10 bittere Wahrheiten: «In den USA wird eine Megablase platzen»
Aktualisiert

10 bittere Wahrheiten«In den USA wird eine Megablase platzen»

Die Verschuldung der USA ist weit schlimmer, als viele wahrhaben wollen. Für die Finanzanalystin Myret Zaki ist das Desaster programmiert.

von
Urs P. Gasche
infosperber.ch
Die Arbeitslosigkeit übersteigt zwanzig Prozent, wenn man die Langzeitarbeitslosen mitzählt.

Die Arbeitslosigkeit übersteigt zwanzig Prozent, wenn man die Langzeitarbeitslosen mitzählt.

Insgesamt zehn «alarmierende Wahrheiten» zur Verschuldung der USA zählt die renommierte Journalistin und Buchautorin Myret Zaki im Westschweizer Wirtschaftsmagazin «Bilan» auf. Es sind die Gründe, weshalb die amerikanische «Megablase» früher oder später platzen werde.

Die zehn Wahrheiten seien zum Teil schwierig zu verdauen, weil sie an Vorurteilen kratzten und Verdrängtes ans Licht bringen, sagt Zaki.

Das Modell des Wachstums hat in den USA ausgedient

Erste Wahrheit: Jeder sechste US-Amerikaner überlebt nur noch dank Nahrungsmittel-Gutscheinen und gratis offerierten Volkssuppen. Mehrere Dutzend Millionen US-Amerikaner werden ihr Haus bis 2013 verlieren, weil sie die Hypotheken nicht bedienen können.

Die Arbeitslosigkeit übersteigt zwanzig Prozent, wenn man die Langzeitarbeitslosen mitzählt, die es aufgegeben haben, eine bezahlte Stelle zu suchen. Alle diese Betroffenen leben praktisch ausserhalb der Konsum- und Spargesellschaft.

Der frühere Wirtschaftsberater von Bill Clinton, Peter Schiff, der die Technologie- und die Immobilienblase richtig vorausgesagt hatte, schätzt die wirkliche Inflation in den USA auf fast zehn Prozent, und nicht wie offiziell angegeben auf 3,6 Prozent.

Fazit: Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten sind verschuldet und verarmen. Der Konsum in den USA hat als weltweite Wachstumslokomotive ausgedient.

AA+ ist ein zu gutes Rating für die USA

Zweite Wahrheit: Seit dem 5. August sind die USA mit dem leicht herabgestuften Rating von AA+ offiziell weniger zahlungsfähig als Deutschland oder Frankreich. Doch sind die USA immer noch zu gut bewertet. Ein Staat mit einem AA+ sollte seine Schulden eines Tages mit einer stabilen Währung zurückzahlen können. Das trifft für die USA nicht zu.

Legt man die Abwertung des Dollars während der letzten dreissig Jahre zugrunde, bekommt man für eine dreissigjährige Staatsobligation – in Kaufkraft gemessen – nur noch dreissig Prozent des ursprünglichen Werts zurück.

Kommt erst noch dazu: Wer US-Staatspapiere mit einer Laufziet von dreissig Jahren kauft und damit das erwähnte grosse Abwertungsrisiko eingeht, erhält einen mageren Zins von nur 3,4 Prozent. Wer solche mit zehn Jahren Laufzeit kauft, bekommt sogar nur magere zwei Prozent Zins jährlich. Das ist weniger Zins als auf deutschen Staatsobligationen, obwohl Deutschland das höheres Rating AAA hat.

Selbst wenn man die offizielle Inflationsrate von 3,6 Prozent zugrunde legt, werfen amerikanische Staatsobligationen also angesichts der Inflation einen realen Negativzins ab. Man zahlt also noch eine Prämie dafür, dass man halbe Schrottpapiere kauft!

Fazit: Mit US-Staatsobligationen ist das Verlustrisiko am grössten.

Für Sparer auch auf lange Frist keine Zinsen

Dritte Wahrheit: Seit Januar 2009 zahlt die amerikanische Nationalbank keine Zinsen mehr: 0 Prozent. Sie hat versprochen, dies bis Mitte 2013 nicht zu ändern. Myret Zaki ist überzeugt, dass die US-Nationalbank die Zinsen noch weitere Jahre nicht erhöhen kann. Die Verschuldung von Bundesregierung, US-Gliedstaaten, Gemeinden, Unternehmen und Haushalten werde weiter steigen, was es ihnen noch schwieriger als heute macht, für diesen Schuldenberg Zinsen zu zahlen, ohne bankrott zu gehen.

Vierte Wahrheit: Die Schaffung fast unlimitierter Dollar vermindert den Wert der Dollar.

«Die US-Staatspapiere sind die Leerverkäufe des Jahrhunderts»

Fünfte Wahrheit: Die US-Notenbank FED kann zwar die Zinssätze manipulieren, doch auf die Zinsen (=Preise) für langfristige Staatsobligationen hat sie nur einen beschränkten Einfluss. Wenn China und andere Käufer die tiefen Zinssätze nicht mehr akzeptieren, werden die USA ihre Schuldscheine zu diesen tiefen Zinssätzen nicht mehr los. Doch nur ein einziges Prozent höhere Zinsen auf zehnjährigen Staatspapieren kostet die USA zusätzliche 140 Milliarden Dollar. Das wiederum verringert die Kreditwürdigkeit der USA zusätzlich. Eine Teufelsspirale beginnt sich zu drehen. «Darin liegt der Hauptgrund eines fast sicheren, voraussehbaren Crashs», erklärt Myret Zaki und zitiert Marc Faber, Autor des «Gloom, Boom & Doom Report»: «Die US-Staatspapiere sind die Leerverkäufe des Jahrhunderts».

Gold bleibt eine sichere Anlage

Sechste Wahrheit: Bei allem Auf und Ab wird der Goldpreis hoch bleiben. Denn die USA erhöhen die Geldschwemme und damit die Geldentwertung, und die Zinsen werden tief bleiben. In den Achtzigerjahren mussten die USA die Zinsen auf Rekordhöhen treiben, damit sich der Dollar aufwertet und der Goldpreis stark fiel. Heute können sich die USA hohe Zinsen gar nicht mehr leisten.

Siebte Wahrheit: Anstatt die Schulden abzubauen, haben sich in die USA sogar auch die Konsumkredite wieder erhöht.

Achte Wahrheit: Die Verschuldung wird Ende 2011 das US-Bruttoinlandprodukt übersteigen. In Europa haben einige Länder einschneidende Massnahmen zur Sanierung ihrer Budgets eingeleitet, während der Kongress in den USA weitgehend passiv bleibt.

Der Spekulation ausgeliefert

Neunte Wahrheit: Spekulative Leerverkäufe haben ein Rekordniveau erreicht. Vor allem amerikanische und britische Hedge-Funds haben zuerst gegen das kleine Griechenland und dann gegen weitere periphere EU-Länder spekuliert. Deutschland und Frankreich wollten Leerverkäufe in allen Industrieländern verbieten, doch namentlich die USA und Grossbritannien lehnten dies ab. In Grossbritannien haben drei Viertel der europäischen Hedge-Funds ihren Sitz. Die mit Japan am höchsten verschuldeten Länder USA und Grossbritannien «führen einen Finanzkrieg gegen Kontinentaleuropa», meint Zaki.

China kann am meisten verlieren und am meisten gewinnen

Zehnte Wahrheit: Die chinesische Nationalbank hält Währungsreserven im Wert von 3200 Milliarden Dollar, den grössten Teil davon effektiv in Dollar. China kann beim Fall des Dollars am meisten verlieren und ist deshalb interessiert daran, den Dollar als Reservewährung durch den Yuan zu ersetzen. Das könnte bereits in zehn Jahren gelingen, sagt Myret Zaki. Nach Prognosen des Weltwährungsfonds wird das Bruttoinlandprodukt Chinas dasjenige der USA ab dem Jahr 2016 übertreffen. Seit 2007 hat das BIP in China um 45 Prozent zugelegt, das in den USA um weniger als 1 Prozent.

Nach über hundert Jahren werden die USA den ersten Platz unter den Wirtschaftsmächten verlieren.

Die Autorin

Myret Zaki ist Vize-Chefredaktorin des Magazins «Bilan». Sie hat viel beachtete Bücher über die UBS-Krise und die Steuerflucht geschrieben.

Tipps für Anleger

Aus den zehn Wahrheiten zieht Myret Zaki Schlüsse für Anleger:

• Aktien von Firmen in Schwellenländern sowie in Skandinavien und in der Schweiz kaufen.

• Gold, Silber und Platin im Portefeuille behalten.

• Diamanten kaufen.

• Amerikanische Staatspapiere leer verkaufen.

• Keine Staatsobligationen der G7-Länder kaufen.

• In Währungen von rohstoffexportierenden Ländern investieren.

• Für Risikofreudige: Auf eine Aufwertung des Euro wetten. Ein Crash in den USA wird den Euro stärken.

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