Briefkasten- und Pseudofirmen – In der Schweiz gibt es über 200’000 Geisterfirmen
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Briefkasten- und PseudofirmenIn der Schweiz gibt es über 200’000 Geisterfirmen

Fast ein Drittel aller im Schweizer Handelsregister eingetragenen Firmen sind wirtschaftlich inaktiv. Besonders im Kanton Zürich und in Dienstleistungs-Branchen sind Geisterfirmen verbreitet.

von
Dominic Benz
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Fast jedes dritte eingetragene Unternehmen in der Schweiz ist eine Geisterfirma. Am meisten sind im Kanton Zürich zu finden.

Fast jedes dritte eingetragene Unternehmen in der Schweiz ist eine Geisterfirma. Am meisten sind im Kanton Zürich zu finden.

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Laut des Wirtschaftsdaten-Anbieters Crif gibt es insgesamt über 200’000 solcher wirtschaftlich inaktiven Firmen.  

Laut des Wirtschaftsdaten-Anbieters Crif gibt es insgesamt über 200’000 solcher wirtschaftlich inaktiven Firmen.

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Dabei handelt es sich oft um Briefkastenfirmen, die einfach eine Adresse in der Schweiz haben wollen. In diesen Branchen gibt es am meisten Geisterfirmen:

Dabei handelt es sich oft um Briefkastenfirmen, die einfach eine Adresse in der Schweiz haben wollen. In diesen Branchen gibt es am meisten Geisterfirmen:

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Darum gehts

  • Von vielen in der Schweiz eingetragenen Firmen gibt es kaum mehr als einen Namen.

  • Weil sie aktiv kein Geschäft betreiben, werden sie Geisterfirmen genannt.

  • 29,3 Prozent aller im Handelsregister stehenden Firmen sind Geisterfirmen.

  • Darunter sind viele Briefkastenfirmen.

Im Schweizer Handelsregister sind Hunderttausende Firmen eingetragen. Doch ein grosser Teil davon ist wirtschaftlich gar nicht aktiv. Das heisst: Viel mehr als ein Name und eine eingetragene Rechtsform ist von den Firmen nicht vorhanden.

Von diesen sogenannten Geisterfirmen gibt es in der Schweiz 202’115. Das entspricht 29,3 Prozent aller im Handelsregister eingetragenen Firmen, wie der Zürcher Wirtschaftsdaten-Anbieter Crif untersucht hat.

Viele Briefkastenfirmen

Für die Inaktivität dieser Firmen gibt es verschiedene Gründe. «Es gibt viele Briefkasten- oder sonstige Pseudo-Firmen, die etwa aus Steuergründen eine Adresse in der Schweiz wollen, aber hier nicht aktiv sind», teilt Crif auf Anfrage mit. Es komme auch vor, dass eine Firma gegründet worden sei, man das Projekt aber nicht weiter verfolgt und liegengelassen habe.

Am meisten Geisterfirmen gibt es mit 34’419 im Kanton Zürich, im Kanton Waadt sind es 20'095. Dahinter folgt der Kanton Bern mit 18'468, Genf mit 14’157 und Aargau mit 12’401. Am wenigsten Geisterfirmen gibt es in Appenzell Innerrhoden mit 561.

Setzt man die Zahl der Geisterfirmen ins Verhältnis zu allen im Kanton eingetragenen Firmen, so liegt der Kanton Jura vorne. Der Anteil an Geisterfirmen beträgt dort 37 Prozent. Am wenigsten inaktive Firmen weist mit 24,2 Prozent der Kanton Tessin auf.

Verbreitet in Dienstleistungs-Branchen

Verbreitet sind Geisterfirmen in Branchen, in denen «freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen» erbracht werden, wie Crif schreibt. Dazu gehören unter anderem Firmen, die Steuerberatungen, Wirtschaftsprüfungen oder Unternehmensberatungen anbieten.

Dahinter folgt der Handel und die Instandsetzung von Motorfahrzeugen mit 33'045 und sonstige Dienstleistungen mit 14'845. In welchen Branchen es sonst noch viele Geisterfirmen hat, siehst du in der Bildstrecke oben.

Untersucht man die Rechtsformen, ergibt sich ein deutliches Bild: Am häufigsten sind Geisterfirmen bei Einzelfirmen anzutreffen. Von ihnen sind über die Hälfte der eingetragenen Firmen inaktiv.

Kollektivgesellschaften mit mindestens zwei eingeschriebenen Personen sind mit einem Anteil von 42,7 Prozent auf dem zweiten Platz. Dahinter folgen Stiftungen mit 29,8 Prozent. Am wenigsten inaktive Firmen gibt es mit einem Anteil von 14,1 Prozent bei Aktiengesellschaften.

Diese Firmen wurden untersucht

Das Wirtschaftdaten-Anbieter Crif hat sämtliche Firmen in der Schweiz betrachtet, welche älter als 18 Monate sind. Dabei wurde deren wirtschaftliche Aktivität untersucht. Firmen, welche weder Kreditgesuche stellen, noch Güter oder Dienstleistungen einkaufen oder Änderungen im Schweizerischen Handelsamtsblatt publizieren wurden als Geisterfirmen definiert.

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