«CargoTube»: In der Röhre durch die Schweiz

Aktualisiert

«CargoTube»In der Röhre durch die Schweiz

Wie soll man die Schweizer Strassen entlasten? Ein Verein hat da dazu ganz eigene Ideen: In einem unterirdischen Röhrensystem sollen künftig quer durch die Schweiz Güter transportiert werden. Man arbeitet an einer Vorstudie.

«Swiss CargoTube» sei ein neuartiges, in unterirdischen Röhren verlaufendes vollautomatisches Transportsystem für Güter, sagte Guido Grütter, Vorstandsmitglied des Vereins PPP Schweiz am Mittwoch vor den Medien in Brugg AG. Das «revolutionäre System» solle Strasse und Schiene entlasten.

Die «Rohrpost» für den Gütertransport besteht nach Ideen des Vereins aus einer 20 bis 60 Meter tief im Boden gelegenen Tunnelröhre (Tube). Diese soll einen Durchmesser von vier Metern haben.

Die selbstfahrenden Container in der Grösse eines Europalettes (Grundfläche: 0,8 x 1,2 Meter) würden in getrennter Richtung verkehren. Die Geschwindigkeit würde 60 bis 80 Kilomter pro Stunde betragen. Ein drittes Gleis soll in den Terminals zum Auf- und Abladen der Behälter dienen.

5 Milliarden für Mittelland-Röhre

Zu den Kosten des Projektes äusserten sich die Promotoren nur vage. Sie rechnen damit, dass ein Meter Tunnelbau 20 000 Franken kosten würde. Der standardisierte Bau der Röhre führe zu viel geringeren Kosten als die Errichtung eines Eisenbahntunnels für den Personen- und Güterverkehr, hiess es.

Im Vordergrund stehe der Bau eines 240 Kilometer langen Tunnels zwischen der Ost- und Westschweiz. Dafür wären Investitionen von rund 5 Milliarden Franken notwendig, hochgerechnet auf der Basis des Preises für einen Meter Tunnel.

Der Zeitplan der Promotoren ist ehrgeizig. «Swiss CargoTube» solle in 10 bis 15 Jahren den Betrieb aufnehmen. In einem zweiten Schritt könne eine Transportröhre auf der Nord-Süd-Achse gebaut werden.

«Förderband» für Güterverkehr

Von einem «Förderband quer durch die Schweiz» sprach Martin Klöti, Leiter Institut für Geistes- und Naturwissenschaften der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Im Güterverkehr sei die Zuverlässigkeit und nicht die Geschwindigkeit das Qualitätskriterium.

Ob die Container auf einem Gleis oder über einen Monorail in der Röhre verkehren würden, stehe noch nicht fest. «Wir brauchen nichts Neues zu erfinden», betonte Klöti. Es gehe darum, bestehende Techniken einzusetzen. Die Idee von «Swiss CargoTube» war 2001 an der FHNW geboren worden.

Projekt anstossen

Als erstes Etappenziel will der Verein eine breite Trägerschaft für Vorstudien zur wirtschaftlichen, politischen und technischen Machbarkeit des Projektes finden. Bis Ende Jahr soll gemäss Grütter ein Projektkonzept auf dem Tisch liegen. In drei bis fünf Jahren solle eine Teststrecke gebaut sein.

«Es geht uns darum, ein Projekt anzustossen», sagte Grütter. Für den Bau und Betrieb von «Swiss CargoTube» komme nur eine Finanzierung mit Geld der Wirtschaft und des Staates in Frage.

Der 2006 gegründete Verein PPP Schweiz setzt auf Public Private Partnership (PPP). Dem Verein gehören Vertreter der Eidgenossenschaft, der Kantone und Städte sowie der Wirtschaft an.

An einer Fachveranstaltung diskutierten am Mittwoch in Brugg Vertreter der Post, des Bundesamtes für Strassen (ASTRA) sowie der Bau- und Logistikbranche die Vision. (sda)

In Deutschland fährt ein Vorbild «CargoCab»

Das Vorbild des unterirdischen Transportsystems «Swiss CargoTube» dreht in Deutschland als Modell im Massstab von 1:2 auf einer 125 Meter langen Strecke die Runden. Am System «CargoCap» wird in Deutschland seit 1998 geforscht.

Der wissenschaftliche Betrieb einer ovalen Modellstrecke auf einem Kraftwerksgelände in Bochum sei 2006 aufgenommen worden, sagte Robert Stein von der CargoCap GmbH am Mittwoch vor den Medien in Brugg AG. Stein beschrieb das Transportsystem als «fünfte Alternative zu Strasse, Schiene, Wasser und Luft».

Das System sieht einen Tunneldurchmesser von zwei Metern vor. Die Transportbehälter Caps sollen gemäss Konzept 24 Stunden am Tag in einem verzweigten Fahrrohrleitungsnetz fahren. Die Caps sehen aus wie eine überdimensionierte ovale Pille.

Diese Transportbehälter, in denen zwei Europalette Platz haben, werden individuell angetrieben. Bei Weichen können die Behälter selbst die Fahrtrichtung entscheiden. Der Fahrweg besteht aus keinen bewegten Komponenten.

Derzeit werde neben der technischen Entwicklung das Marktpotential abgeklärt, betonte Stein. Erste Verhandlungen mit Investoren liefen.

Das Projekt für einen automatischen Gütertransport im Untergrund war bis 2002 vom Bundesland Nordrhein-Westfalen gefördert worden. Danach wurde die CargoCap GmbH gegründet. (sda)

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