Weggiser müssen weg: In der Horlaui wird nie mehr ein Haus stehen
Aktualisiert

Weggiser müssen wegIn der Horlaui wird nie mehr ein Haus stehen

Kaspar Widmer, Gemeindepräsident von Weggis, stellt sich Fragen zur Evakuation der zehn Bewohner in der Horlaui.

von
Daniela Gigor
Kaspar Widmer, Gemeindepräsident von Weggis.

Kaspar Widmer, Gemeindepräsident von Weggis.

Wegen akuter Felssturzgefahr hat der Gemeinderat Weggis entschieden, dass zehn Personen in der Horlaui per 31. Juli ausziehen müssen. Die fünf Häuser werden abgerissen. Als rechtliche Grundlage wurde die sogenannte polizeiliche Generalklausel angewendet.

Herr Widmer, wäre es nicht möglich gewesen, die zehn Betroffenen so lange zu evakuieren, bis der Stimmbürger - wie ursprünglich geplant - am 30. November über eine Felssanierung in der Horlaui hätte entscheiden können?

Kaspar Widmer: Die Entscheidung, wie sie vom Gemeinderat Weggis mit Unterstützung von Bund und Kanton gefällt wurde, ist sehr komplex. Trotz aller möglichen Fels-Sanierungsvarianten wäre es nicht mehr möglich, das Gebiet zu bewohnen.

Ist es nicht eher die Frage, was eine Fels-Sanierung, welche den Bewohnern Sicherheit geboten hätte, gekostet hätte?

Am 30. November entscheiden die Stimmbürger über die Massnahmen gegen Naturgefahren in den Gebieten Linden und Laugneri II. Es war vorgesehen, auch über die Massnahmen in der Horlaui zu entscheiden. Nun hat die bedrohliche Situation im Gebiet Horlaui unsere Pläne überholt. Wir wissen nicht, wann die Felsbrocken herunterkommen. Der Gemeinderat kann die Verantwortung für die Sicherheit der Bewohner nicht mehr tragen.

Was hätte denn die Felssanierung in der Horlaui gekostet?

Aufgrund des Vorprojekts sind wir von sechs bis sieben Millionen Franken ausgegangen. Allerdings hat die jüngste Prüfung ergeben, dass die Felsen in der Horlaui nicht mehr überwacht werden können. Die Ereignisse haben sich überschlagen. Auch müssen Sanierungen wirtschaftlichen Anforderungen entsprechen, um von Bund und Kanton Subventionsbeiträge zu erhalten.

Wäre eine Enteignung der Grundstücke und ein Abriss der Häuser auch verfügt worden, wenn in der Horlaui neue und teure Villen stehen würden?

Davon ist mit Sicherheit auszugehen.

Warum müssen die Bewohner der Gebiete Linden und Laugneri II nicht evakuiert werden, obwohl auch diese Leute in der Gefahrenzone leben?

Laut vorliegenden Untersuchungen sind im Moment keine dringenden Massnahmen notwendig.

Ein möglicher Felssturz kann sogar noch mehr Menschen in Lebensgefahr bringen, wenn ein Car oder Bus auf der Kantonsstrasse unterhalb der Horlaui unterwegs ist. Warum wird diese Strasse nicht geschlossen?

Massgebend ist die Aufenthaltsdauer. Während ein Haus dauernd bewohnt werden kann, ist für Verkehrsteilnehmer die Wahrscheinlichkeit viel geringer, dass sie von einem Felsabbruch getroffen werden.

Wurde abgeklärt, ob die zehn Erwachsenen auf ihre eigene Verantwortung in den Häusern bleiben können?

Dies ist nicht möglich, weil der Gemeinderat im Rahmen der öffentlichen Sicherheit für Leib und Leben der Bewohner verantwortlich ist.

Können Sie garantieren, dass in den nächsten zehn bis 50 Jahren keine Häuser mehr in der Horlaui gebaut werden können?

Ja, diese Garantie gibt es, weil dort keine nachhaltigen Sanierungen möglich sind und somit ein Bauverbot gilt.

Gilt das Bauverbot auch, wenn reiche Privatpersonen die Felssanierung bezahlen würden?

Ja, auch das ist undenkbar.

Welche Rechtsmittel können die Betroffenen ergreifen?

Gegen diese Verfügung kann innerhalb von 20 Tagen Beschwerde beim Kantonsgericht eingereicht werden.

Haben Bewohner Beschwerden eingereicht?

Die Beschwerdefrist läuft noch und so gibt es diesbezüglich noch keine Erkenntnisse.

Video-Reportage aus Weggis:

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