31.07.2020 20:29

Die Young Boys sind Meister

In der Ruhe liegt die Macht

YB holt sich in einer denkwürdigen Saison den ersten Geister-Meistertitel im Schweizer Fussball. Dafür mussten die Berner mehr leiden als ihnen lieb war.

von
Eva Tedesco
Die Young Boys sind Meister.

Die Young Boys sind Meister.

Foto: Keystone

Darum gehts

  • Die Young Boys schaffen den Titel-Hattrick.
  • Am Ende einer langen Meisterschaft gewinnen sie den Titel vor den St. Gallern.
  • Gründe, dass der Titel verdient ist, gibt es ein paar.

Aller guten Dinge sind drei: ganz besonders, wenn es nach den Young Boys geht. Dabei gab es gerade in dieser aussergewöhnlichen Saison für die Konkurrenz aus St. Gallen und Basel beste Chancen, den Titel-Hattrick der Berner zu verhindern. Am Ende einer langen Meisterschaft ging dem Überraschungsteam aus der Ostschweiz aber die Luft aus, während der FCB auch an internen Querelen scheiterte.

In dieser von Covid-19 geprägten Saison waren alle gefordert wie noch nie. Es war kein Fussballsommer, von dem man noch lange schwärmen wird. Auch beim Meister nicht. Neben Corona und allen Widrigkeiten sind acht Partien ohne Auswärtssieg gewöhnlich keine Kennzahlen eines Champions.

Die YB-Spieler mussten in der Saison leiden – Meister sind sie nun dennoch.

Die YB-Spieler mussten in der Saison leiden – Meister sind sie nun dennoch.

Foto: Keystone

YB zeigte auch ein anderes Gesicht

Auch deshalb blieb der Titelkampf zwischen YB und dem FC St. Gallen so lange zäh und für die Fans spannend - Geisterspiele zum Trotz. Hätte es nun nicht geklappt mit der dritten Meisterschaft in Folge, es hätte für die Berner neben der Auswärtsschwäche viele weitere Gründe für ein Scheitern gegeben - zum Beispiel das übervolle Lazarett in der Vorrunde.

Doch YB zeigte eben auch sein anderes Gesicht. Da war die Heimstärke - zwölf Siege in Serie im heimischen Wankdorf sind eine grandiose Bestmarke. Und da war Jean-Pierre Nsame, der beste Stürmer der Liga. Der Kameruner ist drauf und dran, den Rekord von Seydou Doumbia mit 30 Toren zu übertreffen. Auch deshalb ist YB verdientermassen der erste Geistermeister des Schweizer Fussballs.

Ein wesentlicher Faktor für den Erfolg ist die Ruhe der Entscheidungsträger. Corona? Kein Lamentieren, keine Ausflüchte. Geisterspiele? Keine Klagen, keine Anschuldigungen. Sportchef Christoph Spycher und auch Trainer Gerry Seoane suchten lieber nach Lösungen und gaben die Richtung nach innen und aussen vor. Sie gehen als Vorbilder voran. In der Ruhe liegt die Macht.

Ja, Spycher darf sich freuen. Er stellte schliesslich den Meisterkader zusammen.

Ja, Spycher darf sich freuen. Er stellte schliesslich den Meisterkader zusammen.

Foto: Keystone

Das beste und grösste Kader der Liga

Dass Spycher es versteht, Meistermannschaften geschickt umzubauen, bewies er bereits im Sommer 2019. Unter dem ehemaligen Schweizer Internationalen legt man viel Wert darauf, Abgänge rechtzeitig zu antizipieren und durch gleichwertige Spieler zu ersetzen. Das funktionierte bei Benito, Sow und Mbabu, sogar bei Captain Steve von Bergen.

Mit Lustenberger hat YB einen neuen Chef, mit Janko und Elia Spieler, die enorm viel Potenzial haben und Stammkräfte wie Mbabu und Benito vergessen lassen. Und wie bei Von Bergen wird Spycher zweifellos auch für verdienstvolle Grössen wie Guillaume Hoarau und Miralem Sulejmani elegante Lösungen finden; die Verträge der Altmeister enden im August.

Und der Trainer? Seoane stand das beste und grösste Kader der Liga zur Verfügung. Mit jedem Titel wachsen die Begehrlichkeiten. Trotzdem gelang es dem Coach meisterhaft, die Mannschaft mit positiver Energie und einem geschickten Händchen durch den nahrhaften Schlussspurt zu führen - gerade nach der achtwöchigen Coronapause.

Ist Seoane der beste Trainer der Super League?

Ist Seoane der beste Trainer der Super League?

Foto: Keystone 

Bleibt Seoane?

Der erste Titel im ersten YB-Amtsjahr des 41-Jährigen haftete noch der Makel an, dass er Züge seines Vorgängers trug. Die Wiederholung trägt nun deutlich seine Handschrift und ist Ausdruck seines Talents, das sich inzwischen auch im Ausland herumgesprochen hat. Noch hat Seoane den Verlockungen widerstanden. Aber den Zentralschweizer kann man sich gut in der Bundesliga vorstellen.

Noch ist Seoane da, für die Konkurrenz heisst das nichts Gutes. Natürlich sind sie in St. Gallen traurig, dass es mit dem Titel nicht geklappt hat. Für den Schweizer Fussball dagegen ist YB in der Saison 2020/21 der bestmögliche Vertreter im europäischen Geschäft: Der beste Trainer mit der besten Clubleitung hat international die grössten Chancen, die dringend nötigen Punkte im Uefa-Ranking zu holen.

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10 Kommentare
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Oliver

01.08.2020, 18:15

Und nun freuen wor uns dass yb und sg die Schweiz auch international erfolgreich vertretten werden und kräftig Punkte sammeln werden, wie jedes Jahr. Oder...Moment mal...war es ein anderer Verein?

FCSG GrünWeiss

01.08.2020, 14:41

Wir bedanken uns bei den Schiris und dem VAR um eine Chance erhalten zu haben. Leider hat es nicht gereicht. Das nächste mal kommt es sicher gut.

Saaghüpfe

01.08.2020, 13:57

St.Gallen sollte sich bei den Schiris und beim Var bedanken das Sie überhaupt eine Chance auf den zweiten Platz bekommen habt. Ist ja unsäglich wieviele Penaltys die geschenkt bekommen haben. Merkt ihr was? Gruss aus Basel