Aktualisiert 14.07.2009 22:59

Geringe AbwesenheitIn der Krise schleppen sich viele auch krank zur Arbeit

Aus Angst vor dem Jobverlust greifen deutsche Arbeitnehmer vermehrt zu Pillen. Auch hierzulande gibt es diese Tendenzen.

von
Deborah Balmer

Noch nie seit 40 Jahren meldeten sich deutsche Arbeitnehmer so selten krank wie im ersten Halbjahr 2009: Laut Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums fehlten sie im ersten Halbjahr im Schnitt gerade einmal dreieinhalb Arbeitstage.

Auch in der Schweiz lässt die Krise die Absenzen sinken: «Die Zahl der Kurz­absenzen hat in den letzten Monaten abgenommen», sagt Rob Hartmans von der Krankenkasse Helsana. Grund: Viele befürchten einen Jobverlust, wenn sie wegen Kleinigkeiten daheimbleiben und so einen schlechten Eindruck hinterlassen, sagt Hartmann. Auch der Präsident des Schweizerischen Ärzteverbands, Jacques de Haller, ­beobachtet: «In der Krise haben die Leute Angst und fragen vermehrt nach Medikamenten gegen Fieber und Grippe.»

Ruth Derrer vom Arbeitgeberverband kann nachvollziehen, dass ein Arbeitnehmer denkt, «er dürfe nicht krank sein», wenn in der Firma über Personal­abbau diskutiert wird.

Sie betont aber auch, dass andere Personen vielleicht gerade wegen des grossen Drucks eher krank werden. Dies bestätigt auch die Helsana: Während die Arbeitnehmer weniger oft nur ein paar Tage daheimbleiben, haben gleichzeitig die längeren ­Absenzen um 3,5 Prozent zugenommen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.