein Nationalrat Accola wäre für die SVP ein politisches Risiko. Indem man ihn auf eine chancenlose Liste setzt, kann sie es minimieren – und dennoch von seinen Sympathiewerten profitieren.»

Die Bündner Listen der SVP

Die Bündner SVP steigt mit zwei Listen in den Wahlkampf ein. Heinz Brand, den Chef der Fremdenpolizei, hat die Parteileitung an die Spitze einer der Listen gesetzt. Die andere wird von Parteipräsident Jon Peider Lemm angeführt.

Gleich hinter Lemm ist mit Livio Zanolari ein zweiter Überraschungskandidat platziert. Der langjährige Mediensprecher mehrerer Bundesräte und ehemalige CVP-Grossrat wechselte erst vor einem Monat zur SVP. Heute erledigt der Kommunikationsfachmann unter anderem die Medienarbeit von alt Bundesrat Christoph Blocher.

Weitere bekannte Namen auf den Listen sind der ehemalige Churer Stadtpräsident Christian Aliesch, Bruder des Bündner alt Regierungsrats Peter Aliesch, und Parteisekretärin Valérie Favre Accola. Mit ihrer Kandidatur steht sie in Konkurrenz zu ihrem Ehemann, dem Ex-Skirennfahrer Paul Accola.

Ziel der Partei ist es, mindestens einen Sitz im Nationalrat zu gewinnen. Offen ist laut Parteichef Lemm, ob die Partei versuchen wird, ihren abtretenden Ständerat Christoffel Brändli zu ersetzen. (sda)

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