«Scrubs»-Star Braff: «In der Schweiz fühle ich mich wie Bono»
Aktualisiert

«Scrubs»-Star Braff«In der Schweiz fühle ich mich wie Bono»

«Scrubs»-Star Zach Braff führt in «Wish I Was Here» Regie und spielt einen Vater in der Krise. Eine Familie wünscht er sich auch im echten Leben.

von
Catharina Steiner

Nach dem Film wollte ich unbedingt eine geliebte Person anrufen. War das die Reaktion, die du dir gewünscht hast?

Oh mein Gott! Ja, das ist die ideale Reaktion. Ich hasse es, aus einem Film zu kommen und zu denken, okay, wohin gehen wir jetzt essen.

In «Wish I Was Here» geht es um Abschiede von Menschen, Hoffnungen, Träume. Beschäftigen dich diese Themen gerade?

Einer meiner Lieblingsfilme als Kind war «Ferris macht blau». Er ist in der Dusche und sagt in die Kamera: Das Leben geht so schnell vorbei. Wenn man nicht ab und zu innehält und sich umsieht, verpasst man es vielleicht. Sogar als Kind ist das bei mir angekommen. Ich will das meiste aus allem rausholen. Ich glaube nicht ans Jenseits, das hier ist es also.

Du veräppelst im Film allzu fromme Menschen. Nehmen wir Religion zu ernst?

Nein, ich denke, ich sage klar: Gut ist, was für einen funktioniert. Die Frage ist doch eher: Wie kann ein moderner Intellektueller Glauben und Spiritualität finden? Darüber handelt der Film.

Woran glaubst du?

Ich weiss es nicht. Aber ich finde Spiritualität in der Idee der Unendlichkeit des Universums.

Deine Filmfigur stellt vieles in Frage, aber nie ihren Status als Ehemann und Vater. Ist Familie das Wichtigste?

Ja, obwohl uns vieles andere oft als wichtiger erscheint. Ich denke aber, dass man an seinem Sterbebett an die Menschen in seinem Leben denkt und nicht an Karriere oder wie viel Geld man hat. Am Ende ist das doch alles, was zählt.

Wünschst du dir eine Familie?

Ja, unbedingt. Aber ich muss vorher noch die richtige Baby-Mama finden.

Du hast das Drehbuch mit deinem Bruder geschrieben. Habt ihr dieselbe Sicht auf die Dinge?

Ja, zum Glück. Wir sind beide nicht-religiöse Männer, die religiös erzogen wurden und jetzt versuchen, ihre Träume wahrzumachen.

Erst Natalie Portman, jetzt Kate Hudson. Wie schaffts du es, dass A-Lister in deinen Filmen mitmachen?

Ich hoffe, weil ich gute Frauenrollen schreibe. Es wird kaum mehr etwas gemacht, das nicht ein Hollywood-Popcorn-Movie ist. Schauspielerinnen eines Kalibers von Portman oder Hudson sehnen sich nach guten Drehbüchern.

Du hast vor zehn Jahren «Garden State» gemacht, dein neuer Streifen wurde über Crowdfunding finanziert. Ist es schwieriger geworden, Independent-Filme zu machen?

Wahrscheinlich schon. Die Filmindustrie hat akzeptiert, dass sie gerade durch die Pubertät geht, wie das die Musikindustrie vor zehn Jahren tat, insofern dass alle Modelle sich verändern. Und das schneller, als man es für möglich gehalten hätte. Die Menschen sehen das Kino immer weniger als kollektives Erlebnis.

Zwischen deinen Filmen liegen zehn Jahre. Hatte das damit zu tun?

Ja, ich hab alles versucht, doch die Projekte fielen ins Wasser. Einmal war ich schon Locations suchen in Atlanta, als ich den Anruf bekam, dass mein Star ausgestiegen ist und ich wohl nicht weitersuchen muss. Ich hätte in der Zeit natürlich eine kommerzielle Romantikkomödie drehen können. Aber das wollte ich nicht.

Dein «Scrubs»-Kollege Donald Faison ist auch im Film zu sehen. Habt ihr noch viel Kontakt?

Er ist mein bester Freund. Zurzeit lebt er sogar in meinem Haus. Ich liebe es, mit ihm zu arbeiten und ich dachte es wäre auch toll für die «Scrubs»-Fans.

Die Show war so populär. Wie erklärst du dir das?

Ich weiss es nicht. Aber sie ist in Deutschland und in der Schweiz viel beliebter als sie es in den USA war. Das ist toll. Wenn ich hierherkomme, fühle ich mich einen Tag lang wie Bono.

«Wish I Was Here» startet am 23. Oktober.

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