Kinostatistik: In Davos und Schaffhausen ist Kino am teuersten
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KinostatistikIn Davos und Schaffhausen ist Kino am teuersten

Am meisten kostet ein Kinoeintritt in Davos, am wenigsten im luzernischen Sursee. Die neuste Kinostatistik des Bundes zeigt auch: Insgesamt wurden letztes Jahr halb soviele Tickets verkauft wie 1955.

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dp

Um günstig ins Kino zu kommen, kann man sich die Reise mit der Zeitmaschine in die Vergangenheit sparen – als das Kinoticket 1969 in der Schweiz im Schnitt noch 3.40 Franken kostete. Es reicht eine Zugfahrt nach Sursee. In der Luzerner Gemeinde kostet der Eintritt nämlich gerade mal 9.10 Franken, so viel wie sonst nirgends in der Schweiz. Auch in Evolène VS (9.70 Franken), Disentis GR (10.50 Franken) oder Airolo TI (10.60 Franken) kommt man günstig weg. Das teuerste Kinovergnügen gibt es in Davos GR. Dort kostet ein Ticket 17.70 Franken.

Nicht viel tiefer sind die Preise in Schaffhausen (17.00 Franken), Bülach ZH und Rapperswil SG (16.90). Die Kinopreise in Zürich (16.30 Franken) und Bern (16.20) liegen leicht über dem durchschnittlichen Schweizer Kinopreis von 15.60. Das sind zehn Rappen mehr als 2011. Im Jahr 2000 kostete ein Kinoticket im Schnitt noch 13.40 Franken. Das zeigt die Kinostatistik des Bundesamtes für Statistik.

Kino-Aufführung im Gemeindesaal

Die regionalen Preisunterschiede erklärt der Präsident des Zürcher Kinoverbandes Thomas Berner mit den unterschiedlichen Strukturen: «In sogenannten Amateur-Kinos arbeiten freiwillige Arbeiter oft gratis. Ausserdem müssen gewisse Betreiber keine Miete bezahlen, weil die Vorstellungen im Gemeindesaal stattfinden.» Kommerziell betriebene Kinos seien da natürlich mit ganz anderen Kosten konfrontiert. Die Kino-Hochpreisinsel Davos will Berner nicht kommentieren: «Jedes Kino muss seine eigene Kalkulation machen.»

Doppelt soviele Eintritte im Jahr 1955

Letztes Jahr wurden 15'529'289 Eintritte in Schweizer Kinos verkauft. Das sind gerade mal halb soviel wie im Jahr 1955 (34 Millionen Eintritte), als Schweizer im Schnitt sieben Mal pro Jahr ins Kino gingen.

Die Anzahl der Kinositzplätze sank von über 230'000 im Jahr 1966 – als in den Kinosälen noch keine Polstersessel standen, sondern Holzbänke – auf 103'717. Dafür betrugen die Kinoeinnahmen 2012 mit 242,6 Millionen Franken mehr als doppelt soviel wie 1969 (113 Millionen Franken). «Früher war Kino ein Event und es gab keinen Fernseher. Heute gibt es halt viel mehr Ausgangsalternativen», sagt Berner.

Goldene Zeiten des Kinos nicht vorbei

Dass die goldenen Zeiten des Kinos aber vorbei sind, findet Berner nicht. Seit zehn Jahren seien die Besucherzahlen stabil. 2012 gab es in der Schweiz 278 Kinos – ohne die Open-Air-, Club oder Erotik-Kinos. Am meisten stehen in den Kantonen Bern (55) und in Zürich (38). Gar kein Kino gibt es in Appenzell Innerrhoden, je ein Kino steht in den Kantonen Uri, Nidwalden und Glarus.

Schweizermacher auf Platz eins

Der erfolgreichste Schweizer Film letztes Jahr war «More than Honey» von Markus Imhoof. Auf der Rangliste der 500 erfolgreichsten Schweizer Filme der Jahre 1976 bis 2012 rangiert er auf Platz 21. Spitzenplatz belegt der Kultfilm «Die Schweizermacher» von Rolf Lyssy (940508 Kinoeintritte), gefolgt von «Achtung, fertig, Charlie!» von Mike Eschmann (560514 Eintritte) und «Die Herbstzeitlosen »von Bettina Oberli (559518 Eintritte). Gab es 1915 gerade mal 13 Schweizer Kinofilme, waren es 2012 226 einheimische Produktionen. 15,8 % aller vorgeführter Filme waren 2012 Schweizer Filme.

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