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Österreicher blasen zum Angriff«In der Abfahrt schlagen wir zurück»

Beim Skispringen hat die Schweiz Erzfeind Österreich überflügelt, in der Abfahrt bietet sich unseren Nachbarn die Chance zur Revanche im Alpenduell. Dabei könnten auch die Startnummern eine Rolle spielen. Diese sprechen nicht für Cuche und Co.

von
Reto Fehr
Vier Österreicher hoffen auf Abfahrtsgold: Michael Walchhofer, Klaus Kröll, Mario Scheiber und Hans Grugger (v.l.).

Vier Österreicher hoffen auf Abfahrtsgold: Michael Walchhofer, Klaus Kröll, Mario Scheiber und Hans Grugger (v.l.).

Spielt das Wetter mit, steht heute Abend um 19.30 Uhr Schweizer Zeit die Olympia-Abfahrt auf dem Programm. Die Königsdisziplin der Skifahrer lässt die Österreicher vom ersten Gold und von der Revanche an der Schweiz träumen. Denn zum Auftakt der Wettkämpfe in Kanada übersegelte Simon Ammann die ÖSV-Adler mühelos. Diese enttäuschten fast auf der ganzen Linie. Gregor Schlierenzauer rettete mit der Bronzemedaille die Ehre und Thomas Morgenstern sicherte sich immerhin das letzte Diplom. Aber Wolfgang Loitzl und Andreas Kofler fand man höchstens noch unter «ferner liefen».

Die Pleite auf der Schanze schmerzt auch die Skifahrer. Michael Walchhofer – das heisseste Eisen der Ösis – war live dabei: «Wäre schön, wenn wir das den Schweizern retourgeben könnten. Sie sind uns jetzt beim Skispringen davongehüpft, wir wollen das beim Skifahren gutmachen», so der 34-Jährige gegenüber der «Krone». Die Zeitung «Österreich» zitiert den Altstar gar noch aggressiver: «Ammann und die Schweizer haben uns die erste Goldene weggeschnappt, in der Abfahrt schlagen wir zurück!» Rund zwei Millionen Landsleute werden vor dem TV mit den Österreichern mitfiebern und das Gleiche denken.

Noch kein österreichischer Abfahrtssieg in dieser Saison

Differenzierter gibt sich Cheftrainer Toni Giger. Der Salzburger sieht nicht nur Walchhofer, sondern auch seine drei anderen Trümpfe Mario Scheiber, Hans Grugger und Klaus Kröll in der Rolle der Aussenseiter. Als Favoriten nennt er Cuche, Svindal, Bode Miller und die Kanadier. Eigentlich ist die defensive Haltung verständlich. Denn erstmals seit 1992 (!) gewann bis im Februar noch kein Österreicher eine Weltcupabfahrt. Keine optimale Vorraussetzungen für ein starkes Selbstvertrauen. Die Schweiz brilliert dagegen mit je zwei Siegen von Didier Cuche und Carlo Janka. Und die Trainings von Ambrosi Hoffmann sowie Didier Défago lassen auch die weiteren beiden Schweizer Starter vom Podest träumen.

Hält die Piste?

Allerdings könnten die beiden Schweizer heute ohne eigenes Verschulden keine Rolle spielen. Grund: die Piste. Vor allem im unteren Bereich ist die Strecke aufgeweicht. Vier Tage lang hatte es geregnet und die vorher optimal präparierte Unterlage war Geschichte. Dies könnte ein grosser Vorteil für die frühen Startnummern bedeuten. Der Schweizer Olymipasieger Bernhard Russi sagt gegenüber «SF»: «Wenn ich fahren würde, hätte ich die Startnummer 3 gewählt.» Die Athleten konnten jedoch nicht wünschen, sondern zogen eine Nummer. Glück hatten beispielsweise Bode Miller (Startnummer 8), Erik Guay (9) oder Marco Büchel (10). Mit der 14 wird Ambrosi Hoffmann als erster Schweizer ins Rennen gehen. Die Topfavoriten starten erst mit den Nummer 17 bis 23, wobei Cuche die Nummer 22 zog. Ob die Piste dann noch eine Spitzenzeit zulässt?

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