US-Wahlen: In den USA hat die Linke die Macht
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US-WahlenIn den USA hat die Linke die Macht

Wer zieht wirklich die Fäden in Washington – die Rüstungsindustrie, die Ölkonzerne oder die jüdische Lobby? Alles leere Verschwörungstheorien. Im Griff hat das Weisse Haus in Tat und Wahrheit eine unscheinbare Minderheit.

Es gibt viele Verschwörungstheorien, wer wirklich die Fäden der Weltmacht USA zieht. Doch in Tat und Wahrheit wären sowohl Pharma-Konzerne wie Rüstungsindustrie nur schon froh, sie hätten das Weisse Haus auch nur halb so fest im Griff wie die unscheinbare Minderheit der Linkshänder. Und daran wird sich auch so schnell nichts ändern.

Die Linkshänder stellten vier von sechs US-Präsidenten seit 1974: Gerald Ford, Ronald Reagan, George Bush und Bill Clinton. Und hätte das Oberste Gericht nach der Wahl 2000 nicht sehr umstritten dem Rechtshänder George W. Bush den Sieg zugesprochen, wäre mit Al Gore auch ein Linkshänder ins Weisse Haus eingezogen.

Aber gleichgültig, ob nun Barack Obama oder John McCain die Wahl 2008 gewinnt - erneut wird der künftige Präsident mit links regieren. Sowohl der 47 Jahre alte Demokrat als auch der 71 Jahre alte Republikaner bevorzugen bei grossen und kleinen Gesten ihre Linke.

Zehn bis 15 Prozent der US-Amerikaner gelten als Linkshänder - wieso aber schreiben dann so viele US-Spitzenpolitiker der Gegenwart mit der linken Hand?

Besser für die USA

Naive Naturen könnten meinen, dies sei ohne viel Bedeutung für das politische Schicksal der Supermacht; dem aber widersprechen Wissenschafter heftig - sie meinen meist, Linkshänder seien gut für die USA.

Der überproportional hohe Anteil von Linkshändern als Führer der Weltmacht sei «definitiv kein Zufall», betonte der Neurologe Daniel Geschwind von der Universität Los Angeles.

Linkshänder nutzten nämlich mehr als Rechtshänder beide Gehirnhälften, was ihnen erlaube, Probleme komplexer wahrzunehmen und besser zu visualisieren. Das erkläre auch, warum besonders viele Wissenschafter Linkshänder seien.

Besonders positiv wirke sich die stärkere Nutzung beider Gehirnhälften aus Sicht der Wissenschaft auf die Sprachfertigkeiten aus - Sprachgewalt und rhetorische Brillanz von Reagan, Clinton und Obama wären dafür ein Beleg.

Grössere Denkfähigkeiten

Eine Studie der Johns Hopkins Universität zeigt, dass Linkshänder unter den Hochschulabsolventen im Durchschnitt im Beruf mehr verdienten als die Masse der Rechtshänder.

«Sie haben einen grösseren Denk-Horizont», meinte auch der renommierte Biologe Amar Klar im TV-Sender ABC über Linkshänder. Ihre Gehirnhälften seien symmetrischer und weniger unterschiedlich. Klar verwies auf die besonders grosse Zahl von Nobelpreisträgern, Malern und Schriftstellern, die zu dieser Minorität gehörten.

Melissa Roth, Autorin eines Buches über die erstaunlichen Erfolge von Linkshändern, argumentiert, dass die Aussenseiter in einer auf Rechtshänder ausgerichteten Welt besondere Fähigkeiten entwickelten, um sich sozial und professionell durchzusetzen.

Mit rechts essen

Obama schreibt mit links, gestikuliert besonders gerne mit links und wirft auch den Basketball oft mit links in den Korb - allerdings ass er jüngst, wie die «Washington Post» aufmerksam vermerkte, die Pizza mit der rechten Hand.

Bricht da ein islamischer Hintergrund durch? fragten sofort hämisch Blogger, die dem Demokraten wenig wohl gesonnen sind. Denn wie auch in manch anderen Kulturen ist es in der islamischen Welt verpönt, mit der Linken zu essen. So wird im US-Wahlkampf auch die Linkshändigkeit irgendwie ein Thema. (sda)

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