Trotz Via Sicura: In der Ostschweiz wird gerast wie eh und je

Publiziert

Trotz Via SicuraIn der Ostschweiz wird gerast wie eh und je

Kein Rückgang an Raserdelikten in der Ostschweiz: Das zeigt ein Blick in die Statistik. Hat Via Sicura die Wirkung verfehlt? Die Verantwortlichen vom Astra sind optimistisch.

von
jeh
Die Anzahl von Raserdelikten hat in der Ostschweiz seit der Einführung von Via Sicura nicht abgenommen.

Die Anzahl von Raserdelikten hat in der Ostschweiz seit der Einführung von Via Sicura nicht abgenommen.

Insgesamt 24 Raserdelikte wurden im laufenden Jahr bei der Staatsanwaltschaft St.Gallen registriert. Im ganzen letzten Jahr waren es 27 Fälle, wie die Staatsanwaltschaft St.Gallen auf Anfrage mitteilt. «Anhand dieser Zahlen sieht man, dass die Raserei in unserem Kanton seit der Einführung von Via Secura nicht abgenommen hat», sagt Pressesprecherin Natalie Häusler.

Härtere Strafen gegen Raser

Seit Anfang 2013 werden Raser im Rahmen des Verkehrssicherungsprogramm des Bundes härter dran genommen. Weniger Todesopfer und Verletzte auf den schweizerischen Strassen: Das ist das Ziel von Via Sicura. So wird das Fahrzeug eines Rasers schneller eingezogen als noch zuvor und die Bussen sind deutlich höher.

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Kanton Thurgau. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 16 Strafverfahren wegen Raserei eröffnet. Im laufenden Jahr sind es bisher deren zwölf. «Hätte sich die Zahl halbiert, könnte man von einer Wirkung der Via Sicura sprechen», sagt Stefan Haffter, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Thurgau.

Ein Raserdelikt liegt vor, wenn durch besonders krasse Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit elementare Verkehrsregeln verletzt werden und dadurch Schwerverletzte oder gar Tote in Kauf genommen werden. Wer zum Beispiel mit 100 durch die 50er-Zone donnert, ist ein Raser. Das Strafmass in solchen Fällen liegt bei 12 bis 19 Monaten Freiheitsstrafe und Bussen von mehreren tausend Franken. Zudem können die Gerichte die betreffenden Fahrzeuge einziehen und verwerten.

Wirkung erst in ein paar Jahren

Für das Bundesamt für Strassen (Astra) sind diese Zahlen nicht aussagekräftig. «Es ist ein Programm, das sich noch entfalten muss. Man kann nicht erwarten, dass es nach nicht mal zwei Jahren schon Wirkung zeigt», sagt Astra-Mediensprecher Thomas Rohrbach. Dies werde wohl noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Und er gibt den Ball gleich weiter: «Wichtig ist, wie die kantonale Polizei ihre Kontrollen durchführt», so Rohrbach.

Laut Gian Andrea Rezzoli, Sprecher der Kapo St.Gallen, gibt es dort keine fixen Vorgaben, wie oft man Geschwindigkeitskontrollen durchführt. «Wir haben unsere Einsatzmittel, wie feste oder semistationäre Radarstationen. Dazu kommen Lasergeräte oder Messfahrzeuge, die wir einsetzten», sagt Rezzoli. Die Polizei werde zum Beispiel von Gemeinden oder Anwohnern aufgefordert, an unfallgefährdeten Strecken Kontrollen durchzuführen. «Als Anfang 2013 die Via Sicura eingeführt wurde, haben wir nicht spezifisch mehr Kontrollen durchgeführt», sagt Rezzoli.

Bunt gemischte «Klientel»

In beiden Kantonen gibt die Rasergemeinde kein einheitliches Bild ab. Der Jugendliche mit Migrationshintergrund und schnellem Flitzer sei ein Klischee, das so nicht zutreffe, sagt Natalie Häusler von der Staatsanwaltschaft St.Gallen. Die Klientel sei bunt gemischt, so Häusler. Unter den erwischten befänden sich Schweizer mittlere Alters mit PS-starken Fahrzeugen ebenso wie die 50-jährige Hausfrau.

Deine Meinung