BMW bringt mit M Mixed Reality die VR-Welt ins Auto

Das Auto bewegt sich in der Echt-Welt, der Rest ist virtuell: BMW M Mixed Reality zeigt, dass das bereits heute möglich ist.

Das Auto bewegt sich in der Echt-Welt, der Rest ist virtuell: BMW M Mixed Reality zeigt, dass das bereits heute möglich ist.

BMW
Publiziert

SelbstversuchMit der Virtual-Reality-Brille ab auf die Strasse – ein unglaubliches Erlebnis

Kann man sicher Auto fahren, während man sich optisch in einer Pixel-Welt befindet? Redaktor Dave Schneider wagt in einem BMW M2 den Selbstversuch.

von
Dave Schneider

Das Netz ist voll mit Videos von Leuten, die sich mit einer VR-Brille auf dem Kopf ins Desaster stürzen. Taucht man komplett in die virtuelle Realität ein, verlieren viele einen Teil der Körperkontrolle und rennen in Wände, taumeln in TV-Geräte oder fallen einfach so um wie ein gefällter Baum. Für den Zuschauenden ist das irre komisch, für den VR-Benutzenden wird es oft schmerzhaft – und teuer. Da fragt es sich, wie das gehen soll, wenn die Autoherstellenden dereinst die Autoscheiben als Monitore nutzen wollen – und das wollen sie, innen wie aussen. Ist es möglich, dass wir dann das Auto in einer Art Computer-Game steuern, während es sich in Wahrheit sicher durch den Strassenverkehr bewegt?

Auch BMW stellt sich diese Fragen und hat die hauseigene Sportabteilung M GmbH mit der Erforschung dieses Gebiets beauftragt, das die sinnvolle Einbindung von Augmented Reality (AR) respektive Virtual Reality (VR) für zukünftige Anwendungen umfasst. Ein erstes Resultat nennt sich «M Mixed Reality» und wurde in einen entsprechend umgerüsteten BMW M2 implementiert. In Zusammenarbeit mit Epic Games wurde damit ein Fahrzeug entwickelt, mit dem man in die virtuelle Realität eintauchen kann, während man sich optisch in der realen Welt bewegt.

Selbstversuch: Erstaunlich schnell gewöhnt man sich an das Fahren in der virtuellen Realität, weil jede Bewegung des Autos in die Pixel-Welt übertragen wird.  

Selbstversuch: Erstaunlich schnell gewöhnt man sich an das Fahren in der virtuellen Realität, weil jede Bewegung des Autos in die Pixel-Welt übertragen wird.  

BMW

Klingt verrückt und ist es auch – und der einzige Weg, das besser verstehen zu können, ist der Selbstversuch. Dazu steht der umgebaute M2 auf einem Testgelände bereit. Die lange und sehr breite Startbahn eines ehemaligen Luftwaffen-Flugplatzes ist ideal dafür. Also einsteigen, VR-Brille auf den Kopf geschnallt und den Vierpunktgurt festgezurrt – und schon wandelt sich ein Teil der Vorfreude in Nervosität um. Wie soll das nur gehen?

Langsam rollen wir auf die lange Piste, noch ist die VR-Brille auf «Durchsicht» gestellt, was sich aber bald ändern wird. Der BMW-Ingenieur auf dem Beifahrersitz, der natürlich keine VR-Brille trägt und für den Notfall ebenfalls einen Satz Pedale auf seiner Seite verbaut hat, drückt auf seinem Laptop herum – und plötzlich sind wir komplett in einer Computer-Welt. Auf der virtuellen Rennstrecke ist es Nacht, im Hintergrund sind beleuchtete Hochhäuser zu sehen. Doch keine Zeit für eine Erkundungstour, es geht direkt los. Eine Computerstimme erklärt, was nun zu tun ist: Die Strecke so schnell wie möglich absolvieren, dabei auftauchenden Hindernissen ausweichen und Münzen einsammeln, die einen Zeitbonus geben. Der Countdown ertönt, das virtuelle Starttor geht auf – und es geht los.

Die Zweifel verfliegen

Zunächst geht es in moderatem Tempo auf eine Einführungsrunde. Der Instruktor liefert einige kurze Anweisungen, doch eigentlich gehts auch ohne, an diese virtuelle Realität gewöhnt man sich erstaunlich schnell. Das liegt auch daran, weil alle Bewegungs- und Drehachsen des M2 vom System berücksichtigt werden. Auf der zweiten Runde sind die letzten Zweifel verflogen und wir geben Vollgas. Auf der Ideallinie durch die Kurve, Münzen einsammeln, einem sich schliessenden Tor ausweichen – wie beim Gamen kommt dabei schnell der Ehrgeiz auf, möglichst alles zu meistern und dabei möglichst schnell zu sein.

Auf der Ideallinie durch die Kurve, Münzen einsammeln, einem sich schliessenden Tor ausweichen – wie beim Gamen kommt dabei schnell Ehrgeiz auf.

Auf der Ideallinie durch die Kurve, Münzen einsammeln, einem sich schliessenden Tor ausweichen – wie beim Gamen kommt dabei schnell Ehrgeiz auf.

BMW

Wie schnell man sich an diese Art des Autofahrens gewöhnt, ist verblüffend und irgendwie auch erschreckend. Werden wir also bald den täglichen Strassenverkehr in Pixel-Form erleben? Darauf hat BMW auch noch keine konkrete Antwort – hier geht es erst einmal darum, aufzuzeigen, was bereits möglich ist. «Wer die Frage stellt, wie künftige virtuelle Erlebnisse im Automotive-Sektor aussehen können: Das ist die Antwort», sagt M-Chef Frank van Meel. «Dieses neue Gefühl müssen Menschen erleben und fühlen können – und wir bieten ihnen dafür mit M Mixed Reality eine passende Lösung.» Im Autobereich kommt Mixed-Reality-Technik übrigens schon länger zum Einsatz: Wie BMW nutzen auch viele andere Hersteller Augmented Reality für die teamübergreifende Entwicklung von Fahrzeugen, Virtual Reality wird etwa bei der Planung von Produktionsabläufen genutzt. Und im Auto gibt es bereits Head-up-Displays, die Navigationshinweise mittels Augmented Reality einblenden. Was wohl der nächste Schritt sein wird?

Ein umgebauter BMW M2 dient als Versuchsträger der Mixed-Reality-Technologie.

Ein umgebauter BMW M2 dient als Versuchsträger der Mixed-Reality-Technologie.

BMW
Auf der Mittelkonsole verarbeitet ein Tracking-System die Daten der VR-Brille. Diese kombiniert ein Gaming-Computer mit den Fahrdaten des Autos.

Auf der Mittelkonsole verarbeitet ein Tracking-System die Daten der VR-Brille. Diese kombiniert ein Gaming-Computer mit den Fahrdaten des Autos.

BMW
Im Vierpunktgurt festzurren, VR-Brille auf – und schon kann die Spritztour in die virtuelle Welt losgehen. 

Im Vierpunktgurt festzurren, VR-Brille auf – und schon kann die Spritztour in die virtuelle Welt losgehen. 

BMW

Deine Meinung

50 Kommentare