Fachstelle warnt: «In der Corona-Krise starben bereits mehrere Jugendliche an Mischkonsum»
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Fachstelle warnt«In der Corona-Krise starben bereits mehrere Jugendliche an Mischkonsum»

Der Drogenhandel mit Benzodiazepinen, Cannabis und Amphetaminen hat durch die Corona-Krise bei Jugendlichen stark zugenommen.

von
Dominic Wipfli
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In der Corona-Krise gebe es Jugendliche, die versuchen würden, «ihre Überforderung mit einer Tablette wegzuwischen», teilt die  Fachstelle für Jugend und Familie Jufa in Ebikon LU mit. Auch der Drogenhandel- und Konsum sei gestiegen.  (Symbolbild)

In der Corona-Krise gebe es Jugendliche, die versuchen würden, «ihre Überforderung mit einer Tablette wegzuwischen», teilt die Fachstelle für Jugend und Familie Jufa in Ebikon LU mit. Auch der Drogenhandel- und Konsum sei gestiegen. (Symbolbild)

Samuel Schalch / Tages-Anzeiger
Trenddroge der Jugendliche sei Xanax, das Jugendnliche auf dem Schwarzmarkt kaufen oder im Darknet bestellt könnten.  (Symbolbild)

Trenddroge der Jugendliche sei Xanax, das Jugendnliche auf dem Schwarzmarkt kaufen oder im Darknet bestellt könnten. (Symbolbild)

TAMEDIA AG
Mischkonsum mit Cannabis oder Alkohol könne Todesfolgen haben, so die Fachstelle. Sie schreibt gar:  «In der Schweiz sind in der Corona-Krise bereits mehrere Jugendliche an einer Medikamentenüberdosis oder an Mischkonsum gestorben.»  (Symbolbild)

Mischkonsum mit Cannabis oder Alkohol könne Todesfolgen haben, so die Fachstelle. Sie schreibt gar: «In der Schweiz sind in der Corona-Krise bereits mehrere Jugendliche an einer Medikamentenüberdosis oder an Mischkonsum gestorben.» (Symbolbild)

Urs Jaudas

Darum gehts

  • Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass der Drogenhandel mit Benzodiazepinen, Cannabis und Amphetaminen massiv zugenommen hat, hält die Fachstelle für Jugend und Familie Jufa in Ebikon LU fest.

  • Das Medikament «Xanax» sei unter den Jugendlichen besonders im Trend.

  • Der Jufa bereitet diese Entwicklung grosse Sorgen.

«Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass der Drogenhandel mit Benzodiazepinen, Cannabis und Amphetaminen massiv zugenommen hat. Beängstigend ist, dass die Zielgruppe (ab 12 Jahren) immer jünger wird»: Das stellt die ambulante und kostenlose Fachstelle für Jugend und Familie Jufa in Ebikon LU fest. Grund für den Drogenhandel und -konsum sei, dass «Jugendliche die grossen Verlierer der Corona-Krise sind», heisst es weiter. Die Pandemie habe den Jugendlichen «prägende Momente ihrer Biografie» gestohlen.

In der Corona-Krise hätten einige Jugendliche viel Sicherheit und Orientierung verloren. «Für sie ist die Auseinandersetzung mit sich und der Umwelt, der Austausch mit Gleichaltrigen und die Selbstbehauptung gegenüber anderen für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit überlebenswichtig.» Das sei nun seit fast einem Jahr stark erschwert. Folge: «Gewisse Jugendliche verschaffen sich im Ausprobieren mit verschiedenen Drogen den Kick, den sie sich sonst im ganz ‹normalen› Wahnsinn des Lebens holen würden.»

«Gefährlich bis tödlich»

Besonders im Trend sei das Medikament Xanax, dessen Wirkstoff Alprazolam zur Behandlung von Angstzuständen und Panikstörungen diene. Die Jufa warnt jedoch: «Xanax führt langfristig in die Abhängigkeit und hat schwerwiegende Nebenwirkungen wie Depressionen und Gedächtnisschwäche. Gefährlich bis tödlich wird es, wenn Jugendliche Xanax mit Cannabis oder Alkohol mischen.»

In der Tat sind allein im Kanton Luzern von 2018 bis 2020 mindestens vier Jugendliche an Drogencocktails gestorben. Und auch jetzt schreibt die Jufa: «In der Schweiz sind in der Corona-Krise bereits mehrere Jugendliche an einer Medikamentenüberdosis oder an Mischkonsum gestorben.»

Die beschriebene Entwicklung bereite der Jufa «grosse Sorgen». In den täglichen Beratungen begegne man Jugendlichen, «die das Bedürfnis haben, einfach nichts mehr zu fühlen». Oder sie versuchten, «ihre Überforderung mit einer Tablette wegzuwischen».

Die Jufa versuche deshalb, den Jugendlichen in den Beratungen «Alternativen zu Drogen und Medikamenten aufzuzeigen für den Umgang mit den erschwerten Alltagsbedingungen im Rahmen der Corona-Krise». Die Fachstelle gibt zudem auch Tipps, wo sich die Jugendlichen online Hilfe holen können:

-Drugs – just say no

-Safezone

-drugcheck.raveitsafe

-Sucht Schweiz

-Checkpoint

Hast du oder jemand, den du kennst, ein Problem mit illegalen Drogen?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Safezone.ch, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Infodrog, Informationen und Substanzwarnungen

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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