Tierquälerei auf Naturafarm-Hof? - «In den Ställen fanden wir mehrere tote, kranke und verletzte Hühner»
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Tierquälerei auf Naturafarm-Hof? «In den Ställen fanden wir mehrere tote, kranke und verletzte Hühner»

Am Samstag besetzten rund 50 Aktivisten eine als Naturafarm zertifizierte Geflügelfarm in Eptingen BL. Sie werfen den Hofbesitzern Tierquälerei vor. Einige der Aktivisten wurden abgeführt.

von
Gabriela Graber
Michelle Muff
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«Die Zustände sind schlimm»: Seit heute Morgen protestieren rund 50 Aktivisten auf einer Basler Hühnerfarm gegen dort anscheinend herrschende Missstände in der Tierhaltung. 

«Die Zustände sind schlimm»: Seit heute Morgen protestieren rund 50 Aktivisten auf einer Basler Hühnerfarm gegen dort anscheinend herrschende Missstände in der Tierhaltung.

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«In den Ställen fanden wir mehrere tote, kranke und verletzte Hühner», erzählt Mila, die Sprecherin der Aktivisten-Gruppe. 

«In den Ställen fanden wir mehrere tote, kranke und verletzte Hühner», erzählt Mila, die Sprecherin der Aktivisten-Gruppe.

Der Legehennenbetrieb ist durch das Label «Coop Naturafarm» zertifiziert, eine Eigenmarke des Detailhändlers, die sich für Fleisch und Eier aus tierfreundlicher Freiland- und Auslaufhaltung einsetzt.

Der Legehennenbetrieb ist durch das Label «Coop Naturafarm» zertifiziert, eine Eigenmarke des Detailhändlers, die sich für Fleisch und Eier aus tierfreundlicher Freiland- und Auslaufhaltung einsetzt.

Darum gehts

  • Auf einem Basler Naturafarm-Hühnerhof haben sich rund 50 Aktivisten aus der ganzen Schweiz versammelt.

  • Sie wollen auf angeblich vorherrschende Missstände in der Tierhaltung aufmerksam machen.

  • Mehrmals sind die Aktivisten in die Ställe eingedrungen.

  • Am Nachmittag wurden mehrere Aktivisten abgeführt.

  • Daniel Würgler, Präsident von GalloSuisse, zeigt sich über das Vorgehen der Aktivisten überrascht.

«Es herrscht eine riesige Verbrauchertäuschung», sagt Mila*, eine von rund 50 Aktivisten und Aktivistinnen, die den ganzen Samstag vor einer Hühnerfarm in Eptingen BL demonstrierten. Die Tierschützer versuchten, die Ställe des Basler Grossbetriebes zu besetzen, um damit auf die Missstände in der Tierhaltung aufmerksam zu machen, die gemäss ihnen in dem Betrieb vorherrschen.

In dem durch Coop Naturafarm und GalloSwiss zertifizierten Legehennenbetrieb würden nämlich die von den jeweiligen Labels definierten Richtlinien nicht eingehalten. «In den Ställen gibt es mehrere tote, verletzte und kranke Tiere. Die Hühner haben wenig Platz und leben dicht aneinander gedrängt», so eine der Aktivistinnen gegenüber 20 Minuten.

Die Aktivisten sind in den Stall eingedrungen

Am Samstagmorgen ist die Gruppe unerlaubt in den Stall eingedrungen, hat die Hühner fotografiert und tote Tiere aus dem Stall entfernt. Danach besetzten die Aktivisten und Aktivistinnen, die gemäss Teilnehmern vor Ort aus der ganzen Schweiz und sogar aus Deutschland angereist sind, den Hof: «Die Stimmung ist friedlich, es wurden am Nachmittag aber einige Teilnehmer von der Polizei abgeführt», sagt eine Aktivistin.

Die Protestierenden warteten auf das Eintreffen von Daniel Würgler, Präsident der Vereinigung der Schweizer Eierproduzenten GalloSuisse, sowie der Kantonstierärztin. Würgler sollte ein öffentliches Statement zu den Zuständen auf der Farm abgeben. Zudem forderten die Aktivisten und Aktivistinnen den Zugang zu den Ställen, um dort rund 20 Tiere befreien zu können.

Nachdem mehrere Aktivisten unerlaubterweise in die Ställe eingedrungen sind, wurden mehrere von ihnen von der Polizei abgeführt.

«Die Missstände herrschen dort schon seit Langem», so Mila. Sie hätten nicht vor, den Platz widerstandslos zu verlassen, wie sie klarstellt: «Wir gehen erst, wenn unsere Forderungen erfüllt werden.» Gemäss Aussagen der Polizei verlief die Aktion friedlich und gewaltfrei. Rund sechs bis acht Personen blieben jedoch unbefugterweise in den Ställen und mussten durch Beamten abgeführt werden. Weiter hatten sich zwei Aktivisten vor dem Stalleingang an ein Auto gekettet – auch sie mussten durch die Polizei entfernt werden.

Besitzerin des Hofes streitet Vorwürfe ab

Familie A.*, die Besitzer des Hofes, weist die Vorwürfe zurück: «Wir haben 8000 Tiere. Es ist normal, dass manchmal einige davon sterben», sagt Frau A. zu 20 Minuten. Man könne auch nicht jeden Tag tote Tiere entsorgen. Diese würden deshalb tiefgefroren – und die Tierschützer hätten die toten Hühner aus dem Gefrierfach geholt.

«Die Anklagen sind allgemein, sie sind nicht direkt gegen uns gerichtet. Wir hatten einfach Pech, dass die Tierschützer bei uns gelandet sind», so A. Bauern aus der Umgebung hatten begonnen, sich mit der Familie zu solidarisieren: «Etwa 15 Bauern stehen vor dem Hof und verfolgen die Geschehnisse», berichtet eine 20-Minuten-Reporterin vor Ort.

Der Betrieb sei bislang nicht negativ aufgefallen

Daniel Würgler, Präsident von GalloSuisse, zeigt sich über das Vorgehen der Aktivisten überrascht und bedauert es: «Wir sind von dieser Gruppierung noch nie kontaktiert worden. GalloSuisse und die Schweizer Eierproduzenten sind seit Jahren offen für den Dialog und seit jeher zeigen wir unsere Ställe. Der Weg dieser Aktivisten ist der falsche.» Ihm sei nach einer Begutachtung des Betriebes nichts Bedenkliches aufgefallen: «Die Tiere werden hier sehr gut gehalten. Aus unserer Sicht können wir sagen, dass das Tierwohl gewährleistet wird.»

Marie-Louise Bienfait, Baselbieter Kantonstierärztin, sagt, dass der Betrieb bislang nicht negativ aufgefallen sei: «Auch die heute angetroffene Situation lässt keine Anzeichen erkennen, dass es sich um einen Problembetrieb handelt.» Die Beantwortung der von den Aktivisten aufgeworfenen Frage an der ethischen Vertretbarkeit der Nutztierhaltung an sich müsse jedoch an anderer Stelle beantwortet werden, so Bienfait: «Die Aufgabe des Veterinärdienstes ist es, die Mindestanforderungen der Tierschutzgesetzgebung zu überprüfen und, wo erforderlich, durchzusetzen.»

*Namen der Redaktion bekannt

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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