Zürich: In der Haifisch-Bar sind die Stripperinnen zurück
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ZürichIn der Haifisch-Bar sind die Stripperinnen zurück

Noch vor einem halben Jahr sollte aus der Haifisch-Bar, einem von Zürichs bekanntesten Cabarets, eine Trend-Location werden. Nun ist wieder alles beim Alten – fast.

von
rad
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In der Haifisch-Bar wird seit dem 1. Juni 2016 wieder an den Stangen getanzt.

In der Haifisch-Bar wird seit dem 1. Juni 2016 wieder an den Stangen getanzt.

20 Minuten/D. Rais
Noch Mitte Januar sagte der Ex-Club-Manager Sebastian Köpe (20) zu 20 Minuten: «Wir wollen uns von der Haifisch-Bar als Cabaret distanzieren und uns stattdessen als neue Trend-Location etablieren.»

Noch Mitte Januar sagte der Ex-Club-Manager Sebastian Köpe (20) zu 20 Minuten: «Wir wollen uns von der Haifisch-Bar als Cabaret distanzieren und uns stattdessen als neue Trend-Location etablieren.»

20 Minuten/D. Rais
Doch nun gilt: Tabledance statt Trend-Location.

Doch nun gilt: Tabledance statt Trend-Location.

20 Minuten/D. Rais

Frauen, die sich lasziv an der Stange räkeln und Männer ins Schwitzen bringen – über Jahrzehnte hinweg ein typisches Bild, das sich Besuchern der Haifisch-Bar im Zürcher Niederdorf bot. Doch dann war plötzlich alles vorbei. Grund dafür war das Ende 2015 vom Bundesrat verabschiedete Tänzerinnen-Statut. Dieses untersagte Betreibern von Strip-Clubs die Anstellung von Frauen, die nicht aus EU-Staaten kommen.

Da in der Haifisch-Bar bis Ende letzten Jahres grösstenteils Frauen aus Osteuropa tätig waren, ging das Geschäftsmodell von Idris Kulac (53), Betreiber des Cabarets, nicht länger auf. Damals deutete alles darauf hin, dass die Cabaret-Kultur im Zürcher Niederdorf nicht wiederzubeleben ist.

Nicht für das Cabaret geboren

«Wir wollen uns von der Haifisch-Bar als Cabaret distanzieren und uns stattdessen als neue Trend-Location etablieren», sagte der neue Club-Manager Sebastian Köpe (20) noch Mitte Januar zu 20 Minuten. Doch das Geschäft rentierte laut Kulac nicht, deshalb war schon Ende Februar Schluss damit. Anfang Juni feierte die Haifisch-Bar bereits die zweite Neueröffnung innert nur sechs Monaten.

Ganz nach dem Motto «Was sich bewährt hat, sollte man beibehalten» ist die Cabaret-Kultur nun doch wieder zurück an der Mühlegasse 3. Eine Änderung gibt es aber: Es räkeln sich nur noch Tänzerinnen aus der EU an den Stangen. Wie viele genau, kann Kulac nicht sagen: «Das hängt davon ab, wie gross die Nachfrage ist.» Im Gegensatz zu anderen Cabarets seien in der Haifisch-Bar nicht nur Männer, sondern auch Paare und Frauen willkommen.

«Die Schweiz ist ein Sex-Land geworden»

Trotz Neueröffnung zeigt sich Kulac nicht besonders euphorisch, als 20 Minuten ihn in seiner Bar besucht: «Ich bin nicht dafür geboren, ein Cabaret zu haben, aber jetzt ist es eben so, und dann muss man das Beste daraus machen.» Er ist seit 22 Jahren im Cabaret-Business und betreibt bereits seit rund 10 Jahren die Haifisch-Bar. In seinen Augen war früher vieles leichter.

Seit der Aufhebung des Tänzerinnen-Statuts machen nicht zuletzt die Strassenprostituierten und Sauna-Frauen Kulac als Cabaret-Betreiber das Leben schwer: «Die Frauen stehen bei mir vor der Tür und werben meine potenziellen Kunden ab. Eine Frechheit!» Für 180 oder 200 Franken könne man in manchen Nachtclubs à la All-you-can-eat gleich zehn Frauen aufs Mal haben, sagt Kulac zynisch: «Hier in der Schweiz scheinen Frauen nichts wert zu sein. Mir fehlt die Wertschätzung der Frauen in der Branche.»

Das lukrative Geschäft auf der Strasse

Laut Kulac zahlen Strassenprostituierte in Zürich eine fixe Tagespauschale für die Bewilligung, um anschaffen zu gehen: «Doch wer kontrolliert deren Einnahmen?», fragt sich der 53-Jährige. Als Geschäftsmann und nicht zuletzt als Cabaret-Betreiber, der regelmässig seine Steuern zahlt, würden schliesslich strenge Auflagen gelten. Kulac fühlt sich vom Staat übergangen und nicht ernst genommen.

Solange das Geschäft auf der Strasse ein solch lukratives ist, bangt Kulac um seine Existenz als Cabaret-Betreiber. «Letztendlich hat das Tänzerinnen-Statut das Geschäft von Cabaret-Betreibern zerstört», dessen ist sich Kulac sicher.

Legendäres Striplokal

Die Haifisch-Bar ist bekannt für seine Cabaret-Kultur und galt so auch lange als eine feste Institution im Zürcher Nachtleben. 1965 gegründet, war Captain Jo's Haifisch-Bar - nach dem damaligen Inhaber Josef «Captain Jo» Schupp benannt - eines von Zürichs bekanntesten Variétés. Nebst Stripperinnen traten immer wieder auch Unterhaltungskünstler aus aller Welt auf.

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