Aktualisiert 01.09.2013 16:27

Statt ins Tattoo-StudioIn den Ferien spontan zur Schönheits-OP

Von Botox bis zur Brustvergrösserung: Viele Frauen lassen sich in den Ferien spontan «verschönern». Wegen teils üblen Resultaten suchen sie Hilfe bei Schweizer Ärzten.

von
Nina Jecker
Botox und Filler werden an Feriendestinationen immer häufiger "to go" angeboten.

Botox und Filler werden an Feriendestinationen immer häufiger "to go" angeboten.

Keystone/AP/Ricardo Moraes

Strahlend schön aus den Ferien zurückkommen – diesem Ziel kann man heute in vielen Reisedestinationen nachhelfen. Eine Spritze hier, eine Injektion da, und schon sieht die Urlauberin Jahre jünger aus. Botox und Filler «to go» – also spontan und ohne Termin – gibts in Spanien, der Türkei, Asien, und Südamerika mittlerweile an jeder Ecke. Auch Fettabsaugungen und Liftings sind in Walk-in-Kliniken ohne vorherige Anmeldung zu haben.

«Wo sich junge Mädchen früher in den Ferien ein Tattoo haben stechen lassen, werden heute ihre Lippen aufgespritzt», weiss der Arzt Philippe Snozzi von Smoothline, eine auf Filler und Botulinumtoxin spezialisierte Praxis in Zürich. Häufig müssen die Feriengäste für eine Behandlung nicht einmal ihr Hotel verlassen. «Seit zwei Jahren erhalten wir laufend Anfragen, in Hotels im Ausland solche Praxen einzurichten», sagt Stephan Hägeli von der Acredis Gruppe von Schweizer Spezialzentren für Ästhetische Medizin.

«Dann hat man den Makel ein Leben lang»

Das «Souvenir» kann jedoch schnell zur Katastrophe werden. Der Praxisklinik Urania in Zürich rennen derzeit Ferienrückkehrerinnen die Türen ein. «Jede fünfte Patientin kommt momentan wegen einer Behandlung, die im Ausland schief gegangen ist», heisst es auf Anfrage. Dasselbe erlebt Andreas Tschopp von der Berner Klinik im Spiegel: «Mittlerweile kommen immer wieder Leute, die in einer Walk-in-Klinik spontan etwas haben machen lassen.» Dem Chirurgen ist dieser Trend ein Dorn im Auge: «Wir müssen dann die Komplikationen behandeln, die woanders verursacht wurden», so Tschopp.

Bereits kleine Eingriffe können fatale Folgen haben. «Wenn Filler oder Botox unsachgemäss verwendet oder problematische Produkte eingesetzt werden, drohen ästhetische, aber auch gesundheitliche Schäden», sagt Hägeli von Acredis. In Asien und Südamerika sowie einigen osteuropäischen Staaten wird noch immer das in Westeuropa verbotene Silikonöl genommen, um Falten weg- oder Lippen aufzuspritzen. «Das Material baut sich nicht ab. Wenn etwas schief läuft, hat man den Makel ein Leben lang.» Es kann zu schweren Entzündungen kommen, die aufwändige Operationen nötig machen.

Wer auf das lähmende Gift Botulinumtoxin setzt, dem drohen bei Komplikationen hängende Augenlider, schiefe Gesichtszüge oder Schluckstörungen. «Nach einigen Monaten flaut die Wirkung aber ab» sagt Christophe Christ von der Clinic Utoquai.

Chirurg saugte Urlauberin ganzen Po weg

Bei den Spritzen machen einige Schweizerinnen lange nicht Halt. «Immer mehr Leute entscheiden sich in den Ferien spontan zu grösseren Eingriffen wie einer Fettabsaugung», sagt Hägeli von Acredis, wohin die Patientenorganisation SPO solche Schadenfälle weiterleitet. Zwischen 20 bis 30 im Ausland verpfuschte Absaugungen verzeichne man im Jahr. Er kenne einen Fall, bei dem einer Frau fast der ganze Hintern entfernt wurde. «Sie kann heute höchstens noch 15 Minuten ohne Schmerzen auf einem Stuhl sitzen», so Hägeli.

Im Prevention Center in Zürich und Zug, wo Nachkontrollen für im Ausland Behandelte angeboten werden, sind auch schon junge Frauen gelandet, die sich spontan Brustimplantate einsetzen liessen. Immer wieder hat so etwas schmerzhafte und teure Folgen: «Bei jeder fünften in den Ferien operierten Frau muss ich nachbessern», sagt Klinikleiter Christian Köhler.

Komplett von OPs und Spritzen in Ferienländern abraten, wollen die meisten Schweizer Mediziner nicht. «Es gibt auch andernorts fähige Ärzte», so Christ. Hyigiene, Sprachbarrieren und fehlende Nachsorge könnten aber einen Eingriff zum Horrorerlebnis machen – «selbst wenn alles gut läuft.»

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