François Affolter: «In der Bundesliga muss man mehr laufen»

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François Affolter«In der Bundesliga muss man mehr laufen»

20 Jahre alt, 94 Spiele mit YB in der Super League und seit Januar Neuling im Kader von Werder. Beim Interview mit 20 Minuten Online im Bremer Park Hotel, erzählt François Affolter wie es zu dem Wechsel an die Weser kam.

von
Eva Tedesco
Bremen

Der Schweizer Nati-Verteidiger François Affolter spricht von seinem ersten Monat in der Bundesliga bei Werder Bremen. (Video: 20 Minuten Online)

Bremen-Geschäftsführer Klaus Allofs hat die Präsentation seines Schweizer Innenverteidigers vor wenigen Wochen genossen. Wochenlang hatten die Medien spekuliert. Aber Allofs und Trainer Thomas Schaaf haben alle ins Leere laufen lassen. Der Name des Bielers war nie mit den Bremern in Verbindung gebracht worden. Am 24. Januar verliess Affolter das YB-Trainingslager. Am 25. Januar war der Vertrag unterschrieben. Dazwischen lagen drei Stunden harter Verhandlungen – nicht mit Werder, sondern YB-Trainer Christian Gross.

Zu schlecht für die Super League, aber gut für die Bundesliga? Ihr Wechsel von der Ersatzbank in die Startelf bei Werder ist ungewöhnlich.

François Affolter: Ich war mit GC und Luzern in Kontakt. Aber Trainer Christian Gross war gegen eine Ausleihe. Dann hat mich YB-Chef Ilja Känzig in Spanien angerufen und gesagt, dass sich Bremen für mich interessiert. Hans-Ruedi Hasler hat meinem Berater dann versprochen mit Herrn Gross zu sprechen. Am 25. Januar habe ich den Vertrag in Bremen unterschrieben. Sicher, ich war auch überrascht. Aber ich wollte weg von YB.

Ist zwischen Gross und Ihnen etwas vorgefallen?

Es war von Anfang an schwierig. Ich habe wegen der U21-EM und der Verletzung, die ich mir in Dänemark zugezogen hatte, die Vorbereitung verpasst. Bis ich wieder fit war, hatte er seine Stammelf schon gewählt. Er hat gesagt, dass Nef und Veskovac defensiv eine solide Leistung gezeigt hätten und er auf sie setzt. Ich war aber überzeugt, dass ich mindestens so gut bin und eine Chance verdient hätte.

Haben Sie an sich zu zweifeln begonnen?

Mental war das schon schwierig, wenn man trainiert und sein Bestes gibt und doch weiss, dass man sowieso nicht spielen wird. Aber gezweifelt habe ich nicht. Etwas Mühe hatte ich einfach damit, dass nur die Leistung aus dem Spiel bewertet wurde und nicht auch die aus dem Training. Für einige war das brutal.

Fühlen Sie sich unfair behandelt?

Das ist Fussball: Manchmal bist du oben, dann wieder unten. Natürlich war ich enttäuscht. Alles andere wäre ja nicht normal, aber ich konnte nichts dagegen machen. Und dann kam die Chance ins Ausland zu wechseln.

Wie ist Werder Bremen auf Sie gekommen?

Werder beobachtet häufig in der Schweiz und an internationalen Turnieren. Zudem hat man mir gesagt, dass meine guten Leistungen in der Europa League (in der abgelaufenen Saison unter Trainer Vladimir Petkovic, Anmer. d. Red.) aufgefallen sind. Trainer Thomas Schaaf wollte mich unbedingt.

Jetzt sind Sie seit einem Monat an der Weser und haben bereits vier Partien absolviert. Wie gross war die Umstellung von der Super League auf die Bundesliga?

Der grösste Unterschied liegt darin, dass alles schneller geht. Man hat hier am Ball extrem wenig Zeit, weil immer gleich ein Gegner da ist, der dich schon bei der Ballannahme zu stören versucht. Taktisch sind wir besser ausgebildet, aber technisch ist der Fussball hier besser. Das Niveau ist höher und so kann ich mich jeden Tag messen und mich steigern und verbessern. Das ist eine Challenge, die ich gerne annehme und die mich reizt. Und man muss viel mehr laufen.

Naldo und Sebastian Prödl sind derzeit verletzt. Dann sind da noch die fitten Sokratis und Mikaël Silvestre. Die Konkurrenz ist gross. Was wenn Sie nach der Rückkehr der Stammspieler wieder auf der Bank landen?

Das interessiert mich nicht. Ich muss auf mich schauen. Zumindest kann ich bis dahin spielen, Erfahrung sammeln und mich zeigen. Wenn es nicht klappt, kann ich wenigstens sagen, dass ich zumindest etwas versucht habe. Ich wäre auch nicht enttäuscht. Bei Bern wäre ich auch nur auf der Bank gesessen.

Wie beschreiben Sie Trainer Thomas Schaaf?

Er ist ein sehr ruhiger Typ, der sehr viel Erfahrung hat. Im Training spricht er nicht soviel. Meist steht er an der Seite und beobachtet. Manchmal stoppt er eine Aktion und korrigiert sofort. Einzelgespräche führt er nicht so häufig, aber ich habe gehört, dass er manchmal mit einem Spieler eine persönliche Videositzung macht. Aber er hat schon in unserem ersten Gespräch deutlich gemacht, dass er viel Wert auf Eigenverantwortung legt.

Wie haben Sie sich in der Mannschaft eingelebt?

Sehr gut. Ich bin sehr herzlich aufgenommen worden und werde von allen Seiten unterstützt. Wir haben in der Mannschaft sehr viele junge Spieler und das hat mir die Integration natürlich einfacher gemacht.

Mit wem haben Sie mehr Kontakt?

Mit Zladdi Junuzovic, da er noch im gleichen Hotel wohnt. Wir frühstücken oft gemeinsam. Und natürlich mit Silvestre, allein schon deshalb, weil er auch französisch spricht. Ausserdem mit Mehmet Ekici und Clemens Fritz.

Wie sieht die Hierarchie im Team aus?

Captain Clemens Fritz und Claudio Pizzaro sind klar die Chefs. Aber auch Team Wiese bringt sich mit seiner Erfahrung ein. Wir haben eine gute Mischung. Auf dem Platz habe ich zuletzt mit Sokratis die Innenverteidigung gebildet. Er ist stark bei Kopfbällen und defensiv sehr solid. Ich bin dafür schnell und versuche das Spiel auszulösen. Wir ergänzen uns sehr gut.

Sie wohnen noch im Hotel. Werden Sie sich eine Wohnung suchen, Ihr Vertrag ist befristet bis Ende 2012?

Ich habe bereits eine sehr schöne Wohnung gefunden. Nach meiner Rückkehr von der Nationalmannschaft kann ich einziehen. Von der Stadt habe ich noch nicht viel gesehen. Dazu hat die Zeit noch nicht gereicht. Aber das was ich gesehen habe, war schön und auch die Menschen sind sehr feundlich. Meine Familie, Freunde und Kollegen fehlen mir etwas. Ich habe sehr viel Zeit für mich. Das war ein neue Erfahrung und sehr interessant. Und ich kann mich auf den Fussball konzentrieren. Dafür bin ich hierher gekommen.

Das ist typisch für Bremen

Das ist typisch für Bremen

Nicht wundern, wenn ein Schneider mit dem Glätteisen auf der zugefrorenen Weser steht. In Bremen ist das normal. Man muss nur verstehen, warum Bremer auf Pinkel stehen, Domtreppen fegen und auf die Strasse spucken.

Es gibt seit 179 Jahren eine Tradition, die heisst Eiswette. Immer am 6. Januar muss ein Schneider mit einem heissen Bügeleisen prüfen, ob die Weser geht oder steht. Die ganz schlauen liessen sich – weil die begradigte Weser zu schnell fliesst und seit 65 Jahren nicht zugefroren war – von einem Boot übersetzen – und siegten.

Wehe dem, der am 30. Geburtstag unverheiratet ist. Die Junggesellen müssen solange Kronkorken von den Domtreppen fegen, bis sie von einer «Jungfrau» freigeküsst werden. Junggesellinnen müssen stattdessen die Türklinken der Domtüren putzen. Freiküssen müssen sich aber auch die Frauen.

Man muss ihn erst suchen, so unscheinbar ist er. Und er ist nicht mehr als ein Pflasterstein mit einem eingelassenen Kreuz. Der Stein – an der Westseite des Doms – kennzeichnet jene Stelle, an der 1831 Gesche Gottfried hingerichtet wurde. Der «erfolgreichste Giftmischerin Deutschlands» waren 15 Morde und 15 Mordversuche nachgewiesen worden. Die Bremer zeigen ihren Abscheu, indem sie auf den Stein spucken. Es war übrigens die letzte öffentliche Hinrichtung in Bremen.

Kohl und Pinkel heisst das Bremer Nationalgericht. Die Leibspeise der Bremer besteht aus jeder Menge Grünkohl gemischt mit deftigem Fleisch. Pinkel bezeichnet man dabei einen Schweinedarm-Abschnitt, der mit Grütze gefüllt ist. Andere Deutungen leiten den Begriff Pinkel vom ostfriesischen pink für Penis beziehungsweise vom holländischen pink für kleiner Finger ab. Kann man das wirklich essen?

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