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PräsidentenwahlIn Chile deutet sich Rechtsruck an

Erstmals seit der Rückkehr Chiles zur Demokratie vor 19 Jahren haben die Konservativen mit ihrem Kandidaten Sebastián Piñera gute Chancen, wieder an die Macht zu kommen. Grosse Änderungen seien in Chile mit der Wahl aber nicht zu erwarten.

Bei der Präsidentenwahl am Sonntag ging der 60-jährige Milliardär als Favorit ins Rennen. Er lag in letzten Umfragen vor der Abstimmung deutlich vor dem Kandidaten der Linken, dem früheren Präsidenten Eduardo Frei.

Dass Piñera so gute Chance hat, liegt vor allem an der Zerstrittenheit der Linken. Die amtierende Präsidentin Michelle Bachelet hat zwar überragende Zustimmungswerte von 78 Prozent, aber die Linke konnte sich auf keinen gemeinsamen Kandidaten für ihre Nachfolge einigen. So treten jetzt drei Linke an, von denen keiner auch nur annähernd an die Popularität Bachelets herankommt, die gemäss der Verfassung nicht für eine zweite Amtszeit in Folge kandidieren kann.

Piñera, der an der grössten Fluggesellschaft Chiles, der populärsten Fussballmannschaft und dem führenden Fernsehsender des Landes beteiligt ist, schaffte es zudem, viele Wähler aus der politischen Mitte für sich zu gewinnen. «Piñera ist der gemässigteste Kandidat, den die Rechte je hatte», erklärt Patricio Navia, ein chilenischer Kommentator, der an der Universität von New York lehrt.

Grosse Änderungen seien in Chile mit der Wahl nicht zu erwarten, sagt Navia. «Die grosse Überraschung der Wahl ist eigentlich, dass alle Kandidaten eine ähnliche Politik wollen.» Auch Piñera wird bei einem Sieg vermutlich die bisherige Wirtschafts- und Finanzpolitik der regierenden Koalition fortführen und sich zum Beispiel auf den Kampf gegen die Korruption konzentrieren.

Dritter Anlauf zum Amt des Staatschefs

Piñera verlor die Präsidentenwahl 2006 gegen Bachelet, liegt seitdem aber in allen Umfragen vorne. Es ist seit dritter Anlauf für das Präsidentenamt. In der letzten Erhebung vom Mittwoch lag er bei 44 Prozent - unter der erforderlichen Mehrheit für einen Sieg in der ersten Runde. Frei kam in der Umfrage auf 31 Prozent. Weitere Kandidaten sind der Abgeordnete Marco Enriquez-Ominami, der auf 18 Prozent kommen könnte, und der linke Politiker Jorge Arrate, für den sich sieben Prozent aussprachen.

Unklar ist noch, ob sich die Linke bei einer möglichen Stichwahl am 17. Januar wieder neu formieren kann. Den bisherigen Umfragen zufolge würde Piñera aber auch da gegen Frei mit 49 Prozent zu 32 Prozent gewinnen. «Wir werden mit klaren Vorsprung gewinnen», zeigte sich Piñera zuversichtlich.

Piñera tritt an für die Allianz für den Wandel, die sich zusammensetzt aus der rechtsextremen Unabhängigen Demokratischen Union und der rechten Partei Nationale Erneuerung. Er gilt als atypisch für einen rechten chilenischen Politiker. So stimmte er 1988 für das Ende der Diktatur von General Augusto Pinochet. Auf diesen Umstand wies er auch im Wahlkampf immer wieder gerne hin. (dapd)

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