Aktualisiert 25.06.2009 17:36

UhrenindustrieIn der Krise ticken die Uhren langsam

Die Schweizer Uhrenindustrie leidet - und ein Ende ist nicht absehbar. Der Absatzeinbruch kostete bereits über 3000 Arbeitsplätze.

«Wir wissen nicht, wann die Krise zu Ende ist», sagt der Präsident des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH), Jean-Daniel Pasche. Das vorherrschende Gefühl der Unsicherheit bremse den Konsum, sagte Pasche am Donnerstag vor den Medien in Genf. 2009 werde ein negatives Jahr werden. Im Zuge der Wirtschaftskrise brachen die Exporte in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um ein Viertel ein.

Dieser Einbruch sei für die FH, die am Donnerstag ihre Generalversammlung abhielt, aber nicht überraschend gekommen. Die Entwicklung sei geprägt von der weltweiten Wirtschaftskrise, sagte Pasche.

Krise kostet Arbeitsplätze

Nach fünf Jahren des Aufschwungs, in den die Exporte stiegen und Stellen geschaffen wurden, muss die Branche jetzt bluten: Im vergangenen September - also vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise - zählte die Uhrenindustrie 53 300 Beschäftigte. In der Zwischenzeit wurden mindestens 3300 Stellen abgebaut.

Auch Doris Leuthard hellt Stimmung nicht auf

Auch Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard sprach an der FH-Generalversammlung von düsteren Aussichten. Der Aufschwung werde nur sehr langsam einsetzen. Die Massnahmen des Bundes mit nunmehr drei staatlichen Impulsprogrammen seien aber ausreichend.

FH-Präsident Pasche hofft denn auch, dass das zweite Halbjahr etwas weniger schlecht ausfallen wird. Die Uhrenindustrie sei nach wie vor gesund und zeige gegenüber der Konkurrenz keine Schwäche. Für die Zeit nach der Krise sieht Pasche die Branche gut gerüstet.

Importierte Rezession

Bundesrätin Leuthard unterstrich, dass die Schweizer Wirtschaft keine strukturellen Probleme habe. Auch gebe es keine Krise auf dem Kredit- und dem Immobilienmarkt. Die Rezession sei importiert.

Mit Blick auf die exportorientierte Uhrenindustrie verwies die Wirtschaftsministerin auf die Bedeutung der Freihandelsabkommen. So bringt das Abkommen, das die EFTA-Staaten mit den Golfstaaten abgeschossen hat, der Uhrenbranche Einsparungen von 60 Mio. Franken.

Geplant seien weitere solche Abkommen, jenes mit Hongkong - einem der wichtigsten Absatzmärkte für Schweizer Uhren - soll noch diesen Sommer abgeschlossen werden.

Der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie zählte Anfang Jahr 530 Mitglieder. Fünf Firmen waren im vergangenen Jahr neu hinzugekommen, zehn traten aus dem Verband aus - zum Teil weil sie im Zuge der Krise ihre Tätigkeit einstellen mussten.

(sda)

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