Personalmangel: In den Sommerferien droht an Schweizer Flughäfen Chaos
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PersonalmangelIn den Sommerferien droht an Schweizer Flughäfen Chaos

An Schweizer Flughäfen könnte es in den Sommerferien laut Experten zu Ausfällen und langen Wartezeiten kommen. Die Branche wehrt sich gegen den Vorwurf, zu wenig Personal eingestellt und zu viele Flüge verkauft zu haben.

von
Lisa Horrer
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Zu Beginn der Sommerferien steigt das Passagieraufkommen. Flugreisende müssen mehr Zeit einplanen und brauchen viel Geduld.

Zu Beginn der Sommerferien steigt das Passagieraufkommen. Flugreisende müssen mehr Zeit einplanen und brauchen viel Geduld.

REUTERS
Dieses Jahr in den Sommerferien könnte es etwas mehr Zeit brauchen, bis Passagiere und Passagierinnen im Flugzeug Platz nehmen können. 

Dieses Jahr in den Sommerferien könnte es etwas mehr Zeit brauchen, bis Passagiere und Passagierinnen im Flugzeug Platz nehmen können. 

20min/Celia Nogler
Eine Panne bei der Skyguide sorgte kürzlich am Flughafen Zürich für zahlreiche Flugausfälle. 

Eine Panne bei der Skyguide sorgte kürzlich am Flughafen Zürich für zahlreiche Flugausfälle. 

Ela Çelik

Darum gehts 

Nach zwei Pandemiejahren ist die Freude auf die Sommerferien gross. Doch das Chaos an manchen europäischen Flughäfen und stundenlanges Anstehen trüben die Vorfreude. Zuletzt flossen bei einigen Passagieren und Passagierinnen am Flughafen in Amsterdam Tränen und es kam fast zu einer Schlägerei.

Auch die Swiss musste bereits Flüge streichen, weil die Airline während Corona ungeimpfte Piloten und Pilotinnen und Flight-Attendants entlassen hatte. Das erste Sommerferien-Wochenende droht auch hier chaotisch zu werden, sagt Andreas Wittmer, Leiter des Aviatik-Kompetenzzentrums an der Universität St. Gallen: «Dieses Jahr ist die Situation verschärft, weil es Personalmangel bei Handling-Firmen am Flughafen gibt. Nicht alle Check-ins haben geöffnet und das Gepäck kann teilweise nicht abgefertigt werden.»

«Die Flugbranche hat sich verschätzt»

Das Passagieraufkommen ist laut Wittmer zwar geringer als vor der Pandemie. «Doch der Personalmangel, überlastete Lufträume sowie eine höhere Nachfrage als erwartet verstärken die Probleme in der Fliegerei.» Es sei nicht möglich, innerhalb kurzer Zeit den Flugbetrieb auf das Vor-Corona-Level hochzufahren. «Die Flugbranche hat sich verschätzt und zu viele Flüge verkauft. Das Angebot ist höher als bewältigt werden kann», so Wittmer. Trotzdem werde es in der Schweiz wohl nicht zu Zuständen wie in Amsterdam kommen.

Den Personalmangel bekommen nun die Mitarbeitenden in der Aviatik zu spüren, sagt Stefan Brülisauer, Regionalsekretär beim Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) in der Sektion Luftverkehr: «Die Mitarbeitenden sind zwar regelmässig am Anschlag im Sommer, aber dieses Jahr ist es noch viel schlimmer.» Viele hätten die Branche verlassen und seien nicht zurückgekehrt. Die hohe Belastung verschärfe das Problem zusätzlich: «Sie führt dazu, dass weitere Mitarbeitende krank werden – ein Teufelskreis.»

«Das Hochfahren der ganzen Flugbranche geht nicht ohne Störungen»

Die erwarteten Passagiermassen lassen sich in diesen Sommerferien nicht mehr abfangen, sagt Brülisauer. Einerseits dauere es, bis neues Personal rekrutiert und eingestellt werden könne. Andererseits seien neue Mitarbeitende nicht unmittelbar einsatzbereit, da sie erst eingearbeitet und ausgebildet werden müssten.

Bis das ganze System, die Flugbranche, wieder «hochgefahren» und auf dem Level wie vor Corona sei, werde es noch dauern, sagt Christian Laesser, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule St. Gallen. «Die Akteure, also Flughäfen, Airlines, Energieversorgung und Ground Handlers sind voneinander abhängig. Das ‹Hochfahren von ihnen geht nicht ohne Störungen.»

Flughäfen und Swissport wehren sich

Swissport-Sprecherin Nathalie Berchtold wehrt sich indes gegen den Vorwurf des Personalmangels in der Schweiz. Die Firma erbringt für Fluggesellschaften weltweit Bodenabfertigungsleistungen wie die Abwicklung der Fluggäste oder des Fluggepäcks. Während der Pandemie habe das Unternehmen einen Einstellungsstopp veranlasst und Personal in Kurzarbeit geschickt. Im letzten halben Jahr seien jedoch wieder 850 Stellen in der Schweiz aufgebaut worden und Mitarbeitende aus der Kurzarbeit zurückgekehrt. Auch die beiden Flughäfen Zürich und Basel geben auf Anfrage bekannt, genügend Personal im Einsatz zu haben.

Stundenlange Wartezeiten aufgrund von Personalmangels könne Swissport ausschliessen, sagt Berchtold. Dennoch könne es an Spitzentagen zu Wartezeiten kommen. Daher empfehlen die Flughäfen den Passagieren, frühzeitig anzureisen, Corona-Tests am Vortag zu machen und das Gepäck richtig zu packen.

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